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Lairesse.
Lala.
»Wenn ihm" (sagt Watelet) »etwas aus seinemLande anhieng, so waren es bloß die Farbe undder Pinsel; übrigens suchte er in seiner Vorfiel-tungs- und Anordnungsweise die Italiener nach-zuahmen, ohne Italien, noch selbst Frankreich,jemals gesehen zu haben. Man bemerkt sogar,daß er sich vorzüglich Pouffin zum Muster nahm(den er doch bloß aus Stichen kannte), undkönnte ihn vielleicht den durch schlechte Studienverbildeten Pousfin nennen. Denn wohl ahmteer denselben in der Wahl und Ordonnanz seinerGegenstände, aber nicht in der Tiefe seiner Be-trachtung, in seinen vortrcflichen Gedanken, inder verständigen Ausführung, in der Kenntniß derAntiken, und in der Reinheit der Zeichnung nach.Dennoch hatte er von dieser letzter» und einergewissen Eleganz den Schein, oder, möchte mansagen — die Charletanerie?" Einfacher, abereben darum desto wahrer heißt es von ihm beyFüßit IV. 255 — 56 . »Latresss genoß eine wis-senschaftliche Erziehung, die hernach in allen seinenWerken einen sehr merkbaren Einfluß hatte. SeineIdeen sind dichterisch und immer mit feiner undrichtiger Beurtheilungskraft verbunden. SeineAnordnungen sind sowohl in historischer als inmalerischer Hinsicht verständig, und von eben soangenehmer als starker Wirkung Bey seinenVorstellungen wußte er den interessantesten Zeit-vunkt zu wählen; und, wo er sich allegorischerBilder bedienen mußte, war er sowohl sinnreichals deutlich. Seine Zeichnung zeigt mehr dasStudium der Natur als der Antiken, und istganz im niederländischen Geschmacke. Dennochsind seine männlichen und weiblichen Formen we-niger schwerfällig als jene der Rubensischen Schule.Im Ausdrucke der Gemüthsbewegungen war erstark ohne Uebertreibung, und bediente sich mitungemeinem Scharfsinn aller Nebensachen, diezur mehrern Derständlichmachnng des Hauptge-genstandes einer Vorstellung beywirken konnten,ohne jedoch dadurch die Composirion zu überladen.Seine Drapperien sind mit großem Geschmackbehandelt. Licht und Schatten wußte er auf dieVortheilhafteste Art zu vertheilen, und sein Coloritwar wahr, stark und harmoniös." An seinen Fi-guren tadelt man, neben dem Mangel an Schön-heit, das kurze Verhältniß, was indessen (heißtes bey Rost II. 10.) z. B. an seinen Bildern inder Galerie zu Kassel nicht der Fall ist. Erarbeitete mit wunderbarer Schnelligkeit, und solleinst an Einem Tag: Den Apoll mit allen neunMusen (die mögen es ihm vergeben!) gefertigthaben. Uebrigens waren ihm Fabel und Geschichtewohl bekannt; und beobachtete er daher das Co-stnme, so wie überhaupt alles Schickliche beyseinen Vorstellungen sehr gut. Lonf. seine Cha-rakteristik in Landons Ann. XI. 21—22. Daßer, wie es heißt, um sich vor der Rache einervon ihm verlassenen Weibsperson sicher zu stellen,«un gar eine Frau genommen, ist bekannt; undleider! eben so, daß er in der Schwelgcrey (mansehe nur die häßliche Maske seines Gesichts an —und doch — schrecklich zu hören! sahen ihn — dieWeiber gern!) und daher in der Armuth gelebt, undfrühzeitig blind geworden sey. Der Vortreflich-keit wegen in Allem, was in der Kunst bloßmechanisch heißt, standen übrigens die Werke die-ses Künstlers immer in hohem Ruf. Noch in1777, wurde eine Anbetung der Weisen von ihmauf einer Auction zu Paris für iZ,ooo. Livr. er-standen. In gleicher (praktischer) Rücksicht hatfein zu wenig bekanntes (ins Deutsche freylichelend genug übersetztes) Buch von der Malerey(welches er seinen Kindern und Schülern währendseiner Blindheit dictirt hatte) großes Verdienst;weit minder sein Zeichenbuch. Als Kupferstecherdann gebührte ihm in einigen Rücksichten dasselbeLob, und noch gewisser derselbe Tadel, welcherihm als Maler von ächten Kennern zu Theil ward.Dießfalls mochte er sich Pietro Testa zum Mustergewählt haben; und freylich haben auch seineBlatter nicht einerley Verdienst; dessen ungeachtet
