Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Kunst.

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Und so durch Uebung und durch GlückGelang mir, sagt ihr, manches Stück.

Nun dacht' ich, nach vielem Rennen und LaufenDürft' einer auch einmal verschnaufen,

Ohne daß jeder gleich, der wohl ihm wollt',

Ihn 'neu faulen Bengel heißen sollt'.

Drum ist mein Wort zu dieser Frist,

Wie's allezeit gewesen ist:

Mit keiner Arbeit hab' ich geprahltUnd was ich gemalt hab', hab' ich gemalt.

Groß ist die Diana der Lpheser.

Apostelgeschichte 1S, 30.

Zu Ephesus ein Goldschmied saßIn seiner Werkstatt, pochteSo gut er konnt', ohn' Unterlaß,

So zierlich er's vermochte.

Als Knab' und Jüngling kniet' er schonIm Tempel vor der Göttin Thron,

Und hatte den Gürtel unter den Brüsten,Worin so manche Thiere nisten,

Zu Hause treulich nachgefeilt,

Wie's ihm der Vater zugetheilt;

Und leitete sein kunstreich StrebenIn frommer Wirkung durch das Leben.

Dr hört er denn aus einmal lautEines Gassenvolkes Windesbraut,

Als gäb's einen Gott so im Gehirn,

Da hinter des Menschen alberner Stirn,

Der sey viel herrlicher als das Wesen,

An dem wir die Breite der Gottheit lesen.

Der alte Künstler horcht nur auf,

Läßt feinen Knaben auf den Markt den Lauf,Feilt immer fort an Hirschen und Thieren,Die seiner Gottheit Kniee zieren;

Und hofft, es könnte das Glück ihm walten,Ihr Angesicht würdig zu gestalten.

Will's aber einer anders halten,

So mag er nach Belieben schalten;

Nur soll er nicht das Handwerk schänden;Sonst wird er schlecht und schmählich enden.

Äntike.

Homer ist lange mit Ehren genannt,Jetzt ward auch Phidias bekannt;Nun hält nichts gegen beide Stich,Darob ereifere niemand sich.

Seyd willkommen, edle GästeJedem ächten deutschen Sinn;Denn das Herrlichste, das Beste,Bringt allein dem Geist Gewinn.

Begeisterung.

Fassest du die Muse nur beim Zipfel,

Hast du wenig nur gethan;

Geist und Kunst, auf ihrem höchsten Gipfel,Muthen alle Menschen an.

Studien.

Nachahmung der Natur— Der schönen —

Ich ging auch wohl auf dieser Spur;Gewöhnen

Möcht' ich Wohl nach und nach den SinnMich zu vergnügen;

Allein sobald ich mündig bin,

Es sind's die Griechen!

Typus.

Es ist nichts in der Haut,

Was nicht im Knochen ist.

Vor schlechtem Gebilde jedem graut,

Das ein Augenschmerz ihm ist.

Was fteut denn jeden? Blühen zu sehnDas von innen schon gut gestaltet;

Außen mag's in Glätte, mag in Farben gehn,Es ist ihm schon voran gewaltet.

Unerläßlich.

Gar manches artig ist geschehnDurch leichte Griffelspiele;

Doch, recht betrachtet, wohl besehn,Fehlt immer Hain und Mühle.

Ideale.

Der Maler wagt's mit Götterbildern,

Sein Höchstes hat er ausgestellt;

Doch was er für unmöglich hält:

Dem Liebenden die Liebste schildern.

Er wag' es auch! Ein Traum wird frommen,Ein Schattenbild ist hoch willkommen.