Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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VelLsquez.

hieß *). Er kam zu Sevilla 1299., nicht, wiePalomino glaubt, im I. 1594 auf die Welt,und erhielt eine vortreffliche Erziehung, weil ihnsein Baker zu einem Gelehrten bestimmte. Alleiner bewies frühzeitig mehr Liebe zur Kunst, alszum Studium der Alten und der Philosophie; da-her ihn sein Vater anfänglich der Schule desFrancesco Herrera, und hierauf des FrancescoPacheco übergab, dessen Charakter und Wesenmehr mit dem seinigen übereinstimmte. Als Leh-rer .empfahl ihm Pacheco ein strenges Studiumder Theorie; er hielt sich aber mehr an die Natur,und hat sich auch nie von ihr entfernt. Er nahmdaher, wie pacheco erzählt, einen jungen Bauerin seine Dienste, der ihm stets zum Modell die-nen mußte, wodurch er sein Talent zur Bildniß-maierey sehr entwickelte. Um die Schwierigkeitendes Colorits zu überwinden, und sich eine gewisseHerrschaft über den Pinsel zu erwerben, kopirteer jeden Gegenstand der Natur, Blumen, Früchte,Vogel, Fische, selbst unbedeutende Dinge, undzwar mit der gewissenhaftesten Treue, mit Kraftund Relief. LNengs hat daher vollkommen Recht,wenn er behaupte?, daß veläzquez stets abge-neigt gewesen sey, irgend einem Meister zu fol-gen, und sich nur durch sein großes Genie eineneignen Styl erschaffen habe, der sich auf die Wahr-heit der Natur und Beobachtung der Effekte vonLicht und Schatten gründet. Jedoch ist es nichtzu läugnen, daß man bey ihm eine stufenweiseErhebung in der Kunst wahrnimmt; denn er ahmtein der Folge die Natur nicht mehr sclavisch nach,sondern stellte sie mit Geist, Leichtigkeit und Frey-heit dar. Zu seinen frühesten Arbeiten gehörendie Dambocciaden und andere Gegenstände niedri-ger Art, zum Beyspiel der Wasserträger von ScsVilla (H§r,güor), den man gegenwärtig im Pallastzu Madrid bewundert. Es ist ein Alter, in Lum-pen gekleidet, der einem Knaben Wasser reicht,aber ein wahres Meisterstück. Das Dürftigeund Gemeine der Figur ist treu dargestellt; daaber alle Theile genau ausgeführt, und die Ge-gensatze von Licht und Schatten zu streng kopirtsind, so erhalt das Bild dadurch etwas Hartesund Trockenes. vsläzquez blieb fünf Jahrehindurch in der Schule des Pacheco, die damalsder Vereinigungspunkt der hoffnungsvollsten Künst-ler war, und vermählte sich hierauf mit der Toch-ter seines Lehrers, Donna Juans Pacheco.Nachdem er die Schule verlassen hatte, studierteer die zahllosen Werke der Jtaliäncr und Flam-mänder in Sevilla, wurde aber von keinem sosehr, als von einem Bilde des Luis Lristan an-gezogen, dessen reizender Farbenton mit unwider-stehlichem Zauber auf ihn wirkte. Er machte da-her eine Copie, und verließ seit dieser Zeit jenestrenge Anhänglichkeit an die gemeine Wahrheit.Im I. 1622. unternahm er eine Reise nach Mad-rid, wo ihn seine Landsleuke Don Luis nnd DonMelchor de Alcäzar, vorzüglich aber Don Juande Fonseca y Figueroa mit Liebe und Freundschaftaufnahmen. Durch die Bemühungen des letztge-nannten erhielt er auch die Erlaubniß, die Kunst-schätze der königlichen Palläste, des Pardo undEskürial,imit Muße beobachten zu können. Er warkaum in demselben Jahre nach SevillaMückge-reist, als ihm seine Freunde und Anhänger beyHofe einen Ruf durch den Minister Olivarez ver-schafften, den er im I. 1620. annahm. Ergingalso zum zweytenmal nach Madrid, in Gesellschaftseines Schwiegervaters Pacheco, und stieg beyseinem alten Freunde Fonseca ab. Ein meister-haftes Bildniß des Fonseca, das er aus Dankbarkeitverfertigte, legte den Grund zu seinem Glück.Es wurde vordem ganzen Hofe und dem Kö-nige so sehr bewundert, daß ihn derselbe gleichin seine Dienste nahm, und ihm den ehrenvollenAuftrag gab, den Cardinal Jnfanten und hierauf

