7» Zweytes Buch,
schon verständlich zu machen; Paracelsus redte undschrieb, um von niemand verstanden und von allenbewundert zu seyn. Anstatt durch die Beredsamkeitund die Zierlichkeit der Schreibart die Herzen derMenschen zu bezwingen, wußte er sie durch eineSchreibart zu bezwingen, die vernunftlos im Grun-de, aber im ausser» Geheimnisreich und tief, diewichtigsten und erhabensten Wahrheiten Idioten zuverbergen schien, und von wenigen widerlegt wer-den konnte, weil ihn keiner verstund. Mit diesenEigenschaften hatte Paracelsus Bombast die Einzel-herrschaft in der Arzneykunst errungen, und unterdem Pöbel besitzt er sie noch itzt. Er sagt in derVorrede zu seinem Buche Paragranum, ihr müssetmir nach, ich nicht euch, ihr mir nach, mir nach,Avicenna, Galenus, Rhazes, Montagnana, Me-sue, mir nach und nicht ich euch nach, ihr von Pa-ris, ihr von Montpellier, ihr von Schwaben, ihrvon Meisten, ihr von Cöln, ihr von Wien, undwas an der Donau und dem Rheinstrom liegt, ihrInseln im! Meer, du Italien, du Dalmatien, duAthen, du Grieche, du Araber, du Jsraelite, mirnach und nicht ich euch nach, mein ist die Monar-chey. Er rühmte sich, er könne Gold machen, unddoch war er arm; er habe wider alle Krankheitenein unfehlbares Heilmittel, und doch konnte er sei-nen eigenen Husten, sein Podagra und eine Steif-srgkeit in seinen Gelenken nicht heilen; er besitze denStein der Unsterblichkeit, und doch starb er vor sei-nem fünfzigsten Jahr. Umsonst sind die Lügen, dieTollkühnheit, und der bis zum äussersten Wahnsinngetriebene Aberglaube dieses Mannes der Welt inseinen zahlreichen Schriften übergeben, seine Nach.folger haben ihn vergöttert. Umsonst rief Bacondie Weisheit von dem Himmel, noch umnebelt den