Sprüche in Prosa.
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Es ist von einem Experiment zu viel gefordert, wenn es allesleisten soll. Konnte man doch die Elektricität erst nur durch Rei-ben darstellen, deren höchste Erscheinung jetzt durch bloße Be-rührung hervorgebracht wird.
Wie man der Französischen Sprache niemals den Vorzugstreitig machen wird, als ausgebildete Hof- und Weltsprache sichimmer mehr aus- und fortbildend zu wirken, so wird es niemandeinfallen, das Verdienst der Mathematiker gering zu schätzen,welches sie, in ihrer Sprache, die wichtigsten Angelegenheitenverhandelnd, sich um die Welt erwerben, indem sie alles, wasder Zahl und dem Maaß im höchsten Sinne unterworfen ist, zuregeln, zu bestimmen und zu entscheiden wissen.
Jeder Denkende, der seinen Kalender ansieht, nach seinerUhr blickt, wird sich erinnern, wem er diese Wohlthaten schuldigist. Wenn man sie aber auch auf ehrfurchtsvolle Weise in Zeitund Raum gewähren läßt, so werden sie erkennen, daß wiretwas gewahr werden, was weit darüber hinausgeht, welchesallen angehört und ohne welches sie selbst weder thun noch wirkenkönnten: Idee und Liebe.
Wer weiß etwas von Electricität, sagte ein heiterer Natur-forscher , als wenn er im Finstern eine Katze streichelt oder Blitzund Donner neben ihm niederleuchten und rasseln? Wie vielund wie wenig weiß er alsdann davon?
Lichtenbergs Schriften können wir uns als der wunderbarstenWünschelruthe bedienen; wo er einen Spaß macht, liegt einProblem verborgen.
In den großen leeren Weltraum zwischen Mars und Jupiterlegte er auch einen heitern Einfall. Als Kant sorgfältig bewiesenhatte, daß die beiden genannten Planeten alles aufgezehrt undsich zugeeignet hatten, was nur in diesen Räumen zu finden ge-wesen von Materie, sagte jener scherzhaft, nach seiner Art:Warum sollte es nicht auch unsichtbare Welten geben? — Undhat er nicht vollkommen wahr gesprochen? Sind die neuent-deckten Planeten nicht der ganzen Welt unsichtbar, außer denwenigen Astronomen, denen wir auf Wort und Rechnungglauben müssen?
Einer neuen Wahrheit ist nichts schädlicher als ein alterIrrthum.
Die Menschen sind durch die unendlichen Bedingungen desErscheinens dergestalt obruirt, daß sie das eine Urbedingendenicht gewahren können.
„Wenn Reisende ein sehr großes Ergötzen auf ihren Berg-klettereien empfinden, so ist für mich etwas Barbarisches, jaGottloses in dieser Leidenschaft. Berge geben uns wohl den Be-griff von Naturgewalt, nicht aber von Wohlthätigkeit der Vor-sehung. Zu welchem Gebrauch sind sie wohl dem Menschen?Unternimmt er dort zu wohnen, so wird im Winter eine Schnee-lavine, im Sommer ein Bergrutsch sein Haus begraben oderfortschicken; seine Heerden schwemmt der Gießbach weg, seineKornscheuern die Windstürme. Macht er sich auf den Weg, soist jeder Ausstieg die Qual des SisyPhns, jeder Niederstieg derSturz Vulcan's; sein Pfad ist täglich von Steinen verschüttet,der Gießbach unwegsam für Schifffahrt; finden auch seine Zwerg-heerden nothdürftige Nahrung, oder sammelt er sie ihnen kärg-lich, entweder die Elemente entreißen sie ihm oder wilde Bestien.Er führt ein einsam kümmerlich Pflanzenleben, wie das Moosauf einem Grabstein, ohne Bequemlichkeit und ohne Gesellschaft.Und diese Zickzackkämme, diese widerwärtigen Felsenwände, dieseungestalteten Granitpyramiden, welche die schönsten Weltbreitenmit den Schrecknissen des Nordpols bedecken, wie sollte sich einwohlwollender Mann daran gefallen und ein Menschenfreundsie Preisen!"
Auf diese heitere Paradoxie eines würdigen Mannes wärezu sagen, daß wenn es Gott und der Natur gefallen hätte, denUrgebirgsknoten von Nubien durchaus nach Westen bis an dasgroße Meer zu entwickeln und fortzusetzen, ferner diese Gebirgs-reihe einigemal von Norden nach Süden zu durchschneiden,sodann Thäler, entstanden seyn würden, worin gar mancher Ur-vater Abraham ein Canaan, mancher Albert Julius eine Felsen-burg würde gefunden haben, wo denn seine Nachkommen leichtmit den Sternen rivalisirend sich hätte vermehren können.
Steine sind stumme Lehrer: sie machen den Beobachterstumm, und das Beste, was man von ihnen lernt, ist nicht mit-zutheilen.
Was ich recht weiß, weiß ich nur mir selbst; ein ausgespro-chenes Wort fördert selten, es erregt meistens Widerspruch,Stocken und Stillstehen.
Die Crystallographie, als Wissenschaft betrachtet, giebt zuganz eignen Ansichten Anlaß. Sie ist nicht productiv, sie ist nursie selbst und hat keine Folgen, besonders nunmehr, da manso manche isomorphische Körper angetroffen hat, die sich ihremGehalte nach ganz verschieden erweisen. Da sie eigentlich nirgendsanwendbar ist, so hat sie sich in dem hohen Grade in sich selbstausgebildet. Sie giebt dem Geist eine gewisse beschränkte Be-friedigung und ist in ihren Einzelnhciten so mannichfaltig, daßman sie unerschöpflich nennen kann, deßwegen sie auch vorzüg-liche Menschen so entschieden und lange an sich festhält.
Etwas Mönchisch-Hagestolzenartigcs hat die Crystallographie,und ist daher sich selbst genug. Von praktischer Lebenseinwirkung