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Lebensgeschichte Johann Kaspar Eschers, Bürgermeisters der Republik Zürich / [David von Wyss]
Entstehung
Seite
125
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» Heiken in einem Staat / der Zwietracht und des» Parteygeistes aus u. s. f." *)

So gütig Esther gegen seine Untergebnen war ,so wußte er doch sein obrigkeitliches Ansetzn vorzüg-lich gegen Auswärtige sehr gut zu behaupten.

Nicht selten bediente er sichln dieser Absichteiuesglücklichen Scherzes**)/well er ungeachtet seiner vie-len und oft unangenehmen Berufsgeschäfte fast im-

*) Diese goldenen Worte stehen in Ciceros erstem Buch von denPflichten, dem rzsten Kap.

*') Einst z.B- forderte ein benachbarter Landvogt die von Eschernschon mehrmals abgeschlagene Auslieferung eines kyburgi-scheu Angehörigen in einem beleidigenden Brief, den einGerichtsdiencr nach Kyburg überbrachte. Als Escher in Ge-genwart des Ueberbringers diesen Brief gelesen und wahrge-nommen hatte, daß derselbe nicht unterzeichnet war, sagte ermit lauter Stimme, so unverschämt könne ihm kein Land-vogt, sondern nur ein B^ geschrieben haben, und bedrohteden Gerichtsdieuer mit Gefängnißstrafe. Dieser betheuertevoller Schrecken seine Unschuld, und daß sein Prinzipal denBrief wirklich geschrieben habe ; auch versprach er , alsman ihn hierauf entließ, das Vorgegangene au die Behördezu hinterbringen , wodurch Escher wirklich einen friedlichenNachbar bekam. Mit einem ähnlichen Scher; rächte sich Escheran dem Prälaten zu F'. Dieser hatte ihm einen Kirchendiebzur Gnade empfohlen. Weil seincSmpfehlnng nicht im Ernst ge-meint war, so hatte er nach Ausfällung des gehörige» Straft«rtheils in Kyburg an den Landvogt geschrieben : « Der Dieb,» welcher an Ihnen einen z» gnädigen Richter gefunden hat, wird izt an dem Galgen zu Schafhausen den verdienten Lobn,, erhalten Escher erfuhr zu gleicher Zeit die Entweichungjenes Verbrechers aus dem Gefängniß und antwortete hieraufdem Prälaten: » Euer Hochwürden irren sich, wenn Sie glau- ben , daß Ihr Dieb gehangen werde; denn der Stand Schafhausen hat das Grundgesetz, niemand hänge» zu lassen, der nicht in seiner Gewalt ist