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heitsliebe, selbst unter den Einwohnern der demokra«tischen Kantons, ausgezeichnet. Sein Land wirddurch den Fluß Gitter in zwey Theile abgesondertund scheint ein einziges Dorf von tausend und tau-fend Hütten, jede in dem Mittelpunkt einer mit fet-tem Vieh bedeckten Matte zu seyn. Der Leinwand-handel ist nebst der Brodcrie und Spinnerey dieHauptquelle seines grossen Reichthums, der so sehrgegen die unthätige, aber mit reinern Sitten undmehrerer Genügsamkeit verbundene Armuth der in-nern Rhoden absticht. Auf seiner Landsgemeinde'votieren mehr als ivvoo. Mann; da hingegen dieder innern Rhoden nur ungefähr zvoo. Mann starkist, und dennoch ihre besondern Gesandten auf dieTagleistungen sendet, woselbst beyde Landsgemein-öen nur Eine Stimme haben. Jede Gemeinde hatihre Haupkleute oder Rathmanner, aus denen dergrosse Landrath bestehet, von welchen, unter demVorsitz der alle Jahre neu erwählten Landeshäupter,die gewöhnlichen Regierungsgeschäfte besorgt wer-den. Herisau, der schönste Flecken des Landes, liegthinter der Gitter, zur Linken dieses Flusses ; undTrogen, ein ebenfalls blühender Ort, zur Rechtendesselben, oder vor der Gitter. Wenn der eineLandammann oder der eine Statthalter disseit desFlusses wohnt, so muß der andre jenseits erwähltwerden.
Die sämmtlichen Gemeinden waren während desTockcnburger-Krieges wider den Abt von St. Gal-len sehr erbittert geworden. Nachher hatten sie, imJahr 1714 , durch den Roschacher - Frieden einenDistrikt äbtischen Landes bis an die Mauern derStadt St. Gallen zu erhalten gehoft. Solches aberwar, ungeachtet aller eifrigen Bemühungen derStande Zürich und Bern, unmöglich gewesen. Hin-