Noten und Abhandlungen zum weit-östlichen Divan.
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Wort fest zu halten, die Abgeschiedenen ehrenvoll wieder zurückzu rufen.
Hiebei ist jedoch zu bedenken, daß der Orientalische Flug undSchwung, jene reich und übermäßig lobende Dichtart, dem Ge-fühl des Westländers vielleicht nicht zusagen möchte. Wir ergehenuns hoch und frei, ohne zu Hyperbeln unsre Zuflucht zu nehmen:denn wirklich nur eine reine, wohlgefnhlte Poesie vermag allen-falls die eigentlichsten Vorzüge trefflicher Männer auszusprechen,deren Vollkommenheiten man erst recht empfindet, wenn sie da-hin gegangen sind, wenn ihre Eigenheiten uns nicht mehr störenund das Eingreifende ihrer Wirkungen uns noch täglich undstündlich vor Augen tritt. Einen Theil dieser Schuld hatte derDichter vor kurzem, bei einem herrlichen Feste (s. Maskenzug1818) in Allerhöchster Gegenwart, das Glück, nach seiner Weisegemüthlich abzutragen.
Das Buch Hafis. Wenn alle diejenigen, welche sich derArabischen und verwandter Sprache bedienen, schon als Poetengeboren und erzogen werden, so kann man sich denken, daßunter einer solchen Nation vorzügliche Geister ohne Zahl hervor-gehen. Wenn nun aber ein solches Volk in fünfhundert Jahrennur sieben Dichtern den ersten Rang zugesteht, so müssen wireinen solchen Ausspruch zwar mit Ehrfurcht annehmen, alleines wird uns zugleich vergönnt seyn nachzuforschen, worin einsolcher Vorzug eigentlich begründet seyn könne.
Diese Aufgabe, in sofern es möglich ist, zu lösen, möchte wohlauch dem künftigen Divan vorbehalten seyn. Denn, um nur ^von Hafis zu reden, wächst Bewunderung und Neigung gegenihn, jemehr man ihn kennen lernt. Das glücklichste Naturell,große Bildung, freie Facilitüt und die reine Ueberzeugung, daß !man den Menschen nur alsdann behagt, wenn man ihnen vor- lsingt, was sie gern, leicht und bequem hören, wobei man ihnen ^denn auch etwas Schweres, Schwieriges, Unwillkommenes ge- !legentlich mit unterschieben darf: alles dieses sind Vorzüge und ^Eigenthümlichkeiten, deren wir uns bei Hafis erfreuen, und dieuns zu ferneren Gedichten über ihn noch reichlichen Stoff bieten ^werden. !
Buch der Liebe würde sehr anschwellen, wenn sechs Liebes- >paare in ihren Freuden und Leiden entschiedener aufträten und !noch andere neben ihnen aus der düsteren Vergangenheit mehroder weniger klar hervorgingen. Waniik und Asra z. B., von denensich außer den Namen keine weitere Nachricht findet, könnten ifolgendermaßen eingeführt werden. !
Ja, Lieben ist ein groß Verdienst! i
Wer findet schöneren Gewinnst? —
Du wirst nicht mächtig, wirst nicht reich,
Jedoch den größten Helden gleich.
Man wird, so gut wie vom Propheten,
Von Wamik und von Asra reden. —
Nicht reden wird man, wird sie nennen: !
Die Namen müssen alle kennen.
Was sie gethan, was sie geübt,
Das weiß kein Mensch! Daß sie geliebt,
Das wissen wir. Genug gesagt,
Wenn man nach Wamik und Asra fragt.
Goethe, Werke. >.
Nicht weniger ist dieses Buch geeignet zu symbolischer Ab-schweifung , deren man sich in den Feldern des Orients kaumenthalten kann. Der geistreiche Mensch, nicht zufrieden mit dem,was man ihm darstellt, betrachtet alles, was sich den Sinnendarbietet, als eine Vermummung, wohinter ein höheres geistigesLeben sich schalkhaft-eigensinnig versteckt, um uns anzuziehenund in edlere Regionen aufzulecken. Verfährt hier der Dichtermit Bewußtseyn und Maaß, so kann man es gelten lassen, sichdaran freuen und zu entschiedenerem Auffluge die Fittige ver-suchen.
BuchderBetrachtungen erweitert sich jeden Tag dem-jenigen, der im Orient hauset; denn alles ist dort Betrachtung,die zwischen dem Sinnlichen und Uebersinnlichen hin und herwogt, ohne sich für eins oder das andere zu entscheiden. DiesesNachdenken, wozu man aufgefordert wird, ist von ganz eigenerArt; es widmet sich nicht allein der Klugheit, obgleich diese diestärksten Forderungen macht, sondern es wird zugleich auf jenePunkte geführt, wo die seltsamsten Probleme des Erdelebensstrack und unerbittlich vor uns stehen und uns nöthigen, dem Zu-fall, einer Vorsehung und ihren unerforschlichen Rathschlüssen dieKniee zu beugen und unbedingte Ergebung als höchstes politisch-sittlich-religiöses Gesetz auszusprechen.
Buch des Unmuths. Wenn die übrigen Bücher an-wachsen, so erlaubt nian auch wohl diesem das gleiche Recht.Erst müssen sich anmuthige, liebevolle, verständige Zuthaten ver-sammeln, ehe die Ausbrüche des Unmuths erträglich seyn können.Allgemein menschliches Wohlwollen, nachsichtiges hülfreiches Ge-fühl verbindet den Himmel mit der Erde und bereitet ein denMenschen gegönntes Paradies. Dagegen ist der Unmuth stetsegoistisch, er besteht auf Forderungen, deren Gewährung ihmaußen blieb; er ist amnaßlich, abstoßend und erfreut niemand,selbst diejenigen kaum, die von gleichem Gefühl ergriffen sind.Demungeachtet aber kann der Mensch solche Explosionen nichtimmer zurückhalten, ja er thut wohl, wenn er seinem Verdruß,besonders über verhinderte, gestörte Thätigkeit, auf diese WeiseLuft zu machen trachtet. Schon jetzt hätte dieses Buch viel stärkerund reicher seyn sollen; doch haben wir manches, um alle Miß-stimmung zu verhüten, bei Seite gelegt. Wie wir denn Hiebeibemerken, daß dergleichen Aeußerungen, welche für den Augen-blick bedenklich scheinen, in der Folge aber, als unverfänglich,mit Heiterkeit und Wohlwollen ausgenommen werden, unter derRubrik Paralipomena künftigen Jahren aufgespart worden.
Dagegen ergreifen wir diese Gelegenheit, von der Anmaßungzu reden, und zwar vorerst, wie sie im Orient zur Erscheinungkommt. Der Herrscher selbst ist der erste Anmaßliche, der dieübrigen alle auszuschließen scheint. Ihm stehen alle zu Dienst,er ist Gebieter seiner selbst, niemand gebietet ihm, und sein eige-ner Wille erschafft die übrige Welt, so daß er sich mit der Sonne,ja mit dem Weltall vergleichen kann. Auffallend ist es jedoch,daß er eben dadurch genöthigt ist, sich einen Mitregenten zu er-wählen, der ihm in diesem unbegränzten Felde beistehc, ja ihnganz eigentlich auf dem Weltenthrone erhalte. Es ist der Dichter,der mit und neben ihm wirkt und ihn über alle Sterblichen erhöht.
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