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Lebensgeschichte Johann Kaspar Eschers, Bürgermeisters der Republik Zürich / [David von Wyss]
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118
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noch ungclautert waren und einen etwas mystischenAnstrich hatten, dennoch weit von aller Intoleranzentfernt war. Er sagte daher in einem dieser Auf-sätze : « Es ist sehr zu wünschen, daß man gegen an-« ders denkende, besonders solche, welche ihre Grün- de aus den Quellen schöpfen , duldsamer werde; denn das helvetische Glaubensbekenntniß ist keine» unveränderliche Richtschnur , sondern eine, mit der deutlichen Erklärung , wenn jemand etwas bes- seres aus der Schrift lehren könne , so sey man bereit, solches anzunehmen , bekannt gemachte« Vertheidigungsschrift Auch entsprachen seineHandlungen diesem Grundsatz bey mehrern Gelegen-heiten, da sich die Geistlichkeit in Untersuchung vonLehrsätzen einlassen, und Irrgläubige verfolgen woll-te, vollkommen. Errettete;. B. einen gewissen Kan-didaten Ziegler, der den Lehrmeinungen des Origi-nes beypflichtete, von einer demselben nur aus die-sem Grund zu gedachten empfindlichen Strafe, konn-te aber nicht hindern , daß sein Klient nicht feyerlichversprechen mußte, die unbedingte Gnadenwahl unddie Ewigkeit der Höllenstrafen in ihrer ganzen men-schenfeindlichen Ausdehnung öffentlich zu lehren *).

Allein uichts hatte Eschern mehr an der Seele ge-legen als die öffentliche Erziehung der Jugend, von

*) Eine schriftliche Erklärung, welche das Kollegium derEra-minatoren dem erwähnten Kandidaten über sei» NeligionSfp-stem zuerst abgefedert hatte, war vou Eschern abgefaßt wor-den ; ci» Beweis, was man von seinen theologischen Kennt-nissen hielt. Allein man hatte diese Erklärung nicht ganz recht-gläubig gefunden und daher die Sache vor dem Rath anhän-gig gemacht, in Ansehung dessen der abgedachte Gwerb be-merkte: " da wird die Religion schon gemacht werden, wie» sie seyn soll