Vermischte Gedichte.
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Nun glauben wir's zu kennen! Mit GewaltErgreift uns Liebreiz weiblicher Gestalt:
Der Jüngling, froh wie in der Kindheit Flor,Im Frühling tritt als Frühling selbst hervor,Entzückt, erstaunt, wer dieß ihm angethan?
Er schaut umher, die Welt gehört ihm an.
Jn's Weite zieht ihn unbefangene Hast,
Nichts engt ihn ein, nicht Mauer, nicht Palast;Wie Vögelschaar an Wäldergipfeln streift,
So schweift auch er, der um die Liebste schweift,Er sucht vorn Aether, den er gern verläßt,
Den treuen Blick und dieser hält ihn fest.
Doch erst zu früh und dann zu spat gewarnt,Fühlt er den Flug gehemmt, fühlt sich umgarnt,Das Wiedersehn ist froh, das Scheiden schwer,Das Wieder-Wiedersehn beglückt noch mehr,Und Jahre sind im Augenblick ersetzt;
Doch tückisch harrt das Lebewohl zuletzt.
Du lächelst, Freund, gefühlvoll, wie sich ziemt:Ein gräßlich Scheiden machte dich berühmt;
Wir feierten dein kläglich Mißgeschick,
Du ließest uns zu Wohl und Weh zurück;
Dann zog uns wieder ungewisse BahnDer Leidenschaften labyrinthisch an,
Und wir verschlungen wiederholter Noth,
Dem Scheiden endlich — Scheiden ist der Tod!Wie klingt es rührend, wenn der Dichter singt,Den Tod zu meiden, den das Scheiden bringt!Verstrickt in solche -Qualen halbverschuldet.
Geb' ihm ein Gott zu sagen, was er duldet.
Elegie.
Und wenn der Mensch in seiner Qnal verstummt,Gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide.
Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen,
Von dieses Tages noch geschloßner Blüthe?
Das Paradies, die Hölle steht dir offen;
Wie wankelsinnig regt sich's im Gemüthe! —
Kein Zweifel mehr! Sie tritt an's Himmelsthor,
Zu ihren Armen hebt sie dich empor.
So warst du denn im Paradies empfangen,
Als wärst du werth des ewig schönen Lebens;
Dir blieb kein Wunsch, kein Hoffen, kein Verlangen,Hier war das Ziel des innigsten Bestrebens,
Und in dem Anschaun dieses einzig SchönenVersiegte gleich der Quell sehnsüchtiger Thränen.
Wie regte nicht der Tag die raschen Flügel,
Schien die Minuten vor sich her zu treiben!
Der Abendkuß, ein treu verbindlich Siegel:
So wird es auch der nächsten Sonne bleiben.
Die Stunden glichen sich in zartem WandernWie Schwestern zwar, doch keine ganz den andern.
Der Kuß der letzte, grausam süß, zerschneidendEin herrliches Geflecht verschlungner Minnen.
Nun eilt, nun stockt der Fuß die Schwelle meidend,
Als trieb ein Cherub flammend ihn von hinnen;
Das Auge starrt aus düstrem Pfad verdrossen,
Es blickt zurück, die Pforte steht verschlossen.
Und nun verschlossen in sich selbst, als hatteDieß Herz sich nie geöffnet, selige StundenMit jedem Stern des Himmels um die WetteAn ihrer Seite leuchtend nicht empfunden;
Und Mißmuth, Reue, Vorwurf, SorgenschwereBelasten's nun in schwüler Atmosphäre.
Ist denn die Welt nicht übrig? FelsenwändeSind sie nicht mehr gekrönt von heiligen Schatten?
Die Ernte reist sie nicht? Ein grün GeländeZieht sich's nicht hin am Fluß durch Busch und Matten?Und wölbt sich nicht das überweltlich GroßeGestaltenreiche, bald Gestaltenlose?
Wie leicht und zierlich, klar und zart gewoben,
Schwebt, Seraph gleich, aus ernster Wolken Chor,
Als glich es ihr, am blauen Aether droben,
Ein schlank Gebild aus lichtem Duft empor!
So sahst du sie in frohem Tanze waltenDie Lieblichste der lieblichsten Gestalten.
Doch nur Momente darfst dich unterwinden,
Ein Lnftgebild statt ihrer fest zu halten;
Jn's Herz zurück, dort wirst du's besser finden,
Dort regt sie sich in wechselnden Gestalten;
Zu Vielen bildet Eine sich hinüber,
So tausendfach, und immer immer lieber.
Wie zum Empfang sie an den Pforten weilteUnd mich von dannauf stufenweis beglückte;
Selbst nach dem letzten Kuß mich noch ereilte,
Den letztesten mir auf die Lippen drückte:
So klar beweglich bleibt das Bild der LiebenMit Flammenschrift in's treue Herz geschrieben.
Jn's Herz, das fest wie zinnenhohe MauerSich ihr bewahrt und sie in sich bewahret,
Für sie sich freut an seiner eignen Dauer,
Nur weiß von sich, wenn sie sich offenbaret,
Sich freier fühlt in so geliebten SchrankenUnd nur noch schlägt, für alles ihr zu danken.
War Fähigkeit zu lieben, war BedürfenVon Gegenliebe weggelöscht, verschwunden;
Ist Hoffnungslust zu freudigen Entwürfen,
Entschlüssen, rascher That sogleich gefunden!
Wenn Liebe je den Liebenden begeistet,
Ward es an mir aus's lieblichste geleistet;
Und zwar durch sie! — Wie lag ein innres BangenAus Geist und Körper, unwillkommner Schwere: