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triziern von Nürnberg; aber freylich nach der geistlossen Methode der damaligen Erzieher, deren Pcdan-lerey so viele Anlagen erstickte. Anstatt sich mit denTriebfeder^ und Folgender wichtigsten Weltbegeben-heiten bekannt zu machen, mußte er Zahlen oder Na-menregister auswendig lernen, und statt dem Gei-ste der Alten in ihren Schriften nachzuforschen, blosihre Worte umschreiben, und Lesarten sammeln.Daher schleppte er oft in lateinischen Briefen an sei-ne Eltern und an seinen würdigen Großvater mitsaurer Mühe, aber geschmacklos, ciceronianische Re-densarten zusammen. Die neuern Sprachen, unddie Künste der Artigkeit, welche heut zu Tage, so-gar in vielen Republiken, für den Wesentlichsten Theileiner guten Erziehung gehalten werden, vernachläs-sigte er keineswegs; wohl aber die schöne Litteratur,weil es damals in Deutschland noch keine gab *).Statt dieser trieb man, wie in unsern Tagen, mitgrossem Eifer die Alchimie, Astrologie und anderegeheime Wissenschaften, worin er auch, jedoch ohneNachtheil seiner Börse, nicht ganz unerfahren blieb.Kleinere, ein geschickter Stempelschneidcr, gewannihn lieb, entdeckte ihm, daß er oft aus künstlichemGold, welches freylich eben so theuer als natürlicheszu stehen kam, Medaillen geprägt habe, und lehrteihn vvm großem Werk wie ein Adepte sprechen. Al-lein der gute Mann verlor den Verstand, ehe eine
*) Amn Beyspiel mag dienen, daß Escher einst an seine» Vaterschrieb : "Wegen den Versen zu Ehren novi vomini llon-,.s>üis habe ich noch keinen guten Poeten in Nürnberg erfraggen können, hoffe aber bis künftigen Montag einen zu be«^ kommen, welchen man der deutschen Poesie wegen sehr»rühmt"; und kurz nachher ganz ernsthaftberichtete:"Ich»habe nach Verlange» einen unvergleichlichen Voriikex Se-ismiken u. s. f.