Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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VmmHte Ordichtr.

Wie so bunt der Kram gewesen,Musterkarte giebt's zu lesen.

Deutscher Parnaß.

Unter diesenLorbeerbüschen,

Auf den Wiesen,

An den frischenWasserfallen,

Meines Lebens zu genießen,

Gab Apoll dem heitern Knaben,

Und so habenMich, im Stillen,

Nach des Gottes hohem Willen,

Hehre Musen auferzogen,

Aus den hellenSilberquellen

Des Parnassus mich erquicket,

Und das keusche reine SiegelAuf die Lippen mir gedrücket.

Und die Nachtigall umkreisetMich mit dem bescheidnen Flügel.

Hier in Büschen, dort aus Bäumen,Ruft sie die verwandte Menge,

Und die himmlischen GesängeLehren mich von Liebe träumen.

Und im Herzen wächst die FülleDer gesellig edlen Triebe,

Nährt sich Freundschaft, keimet Liebe,Und Apoll belebt die StilleSeiner Thäler, seiner Höhen.

Süße laue Lüfte wehen.

Alle, denen er gewogen,

Werden mächtig angezogen.

Und ein Edler folgt dem andern.

Dieser kommt mit munterm WesenUnd mit offnem heitrem Blicke;

Diesen seh' ich emster wandeln;

Und ein Andrer, kaum genesen,

Ruft die alte Kraft zurücke;

Denn ihm drang durch Mark und Leben

Die verderblich holde Flamme,

Und was Amor ihm entwendet,Kann Apoll nur wiedergeben,

Ruh' und Lust und HarmonienUnd ein kräftig rein Bestreben.

Auf, ihr Brüder!

Ehrt die Lieder!

Sie sind gleich den guten Thaten.Wer kann besser als der SängerDem verirrten Freunde rathen?Wirke gut, so wirkst du längerAls es Menschen sonst vermögen.

Ja! ich höre sie von weiten:

Ja! sie greifen in die Saiten,

Mit gewalt'gen GötterschlägenRufen sie zu Recht und PflichtenUnd bewegen,

Wie sie singen, wie sie dichtenZum erhabensten Geschäfte,

Zu der Bildung aller Kräfte.

Auch die holden PhantasienBlühen

Rings umher auf allen Zweigen,Die sich balde,

Wie im holden Zauberwalde,

Voller goldnen Früchte beugen.

Was wir fühlen, was wir schauenIn dem Land der höchsten Wonne,Dieser Boden, diese Sonne,

Locket auch die besten Frauen.

Und der Hauch der lieben MusenWeckt des Mädchens zarten Busen,Stimmt die Kehle zum Gesänge,Und mit schöngefärbter WangeSinget sie schon würd'ge Lieder,Setzt sich zu den Schwestern nieder,Und es singt die schöne Kette,

Zart und zärter, um die Wette.