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Sprüche in Prosa.
müßte. Sie ist ganz Form und Gehalt, und erhöht und veredeltalles, was sie ausdrückt.
Die Musik ist heilig oder Profan. Das Heilige ist ihrerWürde ganz gemäß, und hier hat sie die größte Wirkung auf'sLeben, welche sich durch alle Zeiten und Epochen gleich bleibt.Die profane sollte durchaus heiter seyn.
Eine Musik, die den heiligen und profanen Charakter vermischt,ist gottlos, und eine halbschürige, welche schwache, jammervolle,erbärmliche Empfindungen auszudrücken Belieben findet, ist ab-geschmackt. Denn sie ist nicht ernst genug, um heilig zu seyn,und es fehlt ihr der Hauptcharakter des Entgegengesetzten: dieHeiterkeit.
Die Heiligkeit der Kirchenmusiken, das Heitere und Neckischeder Volksmelodien sind die beiden Angeln, um die sich die wahreMusik herumdreht. Auf diesen beiden Punkten beweist sie jeder-zeit eine unausbleibliche Wirkung: Andacht oder Tanz. Die Ver-mischung macht irre, die Verschwächung wird fade, und will dieMusik sich an Lehrgedichte oder beschreibende und dergleichen wen-den, so wird sie kalt.
Plastik wirkt eigentlich nur auf ihrer höchsten Stufe; allesMittlere kann Wohl aus mehr denn Einer Ursache imponiren,aber alle mittleren Kunstwerke dieser Art machen mehr irre alsdaß sie erfreuen. Die Bildhauerkunst muß sich daher noch einstoffartiges Interesse suchen, und das findet sie in den Bildnissenbedeutender Menschen. Aber auch hier muß sie schon einen hohenGrad erreichen, wenn sie zugleich wahr und würdig seyn will.
Die Malerei ist die läßlichste und bequemste von allenKünsten. Die läßlichste, weil man ihr um des Stoffes und desGegenstandes willen, auch da wo sie nur Handwerk oder kaumeine Kunst ist, vieles zu gute hält und sich an ihr erfreut; theilsweil eine technische, obgleich geistlose Ausführung den Ungebilde-ten wie den Gebildeten in Verwunderung setzt, so daß sie sichalso nur einigermaßen zur Kunst zu steigern braucht, um ineinem höheren Grade willkommen zu seyn. Wahrheit in Farben,Oberflächen, in Beziehungen der sichtbaren Gegenstände auf ein-ander, ist schon angenehm; und da das Auge ohnehin gewohntist, alles zu sehen, so ist ihm eine Mißgestalt, und also auch einMißbild nicht so zuwider als dem Ohr ein Mißton. Man läßtdie schlechteste Abbildung gelten, weil man noch schlechtere Ge-genstände zu sehen gewohnt ist. Der Maler darf also nur einiger-maßen Künstler seyn, so findet er schon ein größeres Publicumals der Musiker, der auf gleichem Grade stünde; wenigstens kannder geringere Maler immer für sich operiren, anstatt daß dermindere Musikersich mit andern sociiren muß, um durch geselligeLeistung einigen Effect zu thun.
Die Frage, ob man bei Bettachtung von Kunstleistungenvergleichen solle oder nicht, möchten wir folgendermaßen beant-worten. Der ausgebildete Kenner soll vergleichen; denn ihmschwebt die Idee vor, er hat den Begriff gefaßt, was geleistetwerden könne und solle. Der Liebhaber, auf dem Wege zurBildung begriffen, fördert sich am besten, wenn er nicht vergleicht,sondern jedes Verdienst einzeln betrachtet; dadurch bildet sichGefühl und Sinn für das Allgemeinere nach und nach aus.Das Vergleichen der Unkenner ist eigentlich nur eine Bequem-lichkeit, die sich gern des Urtheils überheben möchte.
Wahrheitsliebe zeigt sich darin, daß mau überall das Gutezu finden und zu schätzen weiß.
Ein historisches Menschengefühl heißt ein dergestalt gebildetes,daß es bei Schätzung gleichzeitiger Verdienste und Verdienstlich-keiten auch die Vergangenheit mit in Anschlag bringt.
Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthu-siasmus, den sie erregt.
Eigenthümlichkeit ruft Eigenthümlichkeit hervor.
Man muß bedenken, daß unter den Menschen gar viele sind,die doch auch etwas Bedeutendes sagen wollen, ohne produktivzu seyn, und da kommen die wunderlichsten Dinge an den Tag.
Tief und ernstlich denkende Menschen haben gegen das Pu-blicum einen bösen Stand.
Wenn ich die Meinung eines andern anhören soll, so mußsie positiv ausgesprochen werden; Problematisches hab' ich in mirselbst genug.
Der Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüch-tet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, indie wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal,wenn er einigermaßen sicher zu seyn glaubt, wieder hervortritt.
Wir würden gar vieles besser kennen, wenn wir es nicht zugenau erkennen wollten. Wird uns doch ein Gegenstand untereinem Winkel von fünfundvierzig Graden erst faßlich.
Microscope und Fernröhre verwirren eigentlich den reinenMenschensinn.