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Sprüche in Prosa.
Wo man die Liberalität aber suchen muß, das ist in denGesinnungen, und diese sind das lebendige Gemüth.
Gesinnungen aber sind selten liberal, weil die Gesinnungunmittelbar aus der Person, ihren nächsten Beziehungen undBedürfnissen hervorgeht.
Weiter schreiben wir nicht; an diesem Maaßstab halte man,was man tagtäglich hört.
Es sind immer nur unsere Augen, unsere Vorstellungs-arten, die Natur weiß ganz allein, was sie will, was sie ge-wollt hat.
Gieb mir, wo ich stehe!Archimedes.
Nimm dir, wo du stehest!Nose.
Behaupte, wo du stehst!
G.
Allgemeines Causal-Verhältniß das der Beobachter aufsucht,und ähnliche Erscheinungen einer allgemeinen Ursache zuschreibt;an die nächste wird selten gedacht.
Einem Klugen widerfährt keine geringe Thorheit.
Bei jedem Kunstwerk, groß oder klein, bis in's Kleinstekommt alles auf die Conception an.
Es giebt eine Poesie ohne Tropen, die ein einziger Tro-pus ist.
Ein alter gutmüthiger Examinator sagt einem Schüler in'sOhr:
Ltinin nillii äiäioisti,und läßt ihn für gut hingehen.
Das Vortreffliche ist unergründlich, man mag damit an-fangen, was man will.
„-peiniliurn knulum — virum in tsntum lnuäanciuin,in husntuin intelli^i virtus xotest."
Ich habe mich so lange urn's Allgemeine bemüht, bis icheinsehen lernte, was vorzügliche Menschen im Besondern leisten.
Eigentlich weiß man nur, wenn man wenig weiß; mit dem !Wissen wächst der Zweifel.
Die Irrthümer des Menschen machen ihn eigentlich liebens-würdig.
„Lonns vir semper tiro."
Es giebt Menschen, die ihr Gleiches lieben und aufsuchen,und wieder solche, die ihr Gegentheil lieben und diesem nachgehn.
Wer sich von jeher erlaubt hätte, die Welt so schlecht anzu-sehen, wie uns die Widersacher darstellen, der müßte ein mise-rables Subject geworden seyn.
Mißgunst und Haß beschränken den Beobachter auf die Ober-fläche, selbst wenn Scharfsinn sich zu ihnen gesellt; verschwistertsich dieser hingegen mit Wohlwollen und Liebe, so durchdrängter die Welt und den Menschen, ja er kann hoffen, zum Aller-höchsten zu gelangen.
kairoi-amio abilit^ schreibt mir ein englischer Kritiker zu,wofür ich allerschönstens zu danken habe.
Einem jeden wohlgesinnten Deutschen ist eine gewisse Por-tion poetischer Gabe zu wünschen, als das wahre Mittel, seinenZustand, von welcher Art er auch sey, mit Werth und Anmutheinigermaßen zu umkleiden.
Den Stoff sieht jedermann vor sich, den Gehalt findet nurder, der etwas dazu zu thun hat, und die Form ist ein Geheim-niß den Meisten.
Die Menschen halten sich mit ihren Neigungen an's Leben-dige. Die Jugend bildet sich wieder an der Jugend.
Wir mögen die Welt kennen lernen, wie wir wollen, siewird immer eine Tag- und eine Nachtseite behalten.
Der Irrthum wiederholt sich immerfort in der That, deß-wegen muß man das Wahre unermüdlich in Worten wieder-holen.
Wie in Rom außer den Römern noch ein Volk von Statuenwar, so ist außer dieser realen Welt noch eine Welt des Wahns,viel mächtiger beinahe, in der die Meisten leben.