Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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2005
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V a n ii u c c i.

Francesco (lauter Peruainer) in die Schule *).Noch Andere wollen Vercocchio zu Florenz zuseinem frühesten Meister machen, was aber be-sonders der p. Rest» in seiner LuIIsrla portutilssehr scharfsinnig widerlegt, und gründlich zeigt,daß pietro, als er nach Florenz kam, bereitsselbst ein achter Meister war, und somit keinesAndern bedurfte, wohl aber dort von erwähntemVerrocchio, u. a. theils lebenden, theils frühernKunstlichtern noch manchen Vortheil zu seinerVervollkommnung zog. Die Kunst des Unsrigencharakterisier Laiizr (L6. teer.) I. 26—27. wiefolgt: »Wohl war sein Styl bisweilen roh odertrocken, wie Anderer seines Zeitalters, und dürf-tig das Drappiren seiner kurz und enggekleidetenFiguren Aber, wie reichlich ersetzte er nichtdiese Mangel durch die Grazie seiner Köpfe, zu-mal der jugendlichen und weiblichen, worinn erunter den Zeitgenossen Keinen seinesgleichen fand;eben so in der Anmuth der Stellungen und Be-wegungen, und in der Schönheit des Kolorites.Jene azzurnen Gefilde (etwa Lüfte? Lampl 22-Lurrl) aus denen sich die Figuren so kräftig he-ben—jenes Grünlichte, Nöihlichte und Violette,das sich wechselweise so geschickt mäßigt — jeneAbstufungen (Perspective) in der Landschaft, wieman (nach vasari's Zeugniß) sie früher zu Florenznicht kannte — jene gut gebauten und richtiggestellten architektonische Staffirungen— Alle diesbemerkt man in seinen Staffeleibildern wie inseinen Fresco-Arbeiten zu Rom und zu Perugia.Nur fand sich in jenen ^ wie schon erwähnt, nichtAbwechslung genug. Seine Kruzifixe, Kceuz-abnehmungen u. s. f. ähneln sich zu sehr. SeineHimmelfahrten Christi und der Madonna zu Bo-logna, Florenz, Perugia und Cirka St. Sepolcro,sind fast völlig dieselben. Dies wurde ihm schonbey Lebzeiten vorgeworfen; er erwiederte aber,daß er sich dessen nicht zu schämen brauche ***).Und in der That, warum sollte man wahrhaftSchönes nicht gern an mehreru Orten erblicken?wie z. B. das gleiche Perspektiv in seinem St.Peter, der die Schlüssel empfängt, in der Six-tina zu Rom, und in der Verlobung der H.Jungfrau zu Perugia, welches letztere überhauptgleichsam der Jnnbegriff seiner Kunst ist. Inperers Fresco-Arbeiten waren seine Ideen frucht-barer, und, wie es Einigen scheinen will, auchdie Ausführung harmonischer und mürber. Unterdiesen ist wohl sein Meisterstück, was feine Va-terstadt in dem Saal ihres Wechselhauses besitzet,und welches Gegenstände aus dem A. und N-Testamente darstellt, wo sich auch sein eigenesBildniß befindet, dem seine dankbaren Mitbürgereine schöne Unterschrift beygesetzt haben. Fürdiese Arbeit erhielt er 5 oo. Dukaten in Gold.In seinen letzten Jahren, wie es scheint, wurdeer Raphaelisch, wie z. B. in einer H. Familie

