Srrüchc in Prosa.
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Damit das Gespenst erscheine, ist nöthig: ^
Erstens — Ein gläsern Prisma;
Zweitens — Dreiseitig;
Drittens — Klein;
Viertens — Ein Fensterladen;
Fünftens — Eine Oeffnung darin;
Sechstens — Diese sehr klein;
Siebentens — Sonnenbild, das herein fällt;
Achtens — Aus einer gewissen Entfernung;
Neuntens — In einer gewissen Richtung auf's PrismaMt;
Zehntens — Sich auf einer Tafel abbildet;
Eilftens — Die in einer gewissen Entfernung hinterdas Prisma gestellt ist.
Nehme man von diesen Bedingungen drei, sechs und eilfweg, man mache die Oeffnung groß, man nehme ein großesPrisma, man stelle die Tafel nah heran, und das beliebteSpectrum kann und wird nicht zum Vorschein kommen.
Man spricht geheimnißvoll von einem wichtigen Experimente,womit man die Lehre erst recht bekräftigen will; ich kenn' es rechtgut und kann es auch darstellen: das ganze Kunststück ist, daß zuobigen Bedingungen noch ein Paar hinzugefügt werden, wodurchdas Hocuspocus sich noch mehr verwickelt.
Der Fraunhoferische Versuch, wo Ouerlinien im Spec-trum erscheinen, ist von derselben Art, so wie auch die Versuche,wodurch eine neue Eigenschaft des Lichts entdeckt werde» soll.Sie sind doppelt und dreifach complicirt; wenn sie was nützensollten, müßten sie in ihre Elemente zerlegt werben, welches demWissenden nicht schwer fällt, welches aber zu fassen und zu be-greifen kein Laie weder Vorkenntniß noch Geduld, kein Gegnerweder Intention noch Redlichkeit genug mitbringt; man nimmtlieber überhaupt an, was man sieht, und zieht die alte Schluß-folge daraus.
Ich weiß wohl, daß diese Worte vergebens dastehen, abersie mögen als offenbares Geheimniß der Zukunft bewahrt blei-ben. Vielleicht interessirt sich auch noch einmal ein La Grangyfür diese Angelegenheit.
Der Historiker kann und braucht nicht alles auf's Gewisse zuführen; wissen doch die Mathematiker auch nichtzu erklären, warumder Komet von 1770, der in fünf oder eilf Jahren wieder kommensollte, sich zur bestimmten Zeit noch nicht wieder hat sehen lassest.
Hundert graue Pferde machen nicht einen einzigen Schimmel. !
Die Mathematiker sind wunderliche Leute: durch das Große,was sie leisteten, haben sie sich zur Universalgilde aufgeworfenund wollen nichts anerkennen, als was in ihren Kreis paßt, was
ihr Organ behandeln kann. — Einer der ersten Mathematikersagte, bei Gelegenheit, wo man ihm ein physisches Capitel an-dringlich empfehlen wollte: „Aber läßt sich denn gar nichts ausden Calcul reducircn?"
! Wir erinnern uns gar wohl der Jahre, wo sich niemandunterstehen durfte, von geheimen umherschleichenden Umtriebenzu reden, gerade zu der Zeit, da sie das Vaterland unterminir-ten; wir wissen auch recht gut, wer diese Censur ausübte undwelcher Vortheile man sich dabei bediente.
So übt schon seit zwanzig Jahren die physiko-mathematischeGilde gegen meine Farbenlehre ihr Verbotsrecht aus; sie ver-schreien solche in Collegien und wo nicht sonst; davon wissen mirjetzo Männer über dreißig Jahre genugsam zu erzählen, undjene haben nicht Unrecht. Der Besitz, in dem sie sich stark füh-len, wird durch meine Farbenlehre bedroht, welche in diesemSinne revolutionär genannt werden kann, wogegen jene Aristo-kratie sich zu wehren alle Ursache hat.
Die große Aufgabe wäre: die mathematisch-philosophischenTheorien aus den Theilen der Physik zu verbannen, in welchensie Erkenntniß anstatt sie zu fördern nur verhindern, und inwelchen die mathematische Behandlung durch Einseitigkeit der> Entwicklung der neuern wissenschaftlichen Bildung eine so ver-kehrte Anwendung gefunden hat.
Darzuthun wäre, welches der wahre Weg der Naturforschungsey, wie derselbe auf dem einfachsten Fortgange der Beobachtungberuhe, die Beobachtung zum Versuch zu steigern sey, und wiedieser endlich zum Resultate führe.
Wenn die Hoffnungen sich verwirklichen, daß die Menschensich mit allen ihren Kräften, mit Herz und Geist, mit Verstandund Liebe vereinigen und von einander Kenntniß nehmen, sowird sich ereignen, woran jetzt noch kein Mensch denken kann.Die Mathematiker werden sich gefallen lassen, in diesen allgemei-nen sittlichen Weltbund als Bürger eines bedeutenden Staatesaufgenommen zu werden, und nach und nach sich des Dünkelsentäußern, als Universalmonarchen über alles zu herrschen; siewerden sich nicht mehr beigehen lassen, alles für nichtig, fürinexact, für unzulänglich zu erklären, was sich nicht dem Calculunterwerfen läßt.
^ Wir müssen erkennen und bekennen, was Mathematik sey,wozu sie der Naturforschung wesentlich dienen könne, wohingegensie nicht hingehöre, und in welche klägliche Abirrung Wissenschaftund Kunst durch falsche Anwendung seit ihrer Regeneration ge-rathen sey.