Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Vermischte Gedichte.

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Und düster wild an heitern Tagen,

Unbändig ohne froh zu seyn,

Schläft er, an Seel' und Leib verwundet und zerschlagen,Auf einem harten Lager ein:

Indessen ich hier still und athmend kaumDie Augen zu den freien Sternen kehre,

Und, halb erwacht und halb im schweren Traum,

Mich kaum des schweren Traums erwehre."

Verschwinde Traum!

Wie dank' ich, Musen, euch!

Daß ihr mich heut auf einen Pfad gestellet,

Wo auf ein einzig Wort die ganze Gegend gleichZum schönsten Tage sich erhellet;

Die Wolke flieht, der Nebel fällt,

Die Schatten sind hinweg. Ihr Götter, Preis und Wonne!Es leuchtet mir die wahre Sonne,

Es lebt mir eine schönre Welt;

Das ängstliche Gesicht ist in die Luft zerronnen,

Ein neues Leben ist's, es ist schon lang begonnen.

Ich sehe hier, wie man nach langer ReiseIm Vaterland sich wieder kennt,

Ein ruhig Volk im stillen FleißeBenutzen, was Natur an Gaben ihm gegönnt.

Der Faden eilet von dem RockenDes Webers raschem Stuhle zu;

Und Seil und Kübel wird in längrer RuhNicht am verbrochnen Schachte stocken;

Es wird der Trug entdeckt, die Ordnung kehrt zurück,

Es folgt Gedeihn und festes ird'sches Glück.

So mög', o Fürst, der Winkel deines LandesEin Vorbild deiner Tage seyn!

Du kennest lang' die Pflichten deines StandesUnd schränkest nach und nach die freie Seele ein.

Der kann sich manchen Wunsch gewähren,

Der kalt sich selbst und seinem Willen lebt;

Allein wer Andre wohl zu leiten strebt,

Muß fähig seyn, viel zu entbehren.

So wandle du — der Lohn ist nicht gering —

Nicht schwankend hin, wie jener Sämann ging,

Daß bald ein Korn, des Zufalls leichtes Spiel,

Hier auf den Weg, dort zwischen Dornen fiel;

Nein! streue klug wie reich, mit männlich stäter Hand,Den Segen aus auf ein geackert Land;

Dann laß es ruhn: die Ernte wird erscheinenUnd dich beglücken und die Deinen.

Drei O-en

an meinen Freund Eehnsch.Erste.

Verpflanze den schönen Baum,Gärtner! er jammert mich;Glücklicheres ErdreichVerdiente der Stamm.

Noch hat seiner Natur KraftDer Erde aussaugendem Geize,Der Luft verderbender Fäulniß,Ein Gegengift, widerstanden.

Sieh! wie er im FrühlingLichtgrüne Blätter schlägt;

Ihr OrangenduftIst dem Geschmeiße Gift.

Der Raupe tückischer ZahnWird stumpf an ihnen,

Es blinkt ihr SilberglanzIm Sonnenscheine.

Von seinen ZweigenWünscht das MädchenIm Brautkranze;

Früchte hoffen Jünglinge.

Aber sieh! der Herbst kommt,Da geht die Raupe,

Klagt der listigen SpinneDes Baums Unverwelklichkeit.

Schwebend zieht sichVon ihrer TaxuswohnungDie Prachtfeindin herüberZum wohlthätigen Baum,

Und kann nicht schaden,

Aber die VielkünstlicheUeberzieht mit grauem EkelDie Silberblätter.

Sieht triumphirend,

Wie das Mädchen schauernd,Der Jüngling jammerndVorübergeht.

Verpflanze den schönen Baum,Gärtner! er jammert mich.Baum, danke dem Gärtner,Der dich verpflanzt!

Zweite.

Du gehst! Ich murre. —Geh! laß mich murren.Ehrlicher Mann,

Fliehe dieses Land!

Todte Sümpfe,Dampfende OktobernebelVerweben ihre AusflüsseHier unzertrennlich.

Gebärort

Schädlicher Jnsecten,MörderhöhleIhrer Bosheit!