Vannucci. 2005

al Carmine zu Perugia, und, in gleicher Stadt,in einigen kleinen, fast Miniakurbiiderchen; wie ineiner Berufung St. Peters zum Apostelamte -f-),so wie in viel andern ähnlichen mit höchstemFleiß ausgeführten Kunstjuweelen, die theilswirklich von ihm, mehrere aber von seinen Schü-lern sind; was dann den P. della valle zudem gewagten Urtheil bewog, daß Peter einengroßen Theil seines Ruhms diesen letztem zu ver-danken habe, so wie sich z. B. in seinem Bild inder Gallerie Raphael leicht erkennen lasse".FioriUo (I. 0. 85 .) nennt dann noch besonders,als schöne Arbeit des Unsrigen, eine Grablegungin St. Clara zu Florenz, und Lochin (II. 97.)alS eine seiner schönsten eine Madonnamit zwey andern Figuren (?) in St. Pietro Ci«voli zu Lucca; dann (l. 0. III. 2/p.) in der zwey-ten Kapelle zur Linken in der Kirche der Kar-thaufe zu Pavia ein Altarblatt von ihm, in fünfAbtheilungen, mit sehr fein gezeichneten Köpfen.Bey wareler dann heißt es von ihm: „Ober gleich etwas Steifigkeit und Gothische Trocken-heit von seinen Vorgängern beybehielt, so ver-dient er hinwieder desto mehr Lob für die Ge-nauigkeit, mit welcher er die Natur nachahmte,für die Einfachheit, welche seine Werke charak-teristisch bezeichnet, und für eine ihm eigene Gra-zie, die er seinen Figuren zu geben wußte. Zuseinem Preis reicht es schon hin, daß man be-reits an ihm den Keim zu einigen der Eigen-schaften findet, wodurch sich Raphael unsterblichgemacht; bann aber, unabhängig von den allge-meinen Gebrechen seines Zeitalters, hatte dieNatur ihm freylich nicht das Genie seines er-lauchten Schülers verliehen. Sein Kolorit da-gegen war für sein Jahrhundert gut genug; eineroße Praktik gab ihm Leichtigkeit; seine Farbeatte Glanz, sein Pinsel Sauberkeit -j"f>). Zuwenig Abstufung in den Gründen (Plans), zuviel Einförmigkeit in dem Ton, beweisen nur,daß er das Helldunkel lind die Luftperspektiv nichtgenug kannte. Köstlich sind alle seine Werke vol-lendet. Noch kannte man die (zweydeutige) Kunstnicht, die Natur durch verständige (allgemeine?)Anzeichen bloß zu bedeuten; man ahmte sie miteiner Aengstlichkeit nach, die etwas ins Sklavischefiel; wohl ein Fehler, aber aus dem doch wiederGutes entsprang, nämlich eben jene Genauig-keit, von der man sich (hört, hört!) in dcr Folgenur zu sehr entfernt hat. Endlich wollen wires ihm nicht zum Vorwürfe machen, daß er anseinen Beywerken das Gold verschwendete, wasabermals einzig dem Geschmack seiner Zeit bey-zumessen ist''. Von seinem Personalcharakter liestman noch ebendaselbst: „Sein Geitz war außer-ordentlich groß (ein Laster, das leider.' großerDürftigkeit eigen ist, wenn sie nicht in einentgegengesetztes — der Lüderlichkeit, fallen

») In der Beschreibung der Gemälde bey St. Peter ru Perugia heißt vanucci's Lehrer le Spagna. Einen solchenleigentll'ch Johann Spagnuolo genannt) kennt auch stanzt, und schon das Lerikon, aber nicht als Leh-rer, sondern als Schüler von Perugias. Wie dem nun immer seyn mag , war dieser sem erster Lehrer,wenn immerhin dürftig in der Kunst, doch ein enthusiastischer Verehrer derselben, und solcher, welchesie mit vorzüglichem Erfolge übten. Dies sagt uns Vasari ausdrücklich.

n») Fiovrllo I. c. S. 8r. meint gar, diese Kargheit dürste von derjenigen des Künstlers selbst herrühren.welche ihm vasari Schuld giebt, die sich aber wohl noch weit mehr in der Einförmigkeit seiner Darstel-lung des gleichen Gegenstands äußerte.

«an) neuern Tagen bemerkt Hies auch Morgenstern I- (r.) Z 47 . So sah' er r. B. in der Tribunezu Florenz von ihm ein Bild: Madonna mit dem Kinde, und den HH. Johann dem Täufer und Se-bastian, welches ihn lebhaft an ein anderes im..Museum Napoleon erinnerte: »Drewlbe blaue Himmels-Wölbung, als Grund des Gemäldes; die Madonna dort auch so sitzend; auch ein Paar Heilige um ,ie,hier nur andere" (S. unten). Dann notirt Ebenderselbe >. c- S- 408,4,6,».7. von ihm „nBande der Handzelchnungen in der Florentiner-Gallene, der mit: Matteniment, pitwiic, überfchrtebenist, mehrere Handzeichuungen; wie z. B. eine schöne Grablegung, braun mit Feder und P'usel, dieUmrisse bestimmt; ferner zwey Engelsgestalten, braun, weiß geboht, etwas verwischt , vui EwigenRaphael zugeschrieben, als er noch pietro's Schüler war, und eme andere ahul-che, nun vollends imGeschmacke des Unsrigen.

f) kiel graäo ül 8. kistro.

ff) Nicht Pracht, wie Heydenreich: ?roxrets giebt.