Vermischte Gedichte.
Es dringt der Glanz hoch durch den Fichten - Saal;
Am niedern Herde kocht ein rohes Mahl;
Sie scherzen laut, indessen bald geleeretDie Flasche frisch im Kreise wiederkehret.
Sagt, wem vergleich' ich diese muntre Schaar?
Bon wannen kommt sie? um wohin zu ziehen?
Wie ist an ihr doch alles wunderbar!
Soll ich sie grüßen? soll ich vor ihr fliehen?
Ist es der Jäger wildes Geisterheer?
Sind's Gnomen, die hier Zauberkünste treiben?
Ich seh' im Busch der kleinen Feuer mehr;
Es schaudert mich, ich wage kaum zu bleiben.
Jst's der Aegyptier verdächtiger Aufenthalt?
Ist es ein flüchtiger Fürst wie im Ardenner-Wald?Soll ich Verirrter hier in den verschlungnen GründenDie Geister Shakspear's gar verkörpert finden?
Ja, der Gedanke führt mich eben recht:
Sie sind es selbst, wo nicht ein gleich Geschlecht!Unbändig schwelgt ein Geist in ihrer Mitten,
Und durch die Rohheit fühl' ich edle Sitten.
Wie nennt ihr ihn? Wer ist's, der dort gebücktNachlässig stark die breiten Schultern drückt?
Er sitzt zunächst gelassen an der Flamme,
Die markige Gestalt aus altem Heldenstamme.
Er saugt begierig am geliebten Rohr,
Es steigt der Dampf an seiner Stirn empor.
Gutmüthig trocken weiß er Freud' und LachenIm ganzen Cirkel laut zu machen,
Wenn er mit ernstlichem GesichtBarbarisch bunt in fremder Mundart spricht.
Wer ist der andre, der sich niederAn einen Sturz des alten Baumes lehnt,
Und seine langen feingestalten GliederEkstatisch faul nach allen Seiten dehnt,
Und, ohne daß die Zecher auf ihn hören,
Mit Geistesflug sich in die Höhe schwingt,
Und von dem Tanz der himmelhohen SphärenEin monotones Lied mit großer Inbrunst singt?
Doch scheinet allen etwas zu gebrechen.
Ich höre sie auf einmal leise sprechen,
Des Jünglings Ruhe nicht zu unterbrechen,
Der dort am Ende, wo das Thal sich schließt,
In einer Hütte, leicht gezimmert,
Vor der ein letzter Blick des kleinen Feuers schimmert,Vom Wasserfall umrauscht, des milden Schlafs genießt.Mich treibt das Herz nach jener Kluft zu wandern,
Ich schleiche still und scheide von den Andern.
Sey mir gegrüßt, der hier in später NachtGedankenvoll an dieser Schwelle wacht!
Was sitzest du entfernt von jenen Freunden?
Du scheinst mir auf was Wichtiges bedacht.
Was ist's, daß du in Sinnen dich verlierest,
Und nicht einmal dein kleines Feuer schürest?
„O frage nicht, denn ich bin nicht bereit,
Des Fremden Neugier leicht zu stillen;
Sogar verbitt' ich deinen guten Willen;
Hier ist zu schweigen und zu leiden Zeit.
Ich bin dir nicht im Stande selbst zu sagenWoher ich sey, wer mich hierher gesandt;
Von fremden Zonen bin ich her verschlagenUnd durch die Freundschaft festgebannt.
Wer kennt sich selbst? wer weiß was er vermag?
Hat nie der Muthige Verwegnes unternommen?
Und was du thust, sagt erst der andre Tag,
War es zum Schaden oder Frommen.
Ließ nicht Prometheus selbst die reine HimmelsgluthAuf frischen Thon vergötternd niederstießen?
Und konnt' er mehr als irdisch BlutDurch die belebten Adern gießen?
Ich brachte reines Feuer vom Altar;
Was ich entzündet, ist nicht reine Flamme.
Der Sturm vermehrt die Gluth und die Gefahr,
Ich schwanke nicht, indem ich mich verdamme.
Und wenn ich unklug Muth und Freiheit sangUnd Redlichkeit und Freiheit sonder Zwang,
Stolz auf sich selbst und herzliches Behagen,
Erwarb ich mir der Menschen schöne Gunst:
Doch ach! ein Gott versagte mir die Kunst,
Die arme Kunst, mich künstlich zu betragen.
Nun sitz' ich hier zugleich erhoben und gedrückt,Unschuldig und gestraft, unschuldig und beglückt.
Doch rede sacht! denn unter diesem DachRuht all mein Wohl und all mein Ungemach:
Ein edles Herz, vom Wege der NaturDurch enges Schicksal abgeleitet,
Das ahnungsvoll, nun auf der rechten SpurBald mit sich selbst und bald mit Zauberschatten streitet,Und was ihm das Geschick durch die Geburt geschenktMit Müh und Schweiß erst zu erringen denkt.
Kein liebevolles Wort kann seinen Geist enthüllenUnd kein Gesang die hohen Wogen stillen.
Wer kann der Raupe, die am Zweige kriecht,
Bon ihrem kllnft'gen Futter sprechen?
Und wer der Puppe, die am Boden liegt,
Die zarte Schale helfen durchzubrechen?
Es kommt die Zeit, sie drängt sich selber losUnd eilt auf Fittigen der Rose in den Schooß.
Gewiß, ihm geben auch die JahreDie rechte Richtung seiner Kraft.
Noch ist bei tiefer Neigung für das WahreIhm Irrthum eine Leidenschaft.
Der Vorwitz lockt ihn in die Weite,
Kein Fels ist ihm zu schroff, kein Steg zu schmal;
Der Unfall lauert an der SeiteUnd stürzt ihn in den Arm der Qual.
Dann treibt die schmerzlich überspannte RegungGewaltsam ihn bald da bald dort hinaus,
Und von unmuthiger BewegungRuht er unmuthig wieder aus.