Spräche in Prosa.
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Die Klugen haben mit einander viel gemein. Aeschylus.
Das eigentlich Unverständige sonst verständiger Menschen ist,daß sie nicht zurecht zu legen wissen, was ein Anderer sagt, abernicht gerade trifft, wie er's hätte sagen sollen.
Ein jeder, weil er spricht, glaubt auch über die Sprachesprechen zu können.
Man darf nur alt werden, um milder zu seyn; ich sehe keinenFehler begehen, den ich nicht auch begangen hätte.
Der Handelnde ist immer gewissenlos; es hat niemand Ge-wissen, als der Betrachtende.
Ob denn die Glücklichen glauben, daß der Unglückliche wieein Gladiator mit Anstand vor ihnen umkommen solle, wie derrömische Pöbel zu fordern Pflegte?
Den Timon fragte jemand wegen des Unterrichts scinevKinder. Laßt sie, sagte der, unterrichten in dem, was sie niemalsbegreifen werden.
Es giebt Personen, denen ich wohl will, und wünschte ihnenbesser wollen zu können.
Der eine Bruder brach Töpfe, der andere Krüge. Verderb-liche Wirthschaft!
Wie man aus Gewohnheit nach einer abgelaufenen Uhr hin-sieht, als wenn sie noch ginge, so blickt man auch Wohl einerSchönen in's Gesicht, als wenn sie noch liebte.
Der Haß ist ein actives Mißvergnügen, der Neid ein Pas-sives; deßhalb darf man sich nicht wundern, wenn der Neid soschnell in Haß übergeht.
Der Rhythmus hat etwas Zauberisches, sogar macht er unsglauben, das Erhabene gehöre uns an.
Dilettantismus, ernstlich behandelt, und Wissenschaft, me-chanisch betrieben, werden Pedanterei.
Die Kunst kann niemand fördern als der Meister. Gönnerfördern den Künstler, das ist recht und gut; aber dadurch wirdnicht immer die Kunst gefördert.
Deutlichkeit ist eine gehörige Vertheilung von Licht undSchatten. Ha mann. Hört!
Shakspeare ist reich an wundersamen Tropen, die aus per-sonificirten Begriffen entstehen, und uns gar nicht kleiden wür-den, bei ihm aber völlig am Platze sind, weil zu seiner Zeit alleKunst von der Allegorie beherrscht wurde.
Auch findet derselbe Gleichnisse, wo wir sie nicht hernehmenwürden; z. B. vom Buche. Die Druckerkunst war schon überhundert Jahre erfunden; dem ungeachtet erschien ein Buchnoch als ein Heiliges, wie wir aus dem damaligen Einbandesehen, und so war es dem edlen Dichter lieb und ehrenwerth:wir aber broschiren jetzt alles und haben nicht leicht vor dem Ein-bande noch seinem Inhalte Respect.
HerrvonSchweinichenistein merkwürdiges Geschichts-und Sittenbuch; für die Mühe, die es kostet es zu lesen, findenwir uns reichlich belohnt; es wird für gewisse Zustände eineSymbolik der vollkommensten Art. Es ist kein Lesebuch, aberman muß es gelesen haben.
Der Hörigste von allen Irrthümern ist, wenn junge guteKöpfe glauben ihre Originalität zu verlieren, indem sie dasWahre anerkennen, was von andern schon anerkannt worden.
Die Gelehrten sind meist gehässig, wenn sie widerlegen;einen Irrenden sehen sie gleich als ihren Todfeind an.
Die Schönheit kann nie über sich selbst deutlich werden.
Sobald man der subjectiven oder sogenannten sentimentalenPoesie mit der objectiven, darstellenden, gleiche Rechte ver-lieh, wie es denn auch wohl nicht anders seyn konnte, weil mansonst die moderne Poesie ganz hätte ablehnen müssen; so warvoraus zu sehen, daß, wenn auch wahrhafte poetische Geniesgeboren werden sollten, sie doch immer mehr das Gemüthlichedes inneren Lebens als das Allgemeine des großen Weltlebensdarstellen würden. Dieses ist nun in dem Grade eingetroffen,daß es eine Poesie ohne Tropen giebt, der man doch keineswegsallen Beifall versagen kann.
Dritte Abtheilung.
Der Irrthum ist viel leichter zu erkennen, als die Wahrheitzu finden; jener liegt auf der Oberfläche, damit läßt sich wohl