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Lebensgeschichte Johann Kaspar Eschers, Bürgermeisters der Republik Zürich / [David von Wyss]
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dieselben anzeigen wollten, und lehnte es unter man-cherley Vorwand von sich ab, die Bauern mit wirkli-chen Strafen zu Besuchung des Gottesdienstes anzu-halten , wie ihre Seelsorger, kraft obrigkeitlicherMandate, zuweilen von ihm verlangten. DiesesVerfahren wird heut zu Tage bey der aufgeklärtenWelt leicht Entschuldigung finden , besonders wennman in Erwägung ziehet, daß es nicht nur in Frey-staaten, sondern aller Orten, Edikte genug giebt,die mit Länge der Zeit ihre Anwendbarkeit verlieren.Auch mußte Escher dasselbe nicht verantworten; erwagte es einst sogar in den Kopien einer Kleiderord-nung , die er den Predigern aus obrigkeitlichem Be-fehl , mit dem Auftrag dieselben öffentlich herzulesen,zusandte , einige zwischen dem Bürger und denLandleuten gemachte Unterscheidungen wegzulassen,weil das blosse Gerücht davon auf dem Lande hinund wieder großes Mißvergnügen erweckt hatte. Sei-ne Regierungskunst lag , wie er selbst sagte , ganztn folgender Vorschrift des Cicero: « Alle Staats- männer müßen sich zwey Regeln des Plato ein- prägen; die erste , daß sie bey allen ihren Ver- richtungen, bloß das Beßte der Gesellschaft, der sie vorstellen, nicht ihre eignen Vortheile zur Ab- ficht haben; die andere, daß sie den ganzen Kör- per des Staats mit ihrer Fürsorge umfassen, damit nicht ein Glied desselben zum Nachtheildern andern begünstiget werde. Die Regierung ist eine Vormundschaft; beyde aber find eingeführt, nicht zum Beßten derjenigen, die sie führen, sondern zum Glück derjenigen , die unter ihnen stehen. Eine Regierung hinwieder, die sich nur einer» Klasse vvn Bürgern annimmt, eine andere hintan-« setzt, streuet den Saamen der gefährlichsten Krank-