Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Lieder.

7

Spürt er unter dem ChorEtwas zierliches aus;

Der lüsterne KnabeEr winkt mir in's Haus.

Ich begleit' ihn verschämtUnd er kennt mich noch nicht,Er kneipt mir die WangenUnd sieht mein Gesicht.

Die Städterin drohtEuch Dirnen den Krieg,

Und doppelte ReizeBehaupten den Sieg.

Liebhaber

in alten Gestalten.

Ich wollt' ich wär' ein Fisch,So hurtig und frisch;

Und kämst du zu anglen,

Ich würde nicht manglen.

Ich wollt' ich wär' ein Fisch,So hurtig und frisch.

Ich wollt' ich wär' ein Pferd,Da wär' ich dir werth.

O wär' ich ein Wagen,Bequem dich zu tragen.

Ich wollt' ich wär' ein Pferd,Da wär' ich dir werth.

Ich wollt' ich wäre Gold,

Dir immer im Sold;

Und thätst du was kaufen,Käm' ich wieder gelaufen.

Ich wollt' ich wäre Gold,

Dir immer im Sold.

Ich wollt' ich wär' treu,

Mein Liebchen stets neu;

Ich wollt' mich verheißen,Wollt' nimmer verreisen.

Ich wollt' ich wär' treu,

Mein Liebchen stets neu.

Ich wollt' ich wär' altUnd runzlig und kalt;

Thätst du mir's versagen,

Da könnt' mich's nicht Plagen.Ich wollt' ich wär' altUnd runzlig und kalt.

Wär' ich Affe sogleich,

Voll neckender Streich';

Hätt' was dich verdrossen,

So macht' ich dir Possen.Wär' ich Affe sogleichVoll neckender Streich'.

Wär' ich gut wie ein Schaf,Wie der Löwe so brav;

Hätt' Augen wie's Lüchschen,Und Listen wie's Füchschen.Wär' ich gut wie ein Schaf,Wie der Löwe so brav.

Was alles ich wär',

Das gönnt' ich dir sehr;

Mit fürstlichen Gaben,

Du solltest mich haben.

Was alles ich wär',

Das gönnt' ich dir sehr.

Doch bin ich wie ich bin,

Und nimm mich nur hin!Willst du beßre besitzen,

So laß dir sie schnitzen.

Ich bin nun wie ich bin;

So nimm mich nur hin!

Der Goldschmiedsgesell.

Es ist doch meine NachbarinEin allerliebstes Mädchen!

Wie früh ich in der Werkstatt bin,

Blick' ich nach ihrem Lädchen.

Zu Ring' und Kette poch' ich dannDie feinen goldnen Dräthchen.

Ach denk' ich, wann, und wieder, wannIst solch ein Ring für Käthchen?

Und thut sie erst die Schaltern auf,

Da kommt das ganze StädtchenUnd feilscht und wirbt mit Hellem HanfUm's Allerlei im Lädchen.

Ich feile, wohl zerfeil' ich dannAuch manche goldne Dräthchen.

Der Meister brummt, der harte Mann!

Er merkt, es war das Lädchen.

Und flugs wie nur der Handel still,

Gleich greift sie nach dem Rädchen.

Ich weiß wohl, was sie spinnen will:

Es hofft das liebe Mädchen.

Das kleine Füßchen tritt und tritt;

Da denk' ich mir das Mädchen,

Das Strumpfband denk' ich auch wohl mit,Ich schenkt's dem lieben Mädchen.

Und nach den Lippen führt der SchatzDas allerfeinste Fädchen.

O wär' ich doch an seinem Platz,

Wie küßt' ich mir das Mädchen.