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Lebensgeschichte Johann Kaspar Eschers, Bürgermeisters der Republik Zürich / [David von Wyss]
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120
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I2O

Nicht kalt und leer bleibe, und kürzte hingegen, umihre Gedult nicht zu ermüden, die Lehrstunden ab.Anch wurde das Auswendiglernen , wodurch die ju-gendliche Beurtheilungskraft zuweilen mehr ge-schwächt, als berichtiget wird, gehörig eingeschränkt,und dem Unterricht in der Philosophie und dcn masIhematischenWissenschaften desto mehrIeit eingeräumt.In Rücksicht auf die Theologie hatte Esther bey die-ser Schulreformation noch das besondere Verdienst,daß er die Lehrer derselben mit gutem Erfolg aufforderte, mehr die h. Schrift als menschliche Lehrgebäu-de zu ihrer Richtschnur zu nehmen , und in der Bibelnicht bloß die Vestattigung eigner Lehrsätze zn suchen.Dieses letztere tadelte er wirklich, bey allen Gelegen-heiten , mit großer Wärme, als eine aus Eitelkeitund Trägheit entspringende Vernachlaßigung deswichtigsten unter allen Rechten, welche der eiserneMuth unserer großen Reformatoren für die Mensch-heit erfochten hat, und munterte dagegen jedenangehenden Theologen zum Studieren der griechi-schen Sprache, in Hinsicht auf das neue Testament-niit vielem Eifer auf*).

Im Jahr 1717 erhielt Esther von seinem Souve-rän mit großer Stimmen-Mehrheit , ohne Anwen-dung der damals bey Wahlen gewöhnlichen Kunstgriffe, und obgleich er einen mächtigen Mitwerbcrgehabt hatte, die ansehnliche Stelle eines Landvogtsder Grafschaft Kyburg. Seine sechsjährige Regie-rung daselbst , wo ein Landvogt die Civil und Kri-

*) Wie wirksam und nicht bloß glänzend diese ganze Schnlre-strmation gewesen war, beweiset die vorzüglich große Anzahlgelehrter und aufgeklärter Männer, die alle unmittelbar nachderselben in dem AürcherscheiiGymnasw sich bildeten, wie z.B-Bodmer, Breitingcr, Hagenbuch u. a. m.