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Lebensgeschichte Johann Kaspar Eschers, Bürgermeisters der Republik Zürich / [David von Wyss]
Entstehung
Seite
115
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hierauf/ sie ist witzig , bediente sich aber in der Fol-ge/ wie überhaupt der epigrammatische Witz seinerZeiten / noch öfter biblischer Verse in der Absicht sei-nem Freunde geheime Winke oder Erinnerungen zugeben. Nach der gänzlichen Beylegung dieser bür.gerlichen Zwistigkeiten / zu deren glücklichem Aus-gang die Klugheit und Mäßigung des alten Bürger-meister Eschers / welcher stets an die traurigen Fol-gen der Genferischen Revolution im Jahr 1707 zu-rückdachte, nicht wenig beygetragen hatte / verwan-delte sich Bodm;rs politische Verbesserungssucht ganzin Religions. Fanatismus. Er ward ein völligerSeparatist/ und weil seine Zeitgenossen gegen Irr-gläubige weniger tolerant waren, als gegen Frey-heits - Schwärmer, so verlor er alle seine Bedienun-gen, und mußte sich aus seinem Vaterland entfer-nen. Esther hatte indessen, seinem Versprechen ge-mäß, Bodmern, den er nunmehr für einen unschäd-lichen Visionär hielt, so weit es die Pflicht erlaubte,vertheidigt. Er hatte sogar, aber vergeblich, demgroßen Rath die schädlichen Folgen der Intoleranzund jeder harten Bestrafung eines freyen Bürgers,der sich bloß mit Worten vergangen hat, in einerbündigen Rede vorgestellt. Einige Jahre hernach be-suchte er seinen ehmaligen Freund Bodmer zuKolombiers , wohin derselbe mit seiner liebens-würdigen Gattin gezogen war , und, wie ehedem,auf einen für seine Glücksumstände zu freygäbigenFuß lebte. Auf die Bitte der Gattin wollte er deneigensinnigen Schwärmer bewegen , daß er nur ein-mal jährlich das Abendmal empfange, weil manihm alsdann die Erlaubniß zur Rückkehr in seine Va-terstadt verschaffen könnte. Allein Bodmer betheuerteer würde solches für alle Schätze der Welt nicht thun,und blieb also ein Opfer der Rechtgläubigkeit, deren