Vermischte Gedichte.
Horch! Flötenklang, LiebesgesangWallt auf Lüftchen her zu Liebchens Ohre,Find't im zarten Herzen offne Thore.
Horch! Flötenklang! Liebesgesang!
Horch! — es wird der süßen Liebe zu bang.
Hoch ist sein Schritt, fest ist sein Tritt,Schwarzes Haar auf runder Stimme webet,Auf den Wangen ew'ger Frühling lebet.
Hoch ist sein Schritt, fest ist sein Tritt,
Edler Deutschen Füße schreiten mit.
Wenn' ist die Brust, keusch seine Lust;Schwarze Augen unter runden BogenSind mit zarten Falten schön umzogen.Wenn' ist die Brust, keusch seine Lust;
Gleich beim Anblick du ihn lieben mußt.
Roth ist sein Mund, der mich verwundt,
Auf den Lippen träufeln Morgendüfte,
Auf den Lippen säuseln kühle Lüste.
Roth ist sein Mund, der mich verwundt,
Nur ein Blick von ihm macht mich gesund.
Treu ist sein Blut, stark ist sein Muth;Schutz und Stärke wohnt in weichen Armen,Auf dem Antlitz edeles Erbarmen.
Treu ist sein Blut, stark ist sein Muth;
Selig! wer in seinen Armen ruht.
Ungeduld.
Immer wieder in die WeiteUeber Länder an das Meer,Phantasien in der BreiteSchwebt am Ufer hin und her!
Neu ist immer die Erfahrung:
Immer ist dem Herzen bang,Schmerzen sind der Jugend Nahrung,Thränen seliger Lobgesang.
Mit den Wanderjahren.
Die Wanderjahre sind nun angetreten,
Und jeder Schritt des Wandrers ist bedenklich.Zwar Pflegt er nicht zu singen und zu beten;Doch wendet er, sobald der Pfad verfänglich,Den ernsten Blick, wo Nebel ihn umtrüben,Jn's eigne Herz und in das Herz der Lieben.
Und so heb' ich alte Schätze,Wunderlichst in diesem Falle;Wenn sie nicht zum Golde setze,Sind's doch immerfort Metalle.
Man kann schmelzen, man kann scheiden,Wird gediegen, laßt sich wägen;
Möge mancher Freund mit FreudenSich's nach seinem Bilde prägen!
Wüßte kaum genau zu sagen,
Ob ich es noch selber bin;
Will man mich im Ganzen fragen,Sag' ich: Ja, so ist mein Sinn!Ist ein Sinn, der uns zuweilenBald beängstet, bald ergötzt,
Und in so viel tausend ZeilenWieder sich in's Gleiche setzt.
Wanderlied.
Von dem Berge zu den Hügeln,Niederab das Thal entlang,
Da erklingt es wie von Flügeln,
Da bewegt sich's wie Gesang;
Und dem unbedingten TriebeFolget Freude, folget Rath;
Und dein Streben, sey's in Liebe,Und dein Leben sey die That.
Denn die Bande sind zerrissen,
Das Vertrauen ist verletzt;
Kann ich sagen, kann ich wissen,Welchem Zufall ausgesetztIch nun scheiden, ich nun wandern,Wie die Wittwe, trauervoll,
Statt dem Einen, mit dem AndernFort und fort mich wenden soll!
Bleibe nicht am Boden heften!
Frisch gewagt und frisch hinaus!Kopf und Arm mit heitern KräftenUeberall sind sie zu Haus;
Wo wir uns der Sonne freuen,Sind wir jede Sorge los;
Daß wir uns in ihr zerstreuen,Darum ist die Welt so groß.
Lied der Auswanderer.
Bleiben, Gehen, Gehen, Bleiben,Sey fortan dem Tücht'gen gleich;Wo wir Nützliches betreiben,
Ist der wertheste Bereich.
Dir zu folgen wird ein Leichtes:Wer gehorchet, der erreicht es;
Zeig' ein festes Vaterland!
Heil dem Führer! Heil dem Band!