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4-) Wie konnte man es doch wohl leugnen, dafsder Philosophie die Ehre, die Revolution veranlafstzu haben, gebührt? Die Männer, welche sie vor-bereiteten , die Männer , welche sie veranlafsten ,die Männer, weiche sie leiteten , nannten sie sich
— von Rousseau an bis auf R ob es p i e r r e , vonCondorcet bis auf Marat — nicht alle Philoso-phen ? Und mit welchem Rechte könnte man ihnenwohl diesen Titel verweigern? Denn Robes-pier re selbst — dieses nach Thränen und Blutlüsterne Ungeheuer — machte er sich nicht unterder ersten Legislatur vornemlich durch einen sehrphilosophischen, sehr philantropischen Rapport überdie Abschaffung der Todesstrafe bekannt? Es istals® follkommen sichtbar, dafs sich die Revolutionunter der Fahne philosophischer Grundsätze gezeigt,gefochten, gesiegt hat. Der Zweck ihres ganzenStrebens war : Vernichtung aller politischen undreligiösen Vorurtheile. In der Vernichtung dieserVorurtheile gab sie sogar vor, ihre Waffen, ihreMittel, ihre mächtigsten Hiilfsquellen zu finden. Undeben dadurch unterscheidet sie sich sehr wesentlichvon allen andern bekannten Revolutionen. Aber
— wird man mir vielleicht einwenden — wie wa-gen Sie es denn, der Philosophie jene lange Reihevon Schandthaten und Unglücksfällen beizumessen?Mit eben so vielem Rechte, als Lucrez einst aus-rief :
Tantum religio potuit suadere malorum!
Rousseau giebt zu, dafs die Arzneikunst nieUnglück stiften würde , wenn sie ohne den Arzt