Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Vermischte Gedichte.

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Im tiefen BodenBin ich gegründet;

Drum sind die BlüthenSo schön geründet.

Ich kann nicht liebeln,Ich kann nicht schranzen;Mußt mich nicht brechen.Mußt mich verpflanzen.

Ich ging im WaldeSo vor mich hin;

Ich war so heiter,Wollt' immer weiter —Das war mein Sinn.

Pfingsten.

Unter halb verwelkten MaienSchläft der liebe Freund so still;O! wie soll es ihn erfreuenWas ich ihm vertrauen will:Ohne Wurzeln dieses Reisig,

Es verdorrt das junge Blut;Aber Liebe, wie Herr Dreißig,Nähret ihre Pflanzen gut.

Gegenseitig.

Wie sitzt mir das Liebchen?Was freut sie so groß?

Den Fernen sie wiegt ihn,Sie hat ihn im Schooß;

Im zierlichen KäfigEin Vöglein sie hält,

Sie läßt es heraußenSo wie's ihr gefällt.

Hat's Picken dem Finger,Den Lippen gethan,

Es flieget und flattert,

Und wieder heran.

So eile zur Heimath,

Das ist nun der Brauch,Und hast du das Mädchen,So hat sie dich auch.

Freibeuter.

Mein Haus hat kein' Thür',Mein' Thür' hat ke' Haus;Und immer mit Schätze!Hinein und heraus.

Goethe, Werke. I.

Mei Küch hat ke' Herd,Mei Herd hat ke' Küch;

Da bratet's und siedet'sFür sich und für mich.

Mei Bett hat ke' G'stell,Mei G'stell hat ke' Bett.Doch wüßt ich nit e'nenDer's lustiger hätt'.

Mei Keller is hoch,

Mei Scheuer is tief,

Zu oberst zu Unterst —

Da lag ich und schlief.

Und bin ich erwachen,

Da geht es so fort;

Mei Ort hat ke' Bleibens,Mei Bleibens ken' Ort.

Der neue Copernicus.

Art'ges Häuschen hab' ich klein,Und, darin verstecket,

Bin ich vor der Sonne ScheinGar bequem bedecket.

Denn da giebt es Schalterlein,Federchen und Lädchen,

Finde mich so wohl alleinAls mit hübschen Mädchen.

Denn, o Wunder! mir zur LustRegen sich die Wälder,

Näher kommen meiner BrustDie entfernten Felder.

Und so tanzen auch vorbeiDie bewachs'nen Berge,

Fehlet nur das LustgeschreiAufgeregter Zwerge.

Doch so gänzlich still und stummRennt es mir vorüber,

Meistens grad und oft auch krumm,Und so ist mir's lieber.

Wenn ich's recht betrachten willUnd es ernst gewahre,

Steht vielleicht das alles stillUnd ich selber fahre.

So ist der Held, der mir gefällt.

Flieh, Täubchen, flieh! er ist nicht hie!

Der dich an dem schönsten FrühlingsmorgenFand im Wäldchen, wo du dich verborgen.Flieh, Täubchen, flieh! er ist nicht hie!Böser Laurer Füße rasten nie.

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