Kolbe.
reichen Familie, entschloß er sich, ungefehr inseinem Zwanzigsten, einen Ruf nach Dessau, alsLehrer der französischen Sprache, in der dortigenAkademie anzunehmen. In Mußestunden erwachteseine frühere Liebhaberey wieder; doch kopirte ernie, und seine Versuche waren wenigstens Selbst-gedachtes. Nach drey Jahren, als er eben dieUniversität besuchen wollte, erhielt er eine Forst-schreiberstelle in Diensten des Ministers von Schu-lenburg, bey welcher er wieder drey Jahre blieb,(während welcher Zeit seine Kunst neuerdings roste-te) als ein lebhafter Auftritt zwischen dem Ministerund ihm ihn bewog, seinen Abschied zu verlangen.Er kehrte nach Dessau zurück, wo er, ohne großeLust, »och einige Jahre an dem pädagogischenWagen des allmälig wankenden Institutes zog«Alsdann faßte er (schon über die Dreyßige hinaus)den Entschluß, die Kunst, mit der er bis dahinnur gespielt hatte, als ernsthaftes Geschäft zu be-treiben, und das Studium derselben wieder beymEi anzufangen. Ein Freund streckte ihm so vielvor, als er nöthig hatte, ein Jahr ohne Sorgenzu leben. Damit gieng er nach Berlin zutück, undmeldete sich bey der Akademie, in der er alle Classendurchzog. In i/g 5 . nahm ihn dieselbe zu ihremordentlichen Mitgliede auf. Seine Neigung lenkteihn vornämlich auf die Landschaft — hatten dochdie westlichen Eichenwälder im Dessauischen einen sotiefen Eindruck bey ihm gemacht, daß sein sehn-lichsterWunsch war, es möchte ihm einst gelingen,diese herrliche Natur auf dem Papier so lebhafthervorzuzaubern, als er sie dort in der Wirklichkeitsah. Dennoch beschränkte er sich in seinen Studienauf die Figur, überzeugt, daß, wenn es ihmgelange, die Natur in ihren festen, regelmäßigenFormen aufzufassen, es ihm ein leichtes seynwürde, sie auch in ihren schwankendem Erschei-nungen festzuhalten. Eben so zeichnete er meistensins Große, theils um dadurch zu fleißiger Aus-führung des Einzelnen gezwungen;» werden, theilsum sich nicht zu frühe an das Kleinliche der Al-nianachs-Manier zu gewöhnen. Ans -Malen durfteer bey seinen Jahren nicht mehr denken; ein wackrerKupferstecher zu werden- war Alles worauf er An-sprache machte. Mittlerweile hörte die oben er-wähnte freundschaftliche Unterstützung auf; unserReibe mußte wiederum zum Schulmeistern seineZuflucht nehmen, wobey die Kunst abermals inden Hintergrund trat. Dennoch benutzte er seineNebenstunden so gut er konnte, und zeichnete vielnach Gyps und nach dem Leben. Auch gieng erjetzt zuerst ans Radieren, uud zwar dieses durch-aus ohne Anweisung- und nur mit den kümmer-lichsten Begriffen der mechanischen Handhabung.Auch halt er selbst seine diesfälligen ersten Versuchefür sehr schlecht. Indeß machte die Arbeit ihmVergnügen, und eine ihm bey allen löblichenDingen angeborne Beharrlichkeit hielt ihn bey der-selben fest. Einige Blätter von Waterloo undEeßner, die ihm zufällig in die Hände fielen,gaben ihm besonders Aufschluß über Manches:Das Lebendige und die Wahrheit ihres Ausdruckssprachen ihn gewaltig an; er studkrte sie auf dasFleißigste, ohne sie eigentlich zu copiren; dabeyfaßte er die Natur scharf ins Auge, und verglichsie überall mit den Darstellungen jener Meister.Eo suchte er sich aus diesen" dreyfachen Elementeneine eigene Manier zu schaffen, welche anfangsnicht ohne Härte war, aber sich tünch Uebungabschliff, bis sie mehrere Leichtigkeit und Anmuthgewann In der Landschaft, diesem gegenwärtig:einzigen Fache unsers Künstlers, hatte derselbeoenmach nie keinen eigentlichen Lehrer gehabt/ auchme copirt. Selbst die Natur hielt er nur mit demAuge, nicht mit dem Griffel fest. „Ich glaube"(sagte er uns eines Tags selbst) «nicht, daß dieseMchode gut ist; aber der eigene Weg, den ichPr Kunst gegangen bin, hat sie mir gleichsam auf-bezwungen". So hatte er auch für die Form immermehr Sinn, als für den sogenannten Effekt; erstlpatcrhin war er durch die Umstände veranlaßtworden, auch auf diesen Theil mehr Aufmerkfam-
