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Sprüche In Prosa.
Alles, was entsteht, sucht sich Raum und will Dauer; deß-wegen verdrängt es ein Anderes vom Platz und verkürzt seineDauer.
Das Lebendige hat die Gabe, sich nach den vielfältigsten Be-dingungen äußerer Einflüsse zu bequemen, und doch eine gewisseerrungene entschiedene Selbstständigkeit nicht aufzugeben.
Man gedenke der leichten Erregbarkeit aller Wesen, wie dermindeste Wechsel einer Bedingung, jeder Hauch, gleich in denKörpern Polarität manifestirt, die eigentlich in ihnen allenschlummert.
Spannung ist der indifferent scheinende Zustand einesenergischen Wesens, in völliger Bereitschaft sich zu manifestiren,zu differenziern, zu polarisiern.
In der Phanerogamie ist noch so viel Cryptogamisches, daßJahrhunderte es nicht entziffern werden.
Licht und Geist, jenes im Physischen, dieser im Sittlichenherrschend, sind die höchsten denkbaren untheilbareu Energien.
Und gehört die Farbe nicht ganz eigentlich dem Gesicht an?
Ich habe Nichts dagegen, wenn man die Farbe sogar zufühlen glaubt; ihr eignes Eigenschaftliche würde nur dadurchnoch mehr bethätigt.
Auch zu schmecken ist sie. Blau wird alkalisch, gelbroth sauerschmecken. Alle Manifestationen der Wesenheiten sind verwandt.
Alles ist einfacher, als man denken kann, zugleich verschränk-ter, als zu begreifen ist.
Diejenigen, die das einzige grundklare Licht aus farbigenLichtern zusammensetzen, sind die eigentlichen Obskuranten.
Wer sich an eine falsche Vorstellung gewöhnt, dem wirdjeder Irrthum willkommen seyn.
Tycho de Brahe, ein großer Mathematiker, vermochtesich nur halb von dem alten System loszulösen, das wenigstensden Sinnen gemäß war; er wollte es aber aus Rechthaberei
durch ein complicirtes Uhrwerk ersetzen, das weder den Sinnenzu schauen noch den Gedanken zu erreichen war.
Newton, als Mathematiker, steht in so hohem Ruf, daßder ungeschickteste Irrthum, nämlich das klare, reine, ewig un-getrübte Licht sey aus dunklen Lichtern zusammengesetzt, bis aufden heutigen Tag sich erhalten hat; und sind es nicht Mathema-tiker, die dieses Absurde noch immer vertheidigen und gleich demgemeinsten Hörer in Worten wiederholen, bei denen man nichtsdenken kann?
Der Mathematiker ist angewiesen auf's Quantitative, aufalles, was sich durch Zahl und Maaß bestimmen läßt, und alsogewissermaßen auf das äußerlich erkennbare Universum. Betrach-ten wir aber dieses, in sofern uns Fähigkeit gegeben ist, mit vol-lem Geiste und aus allen Kräften, so erkennen wir, daß Quan-tität und Qualität als die zwei Pole des erscheinenden Da-seyns gelten müssen; daher denn auch der Mathematiker seineFormelsprache so hoch steigert, um, in sofern es möglich, in dermeßbaren und zählbaren Welt die unmeßbare mit zu begreifen.Nun erscheint ihm alles greifbar, faßlich und mechanisch, und erkommt in den Verdacht eines heimlichen Atheismus, indem er jadas Unmeßbarste, welches wir Gott nennen, zugleich mit zu er-sassen glaubt und daher dessen besonderes oder vorzügliches Da-seyn aufzugeben scheint.
Der Sprache liegt zwar die Verstandes- und Vernunft-fähigkeit des Menschen zum Gmnde, aber sie setzt bei dem, dersich ihrer bedient, nicht eben reinen Verstand, ausgebildete Ver-nunft, redlichen Willen voraus. Sie ist ein Werkzeug, zweck-mäßig und willkürlich zu gebrauchen; man kann sie eben so gutzu einer spitzsindig-verwirrenden Dialektik wie zu einer verworren-verdüsternden Mystik verwenden; man mißbraucht sie bequem zuhohlen und nichtigen prosaischen und poetischen Phrasen, ja manversucht prosodisch untadelhafte und doch uonsensicalische Verse zumachen.
Unser Freund, der Ritter Ciccolini, sagt: Ich wünschtewohl, daß alle Mathematiker in ihren Schriften des Genie's undder Klarheit eines La Gränze sich bedienten, d. h. möchten dochalle den gründlich klaren Sinn eines La Grange besitzen, und da-mit Wissen und Wissenschaft behandeln.
Die Phänomene sind nichts werth, als wenn sie uns einetiefere, reichere Einsicht in die Natur gewähren, oder wenn sieuns zum Nutzen anzuwenden sind.
Falsche Vorstellung, daß man ein Phänomen durch Calculoder durch Worte abthun oder beseitigen könne.
Der Newtonische Versuch, auf dem die herkömmliche Farben-lehre beruht, ist von der vielfachsten Complication, er verknüpftfolgende Bedingungen.