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Sprüche In Prosa.
Es ist eben, als ob man es selbst vermöchte, wenn man sichguten Raths erholen kann.
Die Wahlsprüche deuten auf das, was man nicht hat, wor-nach man strebt. Man stellt sich solches wie billig immer vorAugen.
„Wer einen Stein nicht allein erheben mag, der soll ihnauch selbander liegen lassen."
Der Despotismus fördert die Autokratie eines jeden, indemer von oben bis unten die Verantwortlichkeit dem Individuumzumuthet, und so den höchsten Grad von Thätigkeit hervorbringt.
Alles Spinozistische in der poetischen Prodnction wird in derReflexion Macchiavellismus.
Man muß seine Irrthümer theuer bezahlen, wenn man sielos werden will, und dann hat man noch von Glück zu sagen.
Wenn ein deutscher Literator seine Nation vormals beherr-schen wollte, so mußte er ihr nur glauben machen, es sey einerda, der sie beherrschen wolle. Da waren sie gleich so verschüch-tert, daß sie sich, von wem es auch wäre, gern beherrschen ließen.
„Niüil rsruw iNortsIium tniii instabile ac tluxuin estqusrn potentiu non sun vi uixs."
„Es giebt auch Afterkllnstler, Dilettanten und Spe-culanten: jene treiben die Kunst um des Vergnügens, dieseum des Nutzens willen."
Geselligkeit lag in meiner Natur; deßwegen ich bei vielfachemUnternehmen mir Mitarbeiter gewann und mich ihnen zumMitarbeiter bildete, und so das Glück erreichte, mich in ihnenund sie in mir fortleben zu sehn.
Mein ganzes inneres Wirken erwies sich als eine lebendigeHeuristik, welche, eine unbekannte geahnete Regel anerkennend,solche in der Außenwelt zu finden und in die Außenwelt einzu-führen trachtet.
Es giebt eine enthusiastische Reflexion, die von dem größtenWerth ist, wenn man sich von ihr nur nicht hinreißen läßt.
Nur in der Schule selbst ist die eigentliche Vorschule.
Der Irrthum verhält sich gegen das Wahre, wie der Schlafgegen das Wachen. Ich habe bemerkt, daß man aus demIrren sich wie erquickt wieder zu dem Wahren hinwende.
Ein jeder leidet, der nicht für sich selbst handelt Man han-delt für Andere, um mit ihnen zu genießen.
Das Faßliche gehört der Sinnlichkeit und dem Verstände.Hieran schließt sich das Gehörige, welches verwandt ist mit demSchicklichen. Das Gehörige jedoch ist ein Verhältniß zu einerbesondern Zeit und entschiedenen Umständen.
Eigentlich lernen wir nur von Büchern, die wir nicht beur-theilen können. Der Autor eines Buchs, das wir beurtheilenkönnten, müßte von uns lernen.
Deßhalb ist die Bibel ein ewig wirksames Buch, weil, solange die Welt steht, niemand auftreten und sagen wird: Ichbegreife es im Ganzen und verstehe es im Einzelnen. Wir abersagen bescheiden: Im Ganzen ist es ehrwürdig, und im Einzel-nen anwendbar.
i Alle Mystik ist ein Transscendiren und ein Ablösen von! irgend einem Gegenstände, den man hinter sich zu lassen glaubt.! Je größer und bedeutender dasjenige war, dem man absagt,^ desto reicher sind die Produktionen des Mystikers.
Die orientalische mystische Poesie hat deßwegen den großenVorzug, daß der Reichthum der Welt, den der Adepte wegweis't,ihm noch jederzeit zu Gebote steht. Er befindet sich also nochimmer mitten in der Fülle, die er verläßt, und schwelgt in dem,was er gern los seyn möchte.
Christliche Mystiker sollte es gar nicht geben, da die Religionselbst Mysterien darbietet. Auch gehen sie immer gleich in's Ab-struse, in den Abgrund des Subjects.
Ein geistreicher Mann sagte, die neuere Mystik sey die Dia-lektik des Herzens, und deßwegen mitunter so erstauncnswerthund verführerisch, weil sie Dinge zur Sprache bringe, zu denender Mensch auf dem gewöhnlichen Verstands-, Vernunfts- undReligionswege nicht gelangen würde. Wer sich Muth undKraft glaube, sie zu studieren, ohne sich betäuben zu lassen, dermöge sich in diese Höhle des Trophonios versenken, jedoch aufseine eigene Gefahr.