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keit zu verwenden. Nach einem etwa dreyjährigenAufenthalt in Berlin erhielt er einen ehrenvollenRuf von dem H. Fürsten von Dessau, der damalsdie Absicht hatte, eine Kunstakademie anzulegen,und ihn ^ls Lehrer bey derselben anstellen wollte.Der Plan änderte sich nachher, und er übernahmeine Lehrstunde in der dortigen Hauptfchule. InNebenstunden arbeitete er eine Menge Platten (nachseinem eignen bescheidenen Urtheile von ungleichemGehalte) aus, welche er theils an das Jndustn'e-Comtoir zu Wien, theils an die Kunsthändler G.Fleischer und Zehl in Leipzig und an Friedhof inBerlin verkauft, unter welchen er selbst einige Land-schaften, und etliche große idyllische Compositionenmit Kräutern- in dem zuerst erwähnten Verlage,für die beßtett hält. Von den 4 g. in 1796. beyFleischer (zu 8. Thlr.) erschienenen findet sich einumständliches Verzeichniß in MeuselsMisc. III. aM Schlüsse. In i 8 o 5 . erhielt dieserverdienstvolle Künstler von seinem Fürsten die Er-laubniß- der Einladung der Familie des DichtersGegner nach Zürch zu folgen, welche seither diebekannten vortrcffichen Blatter nach den Aquarell-Zeichnungen des erstem ausführen ließ, die bereits(1807.) zu vier Heften, jedes von vier Blätternerwachsen ijft Eine ausführliche Beurtheilungdes ersten Hefts dieser Unternehmung seiner derwenigen, welche in unsern neuern Tagen derdeutschen Kunst wahre Ehre macht) liest man inMeusels Arch. II. 2. in—14, Unsers Er-messens übertrift jedes neu erscheinende Heft anWerthe noch seine Vorgänger; und wir kennentheils überhaupt, neben dem Wiener Barrsch, unddem französischen Bol'ssieux keine Aeznadel, welchegegenwärtig der Kolbischen gleich käme, und vol-lends gcinz keine, welche geeignet wäre, sich inden Geist der Geßnerschen Urbilder so hinein zu ar-beiten, wie es die seinige ^thut. Einzig möchtenwir in etlichen dieser Blätter Minder zerstreuteLichter, und fast in allen eine zartere Behandlungder Carnatiott in den Figure.n wünschen. Ganzneuerlich sah Man noch von unserm Künstler eineinzelnes schönes Blatt: Das Geßnersche Denkmalvon Lrippet, nach einer Zeichnung von Senn. chftc.
Rölbe, (Carl Wilhelm), der jüngere, einjuüger talentvoller Künstler, Neffe des Vorge-nannten, von welchem man auf dem Berliner-Salon von 1800. den Tod des Stallmeisters Frobenin der Schlacht bey Fehrbellin, eine Zeichnung inschwarzer Kreide sah, von welcher es in der Zeit-schrift Lerlin II. 4. 8)—86. hieß: Der Gegenstandsey gut aufgefaßt, das Ganze aber für einSchlach-tenstück zu einförmig und zu ruhig.
— — (Heinrich), gebürtig von Düsseldorf,Vaters-Bruderssohn des ältern Carl Wilhelm,Schüler von Vincent- erhielt 180H. das erste Accessitder Zeichenkunsi in der Spezialschule der SchönenKünste zu Paris,, damals Z 4 I- alt, und befindetsich, unsers Wissens/ dermal noch in Frankreich.
R 0! s, ( van). So wird von Daurv (S. .)ohne Weiteres, ein Maler genannt.
Roker, (Johann Carl). Und so irgendwo einMaler, nach dessen Aitarblatt in der Kirche zuMengen I. D. Herz eine Mater Dolorosa ge-stochen hat.
* Rolln, (David). S. Colptts.
, Roll/ ( )- Zeichenmeister des Erzherzog
Rudolphs von Oesterreich, der im I. 1804. durchihn, als Mitglied der KK. Akademie der bildendenKünste zu Wien, derselben eine mit Richtigkeit undGeschmack ausgeführte HandzeichnungderRaphael-fchen Madonna della Seaiola zugesendet hatte,und hierauf von ihr ebenfalls zum Mitgliede auf-genommen wurde.
Roller, (Joh. Jac.), ein Zeichner und Kupfer-ätzer von Zürich, geb. das. 1746. arbeitete einige Zeitzu Frankfurt am Mayn, wo er diese Stadt in sechsN n n n