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Sprüche in Prosa.
fertig werben; diese ruht in der Tiefe, danach zu forschen istnicht jedermanns Sache.
Wir alle leben vom Vergangnen und gehen am Vergangnenzu Grunde.
Wie wir was Großes lernen sollen, fliichten wir uns gleichin unsre angeborne Armseligkeit, und haben doch immer etwasgelernt.
Den Deutschen ist nichts daran gelegen zusammen zu bleiben,aber doch für sich zu bleiben. Jeder, seh er auch welcher er'wolle,hat so ein eignes Fürsich, das er sich nicht gern möchte nehmenlasten.
Die empirisch-sittliche Welt besteht größtentheils nur ausbösem Willen und Neid.
Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens; deßwegen schadet'sdem Dichter nicht abergläubisch zu seyn.
Das Leben, so gemein es aussieht, so leicht es sich mit demGewöhnlichen, dem Alltäglichen zu begnügen scheint, hegt undpflegt doch immer gewisse höhere Forderungen im Stillen, undsieht sich nach Mitteln um, sie zu befriedigen.
Mit dem Vertrauen ist es eine wunderliche Sache. Hörtman nur Einen, der kann sich irren oder sich betrügen; hörtman viele, die sind in demselbigen Falle, und gewöhnlich findetman die Wahrheit gar nicht heraus.
Unreine Lebensverhältnisse soll man niemand wünschen; siesind aber für den, der zufällig hinein geräth, Prüfsteine desCharakters und des Entschiedensten, was der Mensch vermag.
Ein beschränkter ehrlicher Mensch sieht oft die Schelmerei der !feinsten Mächler (knisenrs) durch und durch. ?
Wer keine Liebe fühlt, muß schmeicheln lernen, sonst kommter nicht aus.
Gegen die Kritik kann man sich weder schützen noch wehren;man muß ihr zum Trutz handeln, und das läßt sie sich nach undnach gefallen.
Die Menge kann tüchtige Menschen nicht entbehren, und dieTüchtigen sind ihnen jederzeit zur Last.
Wer meine Fehler überträgt, ist mein Herr, und wenn'smein Diener wäre.
Memoiren von oben herunter oder von unten hinauf, siemüssen sich immer begegnen.
Wenn man von den Leuten Pflichten fordert und ihnen keineRechte zugestehen will, muß man sie gut bezahlen.
Das sogenannte Romantische einer Gegend ist ein stilles Ge-fühl des Erhabenen unter der Form der Vergangenheit, oderwas gleich lautet, der Einsamkeit, Abwesenheit, Abgeschiedenheit.
Der herrliche Kirchengesang: Veni Orestor Spiritus, istganz eigentlich ein Appell an's Genie; deßwegen er auch geist-und kraftreiche Menschen gewaltig anspricht.
Das Schöne ist eine Manifestation geheimer Naturgesetze,die uns ohne dessen Erscheinung ewig wären verborgen geblieben.
Aufrichtig zu seyn kann ich versprechen; unparteiisch zu seynaber nicht.
Der Undank ist immer eine Art Schwäche. Ich habe nie ge-sehen, daß tüchtige Menschen wären undankbar gewesen.
Wir alle sind so bornirt, daß wir immer glauben recht zuhaben; und so läßt sich ein außerordentlicher Geist denken, dernicht allein irrt, sondern sogar Lust am Irrthum hat.
Reine mittlere Wirkung zur Vollendung des Guten undRechten ist sehr selten; gewöhnlich sehen wir Pedanterie, welchezu retardiren, Frechheit, die zu übereilen strebt.
Worte und Bild sind Correlate, die sich immerfort suchen,wie wir an Tropen und Gleichnissen genugsam gewahr werden.So von jeher, was dem Ohr nach innen gesagt oder gesungenwar, sollte dem Auge gleichfalls entgegen kommen. Und so sehenwir in kindlicher Zeit in Gesetzbuch und Heilsordnung, in Bibelund Fibel, sich Wort und Bild immerfort balanciren. Wennman aussprach, was sich nicht bilden, bildete, was sich nicht aus-sprechen ließ, so war das ganz recht; aber man vergriff sich gar