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Svrüchc in Prosa.
Mancher hat nach der Antike studirt und sich ihr Wesen nichtganz zugeeignet. Ist er darum scheltenswerth?
Die höhcrn Forderungen sind an sich schon schätzbarer auchunerfüllt, als niedrige ganz erfüllte.
Das trocken Naive, das steif Wackere, das ängstlich Recht-liche, und womit man ältere deutsche Kunst charakterisiren mag,gehört zu jeder frühern einfachern Kunstweise. Die altenVenetianer, Florentiner u. s. w. haben das alles auch.
Und wir Deutschen sollen uns dann nur für original halten,wenn wir uns nicht über die Anfänge erheben!
Weil Albrecht Dürer, bei dem unvergleichlichen Talent, sichnie zur Idee des Ebenmaaßes der Schönheit, ja sogar nie zumGedanken einer schicklichen Zweckmäßigkeit erheben konnte, sollenwir auch immer an der Erde kleben!
Albrecht Dllrern förderte ein höchst inniges realistisches An-schauen, ein liebenswürdiges menschliches Mitgefühl aller gegen-wärtigen Zustände. Ihm schadete eine trübe, form- und boden-lose Phantasie.
Wie Martin Schön neben ihm steht, und wie das deutscheVerdienst sich dort beschränkte, wäre interessant zu zeigen, undnützlich zu zeigen, daß dort nicht aller Tage Abend war.
Löste sich doch in jeder Italiänischen Schule der Schmetterlingaus der Puppe los!
Sollen wir ewig als Raupen herumkriechen, weil einigenordische Künstler ihre Rechnung dabei finden?
Nachdem uns Klopstock vom Reim erlöste und Voß unsprosodische Muster gab, so sollen wir wohl wieder Knittelversemachen wie Hans Sachs?
Laßt uns doch vielseitig seyn! Märkische Rüben schmeckengut, ani besten gemischt mit Castanien. Und diese beiden edlenFrüchte wachsen weit auseinander.
Erlaubt uns in unsern vermischten Schriften doch neben denAbend- und Nordländischen Formen auch die Morgen- und Süd-ländischen.
Man ist nur vielseitig, wenn man znm Höchsten strebt, weilman muß (im Ernst), und zum Geringern hinabsteigt, wennman will (zum Spaß).
„An meinen Bildern müßt ihr nicht schnüffeln, die Farbensind ungesund." Ncmbrandt.
In allen Künsten giebt es einen gewissen Grad, den manmit den natürlichen Anlagen so zu sagen allein erreichen kann.Zugleich aber ist es unmöglich, denselben zu überschreiten, wennnicht die Kunst zu Hülfe kommt.
Man sagt wohl zum Lobe des Künstlers, er hat alles aus sichselbst. Wenn ich das nur nicht wieder hören müßte! Genau be-sehen sind die Produktionen eines solchen Original-Genies meistensReminiscenzen; wer Erfahrung hat, wird sie einzeln nachweisenkönnen.
Selbst das mäßige Talent hat immer Geist in Gegenwartder Natur; deßwegen einigermaßen sorgfältige Zeichnungen derArt immer Freude machen.
Aus vielen Skizzen endlich ein Ganzes hervorbringen gelingtselbst den Besten nicht immer.
Die Allegorie verwandelt die Erscheinung in einen Begriff,den Begriff in ein Bild, doch so daß der Begriff im Bilde im-mer noch begränzt und vollständig zu halte» und zu haben undan demselben auszusprechen sey.
Die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Ideein ein Bild, und so daß die Idee im Bild immer unendlich wirk-sam und unerreichbar bleibt, und selbst in allen Sprachen aus-gesprochen doch unaussprechlich bliebe.
Zungen Künstlern empfohlen.
Die Dilettanten, wenn sie das Möglichste gethan haben,pflegen zu ihrer Entschuldigung zu sagen, die Arbeit sey nochnicht fertig. Freilich kann sie nie fertig werden, weil sie nierecht angefangen ward. Der Meister stellt sein Werk mit weni-gen Strichen als fertig dar; ausgeführt oder nicht, schon ist esvollendet. Der geschickteste Dilettant tastet im Ungewissen, undwie die Ausführung wächst, kommt die Unsicherheit der erstenAnlage immer mehr znm Vorschein. Ganz zuletzt entdeckt sicherst das Verfehlte, das nicht auszugleichen ist, und so kann dasWerk freilich nicht fertig werden.