Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Sprüche in Prosa.

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oft, und sprach statt zu bilden, und daraus entstanden die doppeltbösen symbolisch-mystischen Ungeheuer.

Eine Sammlung von Anekdoten und Maximen ist sür denWeltmann der größte Schatz, wenn er die ersten an schicklichenOrten in's Gespräch einzustreuen, der letzten im treffenden Fallesich zu erinnern weiß.

Man sagt: Studire, Künstler, die Natur! Es ist aber keineKleinigkeit, aus dem Gemeinen das Edle, aus der Unform dasSchöne zu entwickeln.

Wo der Antheil sich verliert, verliert sich auch das Ge-dächtniß.

Die Welt ist eine Glocke, die einen Riß hat; sie klappert, aberklingt nicht.

Die Zudringlichkeit junger Dilettanten muß man mit Wohl-wollen erwägen, sie werden im Alter die wahrsten Verehrer derKunst und des Meisters.

Wenn die Menschen recht schlecht werden, haben sie keinenAntheil mehr als die Schadenfreude.

Gescheitste Leute sind immer das beste Eonversationslexikon.

Es giebt Menschen, die gar nicht irren, weil sie sich nichtsVernünftiges vorsetzen.

Kenne ich mein Verhältniß zu mir selbst und zur Außen-welt, so heiß' ich's Wahrheit. Und so kann jeder seine eigeneWahrheit haben, und es ist doch immer dieselbige.

Das Besondere unterliegt ewig dem Allgemeinen; das All-gemeine hat ewig sich dem Besondern zu fügen.

Vom eigentlich Produktiven ist niemand Herr, und sie müssenes alle nur so gewähren lasten.

Wem die Natur ihr offenbares Geheimniß zu enthüllen an-fängt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrerwürdigsten Anslegerin, der Kunst.

Die Zeit ist selbst ein Element.

Der Mensch begreift niemals, wie anthropomorphisch er ist.

Ein Unterschied, der dem Verstand nichts giebt, ist keinUnterschied.

Die Verwechselung eines Consonanten mit dem andernmöchte wohl aus Unfähigkeit des Organs, die Verwandlungder Vocale in Diphthongen aus einem eingebildeten Pathos ent-stehen.

Man kann nicht für jedermann leben, besonders für dienicht, mit denen man nicht leben möchte.

Der Appell an die Nachwelt entspringt aus dem reinenlebendigen Gefühl, daß es ein Unvergängliches gebe, und, wennauch nicht gleich anerkannt, doch zuletzt aus der Minorität sichder Majorität werde zu erfreuen haben.

Geheimnisse sind noch keine Wunder.

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Leichtsinnige, leidenschaftliche Begünstigung problematischerTalente war ein Fehler meiner frühern Jahre, den ich niemalsganz ablegen konnte.

Ich möchte gern ehrlich mit dir seyn, ohne daß wir uns ent-zweiten, das geht aber nicht. Du benimmst dich falsch undsetzest dich zwischen zwei Stühle; Anhänger gewinnst du nichtund verlierst deine Freunde. Was soll daraus werden!

Es ist ganz einerlei, vornehm oder gering seyn, das Mensch-liche muß man immer ansbaden.

Die liberalen Schriftsteller spielen jetzt ein gutes Spiel, siehaben das ganze Publicum zu Suppleanten.

Wenn ich von liberalen Ideen reden höre, so verwundereich mich immer, wie die Menschen sich gern mit leeren Wort-schällen hinhalten; eine Idee darf nicht liberal seyn. Kräftigsey sie, tüchtig, in sich selbst abgeschlossen, damit sie den gött-lichen Auftrag, prodnctiv zu seyn, erfülle; noch weniger darfder Begriff liberal seyn, denn der hat einen ganz andernAuftrag.