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D. Joh. Georg Zimmermann, Königl. Großbrittannischer Leibmedicus in Hannover, von der Erfahrung in der Arzneykunst
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71
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viertes Kapitel. ?r

Pöbel aller Stande die Vettelphilosophie des Pasracelfus. Umsonst werden die finstern, grundlosenund der ganzen menschlichen Gesellschaft höchst ge-fährlichen Grillen dieses Sternnarrs von allen wah-ren Weltweisen, Naturforschern und Aerzten ver-abscheut. Noch werden sie alljährlich durch unsereCalender dem Pöbel gepredigt, und von ihm steiferals das Evangelium geglaubt.

Johann Baptista van Helmont folgte dem Pa.racelfus in der gegründeten Verachtung der Schu-len , in der Aufsuchung stärkerer Arzneyen, aberauch in der Unterbringung der Arzneykunst durchdie Chimie, in der Verabsäumung der Feiten,der Abänderungen, der Zeichen und Ursachen derKrankheiten, in der Anpreisung allgemeiner Arz-neyen und wunderwirkender Panaceen, und in dergrossen Meynung von sich selbst. Er erzählet ir-gendwo, Gott habe seinen Geist erleuchtet, nach-dem er alle seine Bücher weggeschmissen, um in derWelt auf der Wahrheit herumzureisen, auch versieheniemand die Arzneykunst als er» Er rühmt an ei-nem andern Orte, er habe durch nächtliches Stau-nen und Fantasiren, durch Träume und Erscheinun-gen , grössere Progressen in den Wissenschaften ge.macht, als durch seine Vernunft. Die Praxis derAlten tauget nichts, sagte dieser NiederländischeWeise, denn sie waren Heyden.

Bey einem so allgemeinen Verfall wuchs die Anszal der einfachen und die Verwirrung der zusammen-gesetzten Mittel. Die Galenischen Aerzte gaben ih-ren einfachen Arzneyen Tugenden, die alles zu er-schöpfen schienen , was sich zum Vortheil des Men-schen wünschen ließ; alles taugte bey ihnen zu al-lem. Die chimischen Aerzte erzählten Wunder vonihren Extratten und Tinkturen; ihre verstiegene