wird sein Werk im Ganzen noch immer hochge-schätzt, und ist für junge studirende Künstler aus-serordentlich lehrreich. Neben ihm, der das Meisteselbst gestochen, haben noch van der Berge, Glau-bet, Pool u. a. mit mehr nnd mindern, Geschickedaran gearbeitet. Zu den reichsten Composirionenseiner eigenen Blätter gehören: Joseph von seinenBrudern erkannt; Salomo zum Könige gesalbet;Antonius und Cleopatra; der Amazonenmarsch;das große Bacchanal, und die drey Allegorien aufden Prinzen von Oranien. Neben vieren der schongenannten (Joseph, Salomo, Anton und Cleopatraund dem Bacchanal) schätzt Fußli (I c. 266-265.)am meisten, und beschreibt umständlich: Die Ge-schichte der ersten Menschen in 6. Blattern, dieAufopferung der Iphigenia, und die Traume.Unter dem nach ihm Gestochenen, wovon sich eineziemlich reiche Litteratur in dem Gantkatalog vonBrandes bey der niederländischen Schule (Rostzählt ihn zu der deutschen) findet, wird dort haupt-sächlich bemerkt: Der triumphirende Einzug Ale-xanders zu Babylon (12. Blätter) von Faucci,Pazzi, Polanzani und Roffi (1766.), nach denLambris im Schlosse zu Mannheim gestochen,und deßwegen höchst selten, weil der Kurfürst diePlatten — vergolden ließ; dann das güldene Alter,und Herkules vor dem Tempel des JanuS, vonBlooteling in Schwarzkunst geschabt; der Herbstund Winter von Munnichhuysen (diese viere alsschöne Blätter), u. s. f. Const auch den Gant-katalog von wrukler (ebenfalls bey der holländi-schen Schule), und ein Vcrzeichniß meines sei- Va-ters, wo nicht »linder nach unserm Künstler Mch-reres, theils von den schon benannten Stechern,theils von andern, wie z. B. von I. Baptist,I. F. Bause, A. ve Bleis, Dnflos, C. Gregor!,P. A. Kilian, I. H. Mortimer (Landschaften),I-C Phiüps, K-Picart, C. G. Schulze, Tanje,A- Tischler, G- Volk, W. Vaillant,^ N. Verkoste,und L. Zucchi erscheint. Endlich zählt man nochunter Lairesss's Kupferwerke die Sammlung vonantiken Statüeu aus dem Kabinet Reynst, welcheaus 110 Bl (wir denken wohl bloß unter seinerAufsicht) gestochen wurden, und die voll Kennernsehr geschätzten io 5 . Blatter zu Godfr. BtdloosAnatomie (Fol. Amsterd. i 685 .).
*La treffe (Negnier), Gerards Vater,dessen im Lex. im Art. seines Sohnes bloß bey-läufig gedacht wird Nach ihm nennt der Kata-log von Brandes den Tod des Sencca, einschönes Blatt von M- Pool.
Lautre ( de), sollte vielleicht eher Delastreheißen; ein französischer Bildhauer, studiere zuRom; nach seiner Zurückkunft verfertigte er dasBildniß des Pfarrers von S. Andre oes Ares z»Paris. Er blühete um 1780.
Lairre oder La irrte (Carl Maria oderCarl Remigius) — so abscheulich verstümmeln dieFranzosen ihre eigenen Landsleute (Latrrs ist wohlder richtigere Name), ein nm 1802. ig.jahrigecBildhauer aus Paris, Schüler von Dejoux, er-hielt damals den zweyten Preis der Sculptur desdortigen Nationalinstituts durch ein Basrelief fürdie Aufgabe: Der von seiner Amme Emyclea er-kannte Ulysses; und dann 1804. vollends den er-sten Preis, ebenfalls durch ein Basrelief: Me-leager, der sich weigert, die Waffen für's Va-terland zu ergreifen, nach dem IX. Buch derJlias. S- Lands» Ännal. XII. 59. wo sich/ineAbbildung davon im Umrisse findet. Gegenwärtig(1807.) befindet sich dieser junge Künstler zu Rom,und es werden von seinen wettern Fortschrittengroße Hoffnungen geschöpft Bereits sah manauf der dortigen Ausstellung desselben Jahrs vonihm das Brustbild des kurz vorher verstorbenenDirektors der Akademie, Suvee's. Veffeml.Nachr.
* Lala. In der letzten Zeile dieses Art. imLex. l. anstatt: Sop/lsn, Sopylus-