Buch 
Meine letzte Reise nach Paris / [von Jakob Heinrich Meister]
Entstehung
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ZI

In Scheiestadt sähe ich die erste schöne Kircheihres Schmucks gänzlich beraubt und in ein Korn-magazin verwandelt; und ob ich gleich auf alleäufserliche Gebräuche der Gottesverehrung keinenzu grofsen Werth lege , so kann ich Ihnen dennochmit Worten nicht sagen, wie sehr mich dieser, An-blick betrübte. Ich dachte mir so recht lebhaft dentiefen Kummer so vieler gutmüthiger frommer Seelen,die einst in diesem Tempel Trost gegen den bitter-sten Kummer des Lebens, die das Unterpfand ihrerHoffnungen hier suchten, und es nun nicht mehrfinden. Wie kam mir doch die Inschrift, die mitgrofsen Buchstaben auf der Vorderseite dieses ent-weiheten Tempels eingegraben war, so lächerlichund empörend vor: Das französische Volkglaubt an das Daseyn eines höchsten We-sens und an die Unsterblichkeit der Seele.Gleichheit, Brüderschaft oder den Tod.Die drei letzten Worte, oder den Tod, warenfreilich , vermöge der Milde, die seit dem viertenBrairial eingeführt worden war, ausgelöscht; manhatte sogar das Wort Menschlichkeit an die Stellegesetzt ; allein dies war auf eine so ungeschickteWeise geschehen , dafs man durch die Buchstabendes tröstenden Worts nur zu deutlich die blutigen