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Sprüche in Prosa.
Was man mündlich ausspricht, muß der Gegenwart, demAugenblick gewidmet seyn; was man schreibt, widme man derFerne, der Folge.
Die Dialektik ist die Ausbildung des Widerspruchsgeistes,welcher dem Menschen gegeben, damit er den Unterschied derDinge erkennen lerne.
Mit wahrhaft Gleichgesinnten kann man sich auf die Längenicht entzweien, man findet sich immer wieder einmal zusam-men; mit eigentlich Widergesinnten versucht man umsonst Einig-keit zu halten, es bricht immer wieder einmal auseinander.
Gegner glauben uns zu widerlegen, wenn sie ihre Meinungwiederholen und auf die unsrige nicht achten.
Diejenigen, welche widersprechen und streiten, sollten mit-unter bedenken, daß nicht jede Sprache jedem verständlich sey.
Es hört doch jeder nur, was er versteht.
Ich erwarte wohl, daß mir mancher Leser widerspricht, aberer muß doch stehen lassen, was er schwarz auf weiß vor sich hat.Ein anderer stimmt vielleicht mir bei, eben dasselbe Exemplarin der Hand.
Die wahre Liberalität ist Anerkennung.
Die schwer zu lösende Aufgabe strebender Menschen ist, dieVerdienste älterer Mitlebenden anzuerkennen und sich von ihrenMangeln nicht hindern zu lassen.
Es giebt Menschen, die auf die Mangel ihrer Freunde sin-nen ; dabei kommt nichts heraus. Ich habe immer auf die Ver-dienste meiner Widersacher Acht gehabt und davon Vortheil ge-zogen.
Es giebt viele Menschen, die sich einbilden, was sie erfahren,das verstünden sie auch.
Das Publicum will wie Frauenzimmer behandelt seyn: mansoll ihnen durchaus nichts sagen, als was sie hören möchten.
zeugt von dem Daseyn der Birnen und Aepfel als von dem sei-nigen. Der Jüngling, von inneren Leidenschaften bestürmt,muß auf sich selbst merken, sich vorfühlen, er wird zum Ideali-sten umgewandelt. Dagegen ein Skeptiker zu werden hat derMann alle Ursache; er thut wohl zu zweifeln, ob das Mittel,das er zum Zwecke gewählt hat, auch das rechte sey; vor demHandeln im Handeln hat er alle Ursache, den Verstand beweglichzu erhalten, damit er nicht nachher sich über eine falsche Wahlzu betrüben habe. Der Greis jedoch wird sich immer zum My-sticismus bekennen; er sieht, daß so vieles vom Zufall abzu-hängen scheint, das Unvernünftige gelingt, das Vernünftigeschlügt fehl, Glück und Unglück stellen sich unerwartet in's Gleiche;so ist es, so war es, nnd das hohe Alter beruhigt sich in dem,der da ist, der da war und der da seyn wird.
Wenn man älter wird, muß man mit Bewußtseyn auf einergewissen Stufe stehen bleiben.
Es ziemt sich dem Bejahrten, weder in der Denkweise nochin der Art sich zu kleiden der Mode nachzugehen.
Aber mau muß wissen, wo man steht und wohin die Andernwollen.
Was man Mode heißt, ist augenblickliche Ueberlieferung. AlleUeberlieferung führt eine gewisse Nothwendigkeit mit sich, sichihr gleich zu stellen.
Man hat sich lange mit der Kritik der Vernunft beschäftigt;ich wünschte eine Kritik des Menschenverstandes. Es wäre einewahre Wohlthat sllr's Menschengeschlecht, wenn man dem Ge-meinverstand bis zur Ueberzeugung nachweisen könnte, wieweit er reichen kann, nnd das ist gerade so viel, als er zum Erden-leben vollkommen bedarf.
„Genau besehen ist alle Philosophie nur der Menschenverstandin amphigurischer Sprache."
Der Menschenverstand, der eigentlich auf's Praktische ange-wiesen ist, irrt nur alsdann, wenn er sich an die Auflösung hö-herer Probleme wagt; dagegen weiß aber auch eine höhere Theoriesich selten in den Kreis zu finden, wo jener wirkt und wes't.
Denn eben wenn man Probleme, die nur dynamisch erklärtwerden können, bei Seite schiebt, dann kommen mechanische Er-klärungsarten wieder zur Tagesordnung.
Jedem Alter des Menschen antwortet eine gewisse Philoso-phie; das Kind erscheint als Realist; denn es findet sich so über-