Vermischte Gedichte.
Doch die eineGeht alleine,
Bei den Buchen,
Unter Linden,
Dort zu suchen,
Dort zu finden,
Was im stillen MorgenhaineAmor schalkisch ihr entwendet:
Ihres Herzens holde Stille,
Ihres Busens erste Fülle.
Und sie träget in die grünenSchattenwälder,
Was die Männer nicht verdienen,Ihre lieblichen Gefühle;
Scheuet nicht des Tages Schwüle,Achtet nicht des Abends KühleUnd verliert sich in die Felder.
Stört sie nicht auf ihren Wegen!Muse, geh' ihr still entgegen!
Doch was hör' ich? Welch' ein SchallUeberbraus't den Wasserfall?
Sauset heftig durch den Hain?
Welch' ein Lärmen, welches Schrein?Ist es möglich, seh' ich recht?
Ein verwegenes GeschlechtDringt in's Heiligthum herein.
Hier hervorStrömt ein Chor!
Liebeswnth,
Weinesgluth,
Ras't im Blick,
Sträubt das Haar!
Und die SchaarMann und Weib —
Tigerfell
Schlägt umher —
Ohne ScheuZeigt den Leib.
Und MetallRauher SchallGrellt in's Ohr.
Wer sie hörtWird gestört.
Hier hervorDrängt das Chor;
Alles flieht,
Wer sie sieht.
Ach, die Büsche sind geknickt!
Ach, die Blumen sind ersticktVon den Sohlen dieser Brüt.
Wer begegnet ihrer Wuth?
Brüder, laßt uns Alles wagen!
Eure reine Wange glüht.
Phöbus hilft sie uns verjagen,
Wenn er unsre Schmerzen sieht;
Und uns WaffenZu verschaffen,
Schüttelt er des Berges Wipfel,Und vom GipfelPrasseln SteineDurch die Haine.
Brüder, faßt sie mächtig aus!Schloßenregen
Ströme dieser Brüt entgegen,
Und vertreib' aus unsern mildenHimmelreinen LustgefildenDiese Fremden, diese Wilden!
Doch was seh' ich?
Ist es möglich?
Unerträglich
Fährt es mir durch alle Glieder,Und die Hand
Sinket von dem Schwünge nieder.Ist es möglich?
Keine Fremden!
Unsre Brüder
Zeigen ihnen selbst die Wege!
O die Frechen!
Wie sie mit den KlapperblechenSelbst voraus im Tacte ziehn!
Gute Brüder, laßt uns fliehn!
Doch ein Wort zu den Verwegenen!Ja, ein Wort soll euch begegnen,Kräftig wie ein Donnerschlag.
Worte sind des Dichters Waffen,Will der Gott sich Recht verschaffen,Folgen seine Pfeile nach.
War es möglich, eure hoheGötterwürde
Zu vergessen! Ist der roheSchwere Thyrsus keine BürdeFür die Hand, aus zarten SaitenNur gewöhnet hinzugleiten?
Aus den klaren Wasserfällen,
Aus den zarten RieselwellenTränktet ihr
Gar Silens abscheulich Thier?
Dort entweiht es AganippenMit den rohen breiten Lippen,Stampft mit ungeschickten Füßen,Bis die Wellen trübe fließen.
O wie möcht' ich gern mich täuschen,Aber Schmerzen fühlt das Ohr;
Aus den keuschenHeil'gen SchattenDringt verhaßter Ton hervor.
Wild GelächterStatt der Liebe süßem Wahn!Weiberhasser und VerächterStimmen ein Triumphlied an.