Vermischte Gedichte.
Nachtigall und Turtel fliehenDas so keusch erwärmte Nest.
Und in wüthendem ErglühenHalt der Faun die Nymphe fest.
Hier wird ein Gewand zerrissen.Dem Genusse folgt der Spott,
Und zu ihren frechen KüssenLeuchtet mit Verdruß der Gott.
Ja, ich sehe schon von weitenWolkenzug und Dunst und Rauch.Nicht die Leyer nur hat Saiten,Saiten hat der Bogen auch.
Selbst den Busen des VerehrersSchüttelt das gewalt'ge Nahn,Denn die Flamme des VerheerersKündet ihn von weiten an.
O vernehmt noch meine Stimme,Meiner Liebe Bruderwort!
Fliehet vor des Gottes Grimme,
Eilt aus unsern Gränzen fort!
Daß sie wieder heilig werde,
Lenkt hinweg den wilden Zug!Vielen Boden hat die ErdeUnd unheiligen genug.
Uns umlenchten reine Sterne,
Hier nur hat das Edle Werth.
Doch wenn ihr aus rauher FerneWieder einst zu uns begehrt,
Wenn euch nichts so sehr beglücket,Als was ihr bei uns erprobt,
Euch nicht mehr ein Spiel entzücket,Das die Schranken Lbertobt;Kommt als gute Pilger wieder,Steiget froh den Berg heran,Tiefgefühlte ReueliederKünden uns die Brüder an,
Und ein neuer Kranz umwindetEure Schläfe feierlich.
Wenn sich der Verirrte findet,Freuen alle Götter sich.
Schneller noch als Lethe's FluthenUm der Todten stilles Haus,
Löscht der Liebe Kelch den GutenJedes Fehls Erinnrung aus.
Alles eilet euch entgegenUnd ihr kommt verklärt heran,
Und man fleht um euren Segen,Ihr gehört uns doppelt an!
Gcllert's Monument
von Oeser.
Als Gellert, der geliebte, schied,
Manch gutes Herz im Stillen weinte,Auch manches matte schiefe LiedSich mit dem reinen Schmerz vereinte;
Und jeder Stümper bei dem GrabEin Blümchen an die Ehrenkrone,
Ein Scherflein zu des Edlen Lohne,
Mit vielzufriedner Miene gab:
Stand Oeser seitwärts von den LeutenUnd fühlte den Geschiednen, sannEin bleibend Bild, ein lieblich DeutenAus den verschwundnen werthen Mann;Und sammelte mit GeistesflugIm Marmor alles Lobes Stammeln,Wie wir in einen engen KrugDie Asche des Geliebten sammeln.
Ilmenau
am 3. September 1783.
Unmuthig Thal! du immergrüner Hain!
Mein Herz begrüßt euch wieder auf das beste;Entfallet mir die schwerbehangnen Neste,
Nehmt freundlich mich in eure Schatten ein,
Erquickt von euren Höhn, am Tag der Lieb' und Lust,Mit frischer Luft und Balsam meine Brust!
Wie kehrt' ich oft mit wechselndem Geschicke,
Erhabner Berg! an deinen Fuß zurücke.
O laß mich heut' an deinen sachten HöhnEin jugendlich, ein neues Eden sehn!
Ich hab' es wohl auch mit um euch verdienet:
Ich sorge still, indeß ihr ruhig grünet.
Laßt mich vergessen, daß auch hier die WeltSo manch Geschöpf in Erdefesseln hält,
Der Landmann leichtem Sand den Samen anvertrautUnd seinen Kohl dem stechen Wilde baut;
Der Knappe karges Brod in Klüften sucht;
Der Köhler zittert, wenn der Jäger flucht.
Verjüngt euch mir, wie ihr es oft gethan,
Als fing' ich heut' ein neues Leben an.
Ihr seyd mir hold, ihr gönnt mir diese Träume,
Sie schmeicheln mir und locken alte Reime.
Mir wieder selbst, von allen Menschen fern,
Wie bad' ich mich in euren Düften gern!
Melodisch rauscht die hohe Tanne wieder,
Melodisch eilt der Wasserfall hernieder;
Die Wolke sinkt, der Nebel drückt in's Thal,
Und es ist Nacht und Dämmrung auf einmal.
Im finstern Wald, beim Liebesblick der Sterne,
Wo ist mein Pfad, den sorglos ich verlor?
Welch seltne Stimmen hör' ich in der Ferne?
Sie schallen wechselnd an dem Fels empor.
Ich eile facht zu sehn, was es bedeutet,
Wie von des Hirsches Ruf der Jäger still geleitet.
Wo bin ich? ist's ein Zaubermährchen - Land ?
Welch nächtliches Gelag am Fuß der Felsenwand?
Bei kleinen Hütten, dicht mit Reis bedecket,
Seh' ich sie froh an's Feuer hingestrecket.