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ihn selbst zn malen. Er zeichnete den König inLebensgröße, bewaffnet und zu Pferde, und zwarso lebend und geistreich, daß er alle frühern Bild-nisse des Bartoloms und Vinzenzio Carducho, desEugenio Capes, Nardi und Andrer übertraf, undsich die Gunst des Königs in Hohem Grade er-warb. Das Gemälde wurde öffentlich ausgestellt,und verschaffte ihm nicht nur die Würde einesKammermalers im I. 1623, sondern auch dieEhre, nur allein das Bildniß des Königs malenzu dürfen. Der Prinz von Wales, der sich umeben diese Zeit zu Madrid aufhielt, wünschte eben-falls sein Bildniß von der Hand des veläzquezzu haben; allein es blieb wegen seiner schnellenAbreise unvollendet. Als man zum AndenkenPhilipps III. ein Monument, die Vertreibung derMauren, errichten wollte, trug man allen Kam-mermalern auf, Entwürfe einzuschicken. Caxes,Nardi, Carducho und Veläzquez bewarben sichum den Preis, der im I. 1627. von dem König,in Gesellschaft des Fr. Juan Bautisia Maino unddes Don Giovanni Batlista Creftenzi, dem letztenzuerkannt wurde. Man stellte das Gemälde imgroßen Saal des Alcäzar auf, und belohnte denKünstler mit der Stelle eines Ugier de Camera/einer ansehnlichen Besoldung und vielen Ehren-bezeugungen. Während dieser Zeit kam P. P.Rubens nach Madrid, der mit dem Unsrigen ver-traute Freundschaft schloß, und sich oft mit ihmüber die Italiänischen Gemälde im Escnrial u. s. f.unterhielt. Es entstand dadurch in ihm eine soheftige Begierde, das Herrlichste, was die Kunsthervorgebracht hat, inJtalien selbst zu sehen, daßer den König um Erlaubniß bat, dahin reisen zudürfen. Er erhielt sie mit einem ansehnlichenReisegeld und vielen Empfehlungsschreiben an dieMinister in Italien, schiffte sich in Barcellona eln,und reiste von da nach Venedig, wo ihm der Spa-nische Gesandte entgegen kam, und ihm seinenPallast anbot. Hier studierte er die Werke Tizians,Tinkoretto's, Paolo Versneses und andrer großenVenezianer, und kopierte auch einige, z. B. diegroße Kreutzigung Christi von Tintoretto. VonVenedig gieng er über Ferrara, Bologna u. s. f.nach Rom, erhielt daselbst vom Pabst Urban VIII.eine Wohnung im Vatikan, und fieng an, einzelneGruppen aus dem jüngsten Gericht von Michel-Angelo, und aus den Werken Raphaels, vor-züglich aus der Theologie, der Schule von Athen,dem Parnaß und dem Brande von Borgs zu ko-pieren. Da er die Lage der Medicäischen Vstlafür seine artistischen Beschäftigungen bequemerals den Vatikan fand, so wendete er sich an denSpanischen Gesandten, Grafen von Monkerey,mir der Bitte, ihm daselbst eine Wohnung z» ver-schaffen, die ihm auch bewilligt wurde. Er setztehier sein Studium nach großen Meistern fort,und führte in einem Jahre nur drey eigene Werkeaus, nämlich sein Bildniß, das er seinem Schwie-gervater pacheco schickte, und zwey Malcreyen,die ebenfalls nach Spanien kamen, nämlich dieSöhne Jakobs, die ihrem Vater das blutige Ge-wand von Joseph bringen, und die Schmicde desVulkan. Einige Zeit hierauf machte veläzquezeine Reise nach Neapel. Dort sah er den Riberaund malte ein Bildniß der Königin von Ungarn,kehrte aber im Anfangt des I. i 63 i. nach'Spa-nien zurück, wo ihn der König und Minister aufdas Schmeichelhafteste empfingen. Da sich derKönig während seiner Abwesenheit von keinemandern Künstler wollte malen lassen, so räumteer dem Veläzquez ein Zimmer nicht weit vondem seinigen ein, wo er ihm sitzen konnte, undbehielt einen Schlüssel, um ihn oft zu besuchenund arbeiten zu sehen. Die ersten Gemälde, dieer nach seiner Ankunft in Spanien ausführte,waren ein Bildniß des Prinzen Don BaltasarCarlos und des Königs. Man hatte gerade die

«) Bepde Eltern wäre» aus einem berühmten Portugiesischen Hause entsprossen.