Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Vermischte Gedichte,

Daß da gleich wird eine Fläche kommen,Weite Felder unbeklommen.

Und so immer, immer heraus,

Bis wir an Garten und Haus!

Aber wie geschicht's?

Freut mich das alles nicht —

Freute mich des GesichtsUnd der zwei Aeuglcin Glanz,

Freute mich des leichten Gangs,

Und wie ich sie seh'

Vom Zopf zur Zeh!

Sie ist fort, ich bin hier,

Ich bin weg, bin bei ihr.

Wandelt sie aus schroffen Hügeln,

Eilet sie das Thal entlang,

Da erklingt es wie mit Flügeln,

Da bewegt sich's wie Gesang.

Und aus diese Jugendfülle,

Dieser Glieder frohe PrachtHarret einer in der Stille,

Den sie einzig glücklich macht.

Liebe steht ihr gar zu schön,

Schönres hab' ich nie gesehn!

Bricht ihr doch ein BlumenflorAus dem Herzen leicht hervor.

Denk' ich: soll es doch so seyn!

Das erquickt mir Mark und Bein;Wähn' ich wohl, wenn sie mich liebt,Daß es noch was Beßres giebt?

Und noch schöner ist die Braut,

Wenn sie sich mir ganz vertraut,

Wenn sie spricht und mir erzählt,

Was sie freut und was sie quält.

Wie's ihr ist und wie's ihr war,

Kenn' ich sie doch ganz und gar.

Wer gewänn' an Seel' und LeibSolch ein Kind und solch ein Weib!

Frühling über's Äahr.

Das Beet, schon lockertSich's in die Höh,

Da wanken GlöckchenSo weiß wie Schnee;Safran entfaltetGewalt'ge Gluth, >Smaragden keimt esUnd keimt wie Blut.Primeln stolzirenSo naseweis,

Schalkhafte VeilchenVersteckt mit Fleiß;

Was auch noch allesDa regt und webt,Genug der FrühlingEr wirkt und lebt.

Doch was im GartenAm reichsten blüht,Das ist des LiebchensLieblich Gemüth.

Da glühen BlickeMir immerfort,Erregend Liebchen,Erheiternd Wort.

Ein immer offen,

Ein Blüthenherz,

Im Ernste freundlichUnd rein im Scherz.Wenn Ros' und LilieDer Sommer bringt,Er doch vergebensMit Liebchen ringt.

Zt. Vepomuck's Vorabend.

Sarlsbad den 15, Mai 1820,

Lichtlein schwimmen auf dem Strome,Kinder singen auf der Brücken,

Glocke, Glöckchen fügt vom DomeSich der Andacht, dem Entzücken.

Lichtlein schwinden, Sterne schwinden;Also lös'te sich die SeeleUnsres Heil'gen, nicht verkündenDurst' er anvertraute Fehle.

Lichtlein, schwimmet! spielt, ihr Kinder!Kinderchor, o! singe, singe!

Und verkündiget nicht minderWas den Stern zu Sternen bringe.

Äm Vorübergehen.

Ich ging im FeldeSo für mich hin,

Und nichts zu suchen,Das war mein Sinn.

Da stand ein BlümchenSogleich so nah,

Daß ich im LebenNichts lieber sah.

Ich wollt' es brechen,

Da sagt' es schleunig:

Ich habe Wurzeln,

Die sind gar heimlich.