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weit länger als jene dauerten. Die Stadt Grnf,ein merkwürdiger Kampfplatz der Aristokratie mitder Demokratie, war damals in einer gefährlichenGährung. Ihres geringen Umfanges ungeachtethat diese Republick seit bald einem Jahrhundertdie Augen von halb Europa durch Unruhen auf sichgezogen, deren ehrgeizige Anstifter ihre Leidenschaftten unter der Maske des Patriotismus sehr geschicktzu verbergen wußten, und deren Ursachen einer nä-hern Untersuchung bedürfen. Sie ist für den erleuch-teten Geschichtforscher em lehrreiches Beyspiel gewor-den , wie die schädlichen Folgen, welche mit Reich-thum, Verfeinerung der Sitten und Kultur desGeistes verbunden sind, nichr nur nach dem Maasse,nach welchem diese Vorzüge grösser werden, sichauch vermehren, sondern wie sie zuletzt die gutenWirkungen eben dieser Vorzüge überwiegen, unddas wahre Glück kleiner Freystaaten, in welchenEhrgeitz und Eifersucht die gefährlichsten Feinde deröffentlichen Ruhe sind, auf immer stören können.
Schon im Jahr 1727. waren zu Genf heftige Un-ruhen entstanden, und die mit ihr enge verbündetenKantons Zürich und Bern waren genöthigt gewesen,Mittelspersonen, nebst andern auch Eschers Vater, da-hin abzusenden. Diese Gesandten kamen aber bald wie-der zurück, nachdem sie allen Parteyen Unrecht gege-ben hatten; und in derFolge legten beyde Stände, aufVerlangen des Magistrates, Truppen in die Stadt,weil fremde Kriegsvölker dieselbe beunruhigten. Destoleichter konnten die Aristokraten an den Anführern derBürgerschaft Rache nehmen. Diese letztem wur-den von dem kleinen Rath, unter dem Verwandeiner wider ihn angestifteten, aber nicht ausser Zwei-fel gesetzten Verschwörung, theils zum Tode ver-urtheilt, theils des Landes verwiesen. Einige Jahre