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West.östlicher Dwan.
Herrlich bist du wie Moschus:
Wo du warst, gewahrt mau dich noch.
Suleika.
Volk und Knecht und Ueberwinder,Sie gestehn zu jeder Zeit:
Höchstes Glück der ErdenkinderSey nur die Persönlichkeit.
Jedes Leben sey zu führen,
Wenn man sich nicht selbst vermißt;Alles könne man verlieren,
, Wenn man bliebe, was man ist.
Hatem.
Kann wohl seyn! so wird gemeinet;Doch ich bin auf andrer Spur:Alles Erdenglück vereinetFind' ich in Suleika nur.
Wie sie sich an mich verschwende!,Bin ich mir ein werthes Ich;
Hätte sie sich weggewendet,Augenblicks verlor' ich mich.
Nun mit Hatem wär's zu Ende;Doch schon hab' ich umgelos't:
Ich verkörpre mich behendeIn den Holden, den sie kos't.
Wollte, wo nicht gar ein Rabbi,Das will mir so recht nicht ein,Doch Firdnsi, Motanabbi,Allenfalls der Kaiser seyn.
Hatem.
Sprich! unter welchem HimmelszeichenDer Tag liegt,
Wo mein Herz, das doch mein eigen,
Nicht mehr wegfliegt?
Und, wenn es flöge, zum ErreichenMir ganz nah liegt?
Auf dem Polster, dem süßen, dem weichen,Wo mein Herz an ihrem liegt.
Hatem.
Wie des Goldschmieds BazarlädchenVielgefärbt, geschliffne Lichter,
So umgeben hübsche MädchenDen beinah ergrauten Dichter.
Mädchen.
Singst dn schon Suleika wieder!
Diese können wir nicht leiden,
Nicht um dich — um deine LiederWollen, müssen wir sie neiden.
Denn wenn sie auch garstig wäre,Machst du sie zum schönsten Wesen,
Und so haben wir von DschemilUnd Boteinah viel gelesen.
Aber eben weil wir hübsch sind,Möchten wir auch gern gemalt seyn,Und, wenn du es billig machest,
Sollst du auch recht hübsch bezahlt seyn.
Hatem.
Bräunchen, komm! es wird schon gehenZöpfe, Kämme, groß und kleine,Zieren Köpfchens nette Neine,
Wie die Kuppel ziert Moscheen.
Du, Blondinchen, bist so zierlich,
Aller Weis' und Weg' so nette;
Man gedenkt nicht ungebührlichAlsogleich der Minarette.
Du da hinten hast der AugenZweierlei, du kannst die beidenEinzeln nach Belieben brauchen;
Doch ich sollte dich vermeiden.
Leichtgedrückt die Augenlieder,
Eines, die den Stern bewhelmen,Deutet aus den Schelm der Schelmen,Doch das andre schaut so bieder.
Dieß, wenn jen's verwundend angelt,Heilend, nährend wird sich's weisen;Niemand kann ich glücklich preisen,
Der des Doppelblicks ermangelt.
Und so könnt' ich alle loben,
Und so könnt' ich alle lieben:
Denn so wie ich euch erhoben,
War die Herrin mit beschrieben.
Mädchen.
Dichter will so gerne Knecht seyn,
Weil die Herrschaft draus entspringet;Doch vor allem sollt' ihm recht seyn,Wenn das Liebchen selber singet.
Ist sie denn des Liedes mächtig,
Wie's auf unsern Lippen waltet?
Denn es macht sie gar verdächtig,
Daß sie im Verborgnen schaltet.