Vermischte Gedichte
poetische Gedankenüber die
Höllenfahrt Jesu Christi.
Auf Verlangen entworfenvon
3. W. G.
17«S.
Welch ungewöhnliches Getümmel!
Ein Jauchzen tönet durch die Himmel,
Ein großes Heer zieht herrlich fort.
Gefolgt von tausend Millionen,
Steigt Gottes Sohn von Seinen Thronen,Und eilt an jenen finstern Ort.
Er eilt, umgeben von Gewittern,
Als Richter kommt Er und als Held;
Er geht und alle Steme zittern,
Die Sonne bebt, es bebt die Welt.
Ich seh' Ihn auf dem Siegeswagen,
Von Feuerrädern fortgetragen,
Den, der für uns am Kreuze starb.
Er zeigt den Sieg auch jenen Fernen,
Weit von der Welt, weit von den Sternen,Den Sieg, den Er für uns erwarb.
Er kommt, die Hölle zu zerstören,
Die schon Sein Tod darnieder schlug;
Sie soll von Ihm ihr Urtheil hören:
Hört! jetzt erfüllet sich der Fluch.
Die Hölle sieht den Sieger kommen,
Sie fühlt sich ihre Macht genommen,
Sie bebt und scheut Sein Angesicht;
Sie kennet Seines Donners Schrecken,
Sie sucht umsonst sich zu verstecken,
Sie sucht zu fliehn und kann es nicht;
Sie eilt vergebens, sich zu rettenUnd sich dem Richter zu entziehn,
Der Zorn des Herrn, gleich ehrnen KettenHält ihren Fuß, sie kann nicht fliehn.
Hier lieget der zertretne Drache,
Er liegt und fühlt des Höchsten Rache,
Er fühlet sie und knirscht vor Wuth;
Er fühlt der ganzen Hölle Qualen,
Er ächzt und heult bei tausendmalen:Vernichte mich, o heiße Gluth!
Da liegt er in dem Flammenmeere,
Ihn foltern ewig Angst und Pein;
Er flucht, daß ihn die Qual verzehre,
Und hört, die Qual soll ewig seyn.
Auch hier sind jene großen Schaaren,
Die mit ihm gleichen Lasters waren,
Doch lange nicht so bös als er.
Hier liegt die ungezählte Menge,
In schwarzem, schrecklichem Gedränge,
Im Fcuerorkan um ihn her;
Er sieht, wie sie den Richter scheuen,
Er sieht, wie sie der Sturm zerfrißt,
Er sieht'« und kann sich doch nicht freuen,Weil seine Pein noch größer ist.
Des Menschen Sohn steigt im TriumpheHinab zum schwarzen Höllensumpfe,
Und zeigt dort Seine Herrlichkeit.
Die Hölle kann den Glanz nicht tragen;
Seit ihren ersten SchöpfungstagenBeherrschte sie die Dunkelheit.
Sie lag entfernt von allem Lichte,
Erfüllt von Qual im Chaos hier;
Den Strahl von Seinem AngesichtsVerwandte Gott auf stets von ihr.
Jetzt siehet sie in ihren GränzenDie Herrlichkeit des Sohnes glänzen,
Die fürchterliche Majestät!
Sie sieht mit Donnern Ihn umgeben,
Sie sieht, daß alle Felsen beben,
Wie Gott im Grimme vor ihr steht.
Sie sieht's, Er kommet sie zu richten,
Sie fühlt den Schmerzen, der sie Plagt,
Sie wünscht umsonst sich zu vernichten;Auch dieser Trost bleibt ihr versagt.
Nun denkt sie an ihr altes Glücke,
Voll Pein an jene Zeit zurücke,
Da dieser Glanz ihr Lust gebar;
Da noch ihr Herz im Stand der Tugend,Ihr froher Geist in frischer Jugend,
Und stets voll neuer Wonne war.
Sie denkt mit Wuth an ihr Verbrechen,Wie sie die Menschen kühn betrog;
Sie dachte sich an Gott zu rächen,
Jetzt fühlt sie, was es nach sich zog.
Gott ward ein Mensch, Er kam auf Erden.Auch dieser soll mein Opfer werden,
Sprach Satanas und freute sich.
Er suchte Christum zu verderben,
Der Welten Schöpfer sollte sterben;
Doch weh dir, Satan, ewiglich!
Du glaubtest Ihn zu überwinden,
Du freutest dich bei Seiner Noth;
Doch siegreich kommt Er, dich zu binden:Wo ist dein Stachel hin, o Tod?
Sprich, Hölle! sprich, wo ist dein Siegen?Sieh nur, wie deine Mächte liegen!Erkennst du bald des Höchsten Macht?
Sieh, Satan! sieh dein Reich zerstöret.
Von tausendfacher Qual beschweretLiegst du in ewig finstrer Nacht.
Da liegst du wie vom Blitz getroffen,
Kein Schein von Glück erfreuet dich.
Es ist umsonst! Du darfst nichts hoffen,Messias starb allein für mich!