Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Elegien.

Gar bescheiden erwogst du den Preis! da blickt' ich indessenNach dem Halse, des Schmucks unserer Königin werth.Heftiger tönte vom Schiff das Geschrei; da sagtest du freundlich:

Nimm aus dem Garten noch einige Früchte mit dir!

Nimm die reifsten Orangen, die weißen Feigen; das Meer bringtKeine Früchte, sie bringt jegliches Land nicht hervor.

Und so trat ich herein. Du brachst nun die Früchte geschäftig,Und die goldene Last zog das geschürzte Gewand.

Oefters bat ich: es sey nun genug! und immer noch eineSchönere Frucht fiel dir, leise berührt, in die Hand.

Endlich kamst du zur Laube hinan; da fand sich ein Körbchen,Und die Myrte bog blühend sich über uns hin.

Schweigend begannest du nun geschickt die Früchte zu ordnen:

Erst die Orange, die schwer ruht, als ein goldener Ball,Dann die weichliche Feige, die jeder Druck schon entstellet;

Und mit Myrte bedeckt ward, und geziert, das Geschenk.Aber ich hob es nicht auf; ich stand. Wir sahen einanderIn die Augen, und mir ward vor dem Auge so trüb.

Deinen Busen fühlt' ich an meinem! Den herrlichen Nacken,Ihn umschlang nun mein Arm; tausendmal küßt' ich denHals.

Mir sank über die Schulter dein Haupt; nun knüpften auch deineLieblichen Arme das Band um den Beglückten herum.

Amors Hände fühlt' ich; er drückt' uns gewaltig zusammen,

Und aus heiterer Luft donnert' es dreimal: da floßHäufig die Thräne vom Aug' mir herab, du weintest, ich weinte,Und vor Jammer und Glück schien uns die Welt zu vergehn.Immer heftiger rief es am Strand; da wollten die FüßeMich nicht tragen, ich rief: Dora! und bist du nicht mein?Ewig! sagtest du leise. Da schienen unsere Thränen,

Wie durch göttliche Luft, leise vom Auge gehaucht.

Näher rief es: Alexis! Da blickte der suchende KnabeDurch die Thüre herein. Wie er das Körbchen empfing!

Wie er mich trieb! Wie ich dir die Hand noch drückte! ZuSchiffe

Wie ich gekommen? Ich weiß, daß ich ein Trunkener schien.Und so hielten mich auch die Gesellen, schonten den Kranken;

Und schon deckte der Hauch trüber Entfernung die Stadt.Ewig! Dora, lispeltest du; mir schallt es im OhreMit dem Donner des Zeus! Stand sie doch neben dem Thron,Seine Tochter, die Göttin der Liebe; die Grazien standenIhr zur Seiten! Er ist götterbekräftigt, der Bund!

O so eile denn, Schiff, mit allen günstigen Winden!

Strebe, mächtiger Kiel, trenne die schäumende Fluth!

Bringe dem fremden Hafen mich zu, damit mir der GoldschmiedIn der Werkstatt gleich ordne das himmlische Pfand.Wahrlich! zur Kette soll das Kettchen werden, o Dora!

Neunmal umgebe sie dir, locker gewunden, den Hals.

Ferner schaff' ich noch Schmuck, den mannichfaltigsten; goldneSpangen sollen dir auch reichlich verzieren die Hand:

Da wetteifre Rubin und Smaragd, der liebliche SapphirStelle dem Hyacinth sich gegenüber, und GoldHalte das Edelgestein in schöner Verbindung zusammen.

O, wie den Bräutigam freut einzig zu schmücken die Braut!Seh' ich Perlen, so denk' ich an dich; bei jeglichem RingeKommt mir der länglichen Hand schönes Gebild' in den Sinn.Tauschen will ich und kaufen; du sollst das Schönste von AllemMißten; ich widmete gern alle die Ladung nur dir.

Doch nicht Schmuck und Juwelen allein verschafft dein Geliebter:

Was ein häusliches Weib freuet, das bringt er dir auch.Feine wollene Decken mit Pnrpursäumen, ein LagerZu bereiten, das uns traulich und weichlich empfängt;Köstlicher Leinwand Stücke. Du sitzest und nähest und kleidestMich und dich und auch wohl noch ein Drittes darein.

Bilder der Hoffnung, täuschet mein Herz? O mäßiget, Götter,Diesen gewaltigen Brand, der mir den Busen durchtobt!

Aber auch sie verlang' ich zurück, die schmerzliche Freude,

Wenn die Sorge sich kalt, gräßlich gelassen, mir naht.

Nicht der Erinnyen Fackel, das Bellen der höllischen HundeSchreckt den Verbrecher so, in der Verzweiflung Gefild,

Als das gelaßne Gespenst mich schreckt, das die Schöne von fern mirZeiget: die Thüre steht wirklich des Gartens noch auf!

Und ein Anderer kommt! Für ihn auch fallen die Früchte!

Und die Feige gewährt stärkenden Honig auch ihm!

Lockt sie auch ihn nach der Laube? und folgt er? O, macht mich,ihr Götter,

Blind, verwischet das Bild jener Erinnrung in mir!

Ja, ein Mädchen ist sie! und die sich geschwinde dem EinenGiebt, sie kehret sich auch schnell zu dem Andern herum.

Lache nicht dießmal, Zeus, der frechgebrochenen Schwüre!

Donnere schrecklicher! triff! — Halte die Blitze zurück!

Sende die schwankenden Wolken mir nach! Im nächtlichen DunkelTreffe dein leuchtender Blitz diesen unglücklichen Mast!

Streue die Planken umher, und gieb der tobenden WelleDiese Waaren, und mich gieb den Delphinen zum Raub! —Nun, ihr Musen, genug! vergebens strebt ihr zu schildern,

Wie sich Jammer und Glück wechseln in liebender Brust.Heilen könnet die Wunden ihr nicht, die Amor geschlagen;

Aber Linderung kommt einzig, ihr Guten, von euch.

Der neue p auflas und sein Blumenmädchen.

Pausias von Sicvon. der Maler, war als Jüngling in Glvceren.seine Mitbürgerin, verliebt, welche Blumenkränze z» winden einensehr erfinderische» Geist hatte. Sie wetteiferten mit einander, under brachte die Nachahmung der Blumen zur größten Mannichfaltlg-keit. Endlich malte er seine Geliebte, sitzend, mit einem Kranze be-schäftigt. Dieses Bild wurde für eins seiner besten gehalten, und dieKranzwinderin oder Kranzhäntlerin genannt. weil Glhcere sich aufdiese Weise als ein armes Mädchen ernährt hatte. Lucius Lucuiluskaufte eine Copie in Athen für zwei Talente. Plinius B. XXXV.C. XI.

Sie.

Schütte die Blumen nur her, zu meinen Füßen und deinen!Welch ein chaotisches Bild holder Verwirrung du streust!

Er.

Du erscheinest als Liebe, die Elemente zu knüpfen;

Wie du sie bindest, so wird nun erst ein Leben daraus.

Sie.

Sanft berühre die Rose, sie bleib' im Körbchen verborgen;

Wo ich dich finde, mein Freund, öffentlich reich' ich sie dir.Er.

Und ich thu', als kennt' ich dich nicht, und danke dir freundlich;Aber dem Gegengeschenk weichet die Geberin aus.

Sie.

Reiche die Hyacinthe mir nun, und reiche die Nelke,

Daß die frühe zugleich neben der späteren sey.