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Noten und Abhandlungen znm west-östliche» Divan.
Beschäftigung seiner Stämme, durch eine bewegliche Ausbrei-tung, noch größer erscheint, als es ist. