Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Sprüche !» Prosa.

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In Rücksicht auf's Praktische ist der unerbittliche VerstandVernunft; weil, vis-ü-vis des Verstandes, es der VernunftHöchstes ist, den Verstand unerbittlich zu machen.

Alle Empiriker streben nach der Idee und können sie in derMannichfaltigkeit nicht entdecken; alle Theoretiker suchen sie imMannichfaltigen und können sie darin nicht auffinden.

Beide jedoch finden sich im Leben, in der That in der Kunstzusammen. Das ist so oft gesagt, wenige aber verstehen es zunutzen.

Der denkende Mensch irrt besonders, wenn er sich nach Ur-sach und Wirkung erkundigt; sie beide zusammen machen dasnntheilbare Phänomen. Wer das zu erkennen weiß, ist auf demrechten Wege zum Thun, zur That. Das genetische Verfahrenleitet uns schon auf bessere Wege, ob man gleich damit auch nichtausreicht.

Alle praktischen Menschen suchen die Welt Handrecht zu ma-chen, alle Denker wollen sie kopfrecht haben. Wie weit es jedemgelingt, mögen sie zusehen.

Die Realen.

Was nicht geleistet wird, wird nicht verlangt.

Die Idealen.

Was verlangt wird, ist nicht gleich zu leisten.

Daß man gerade nur denkt, wenn man das, worüber mandenkt, nicht ausdenken kann.

Was ist das Erfinden?

Es ist der Abschluß des Gesuchten.

Was ist der Unterschied zwischen Axiom und Enthymem?Axiom, was wir von Haus aus ohne Beweis anerkennen; En-thymem , was uns an viele Fälle erinnert und das zusammen-knüpft, was wir schon einzeln erkannten.

Es ist mit der Geschichte wie mit der Natur, wie mit allemProfunden, es sey vergangen, gegenwärtig oder zukünftig; jetiefer man ernstlich eindringt, desto schwierigere Probleme thunsich hervor. Wer sie nicht fürchtet, sondern kühn darauf los-geht, fühlt sich, indem er weiter gedeiht, höher gebildet und be-haglicher.

Goethe. Werke. I.

Jedes Phänomen ist zugänglich wie ein xinnuin inLliimturn,das bequem zu ersteigen ist, wenn der Hintere Theil des Keilesschroff und unerreichbar dasteht.

Wer sich in ein Wissen einlassen soll, muß betrogen werden,oder sich selbst betrügen, wenn äußere Nöthigungen ihn nicht un-widerstehlich bestimmen. Wer würde Arzt werden, wenn er alleUnbilden auf einmal vor sich sähe, die seiner warten?

Wie viele Jahre muß man nicht thun, um nur einiger-maßen zu wissen, was und wie es zu thun sey.

Falsche sinnliche Tendenzen sind eine Art realer Sehnsucht,immer noch vortheilhafter als die falsche Tendenz, die sich alsideelle Sehnsucht ausdrückt.

Llinor. Harmonie der Sehnsucht.

Die Sehnsucht, die nach außen in die Ferne strebt, sichaber melodisch in sich selbst beschränkt, erzeugt den Nimm.

Lüsternheit ist ein Spiel mit dem zu Genießenden und mitdem Genossenen.

Wer Bedingung früh erfährt, gelangt bequem zur Freiheit;wem Bedingung sich spät aufdringt, gewinnt nur bittere Freiheit.

Pflicht; wo man liebt, was man sich selbst befiehlt.

Verschiedenes Einzelne über Kunst.

Die Kunst ruht auf einer Art religiösem Sinn, auf einemtiefen unerschütterlichen Ernst; deßwegen sie sich auch so gern mitder Religion vereinigt. Die Religion bedarf keines Kunstsinnes,sie ruht auf ihrem eigenen Ernst; sie verleiht aber auch keinen,so wenig sie Geschmack giebt.

In Rembrandt's trefflicher Radirung, der Austreibung derKäufer und Verkäufer aus den Tempelhallen, ist die Glorie,welche gewöhnlich des Herrn Haupt umgiebt, in die vorwärtswirkende Hand gleichsam gefahren, welche nun in göttlicher Thatglanzumgeben derb zuschlägt. Um das Haupt ist's, wie auch dasGesicht, dunkel.

Es ist eine Tradition: Dädalus, der erste Plastiker, habe dieErfindung der Drehscheibe des Töpfers beneidet. Von Neid

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