Vorrede.
zu verrathen, zu unparthcyischcr Prüffmig zu un-terwerfen — Was er wegschneide soll weggeschnit-ten seyn, was er stehen lasse, soll stehen bleiben —Dieser Freund, den ich öffentlich mit lebhaftemDanke nennen würde, wenn ich nicht besorgenmüßte seiner Bescheidenheit zu nahe zu trettcn, warzugleich Mann von Geschmak, gründlicher Phi-losoph , und das Erziehungsgeschäst war seinLieblingsstudium — Ohn' Errathen gesteh ich, die-ser critische Freund strich mir sechs und dreyßigmeiner Fabeln als unpassend für das zarte Kin--eraltcr, das ich in der vorangcschiktcn Abhand-lung angab, an, und bei sieben Fabeln wünschte ertheils Verbesserungen in der Erzehlung, theilspassendere Sittenlehren — Sogleich sezt ich michwieder an mein Pult, erhob mich vom Schrift-steller zum Kunstrichter, suchte zu vergessen, daßdiese Fabeln das Werk meines Kopfs und meinerHände waren, und fand meines Aristarchen Ur-theile unwiderruflich. Ich bewunderte in seinenCritiken zugleich philosophischen Scharfsinn, tiefeKmderkenntniß, rciffe Beurtheilungskraft, undeinen geläuterten Geschmak. Ohne Barmherzig-keit schnitt ich meine poetischen Auswüchse weg,und behielt von sechsund dreyßig verworfenen Fa-beln nur zwey kleine Erzehlungen bet, die ich mit
neuen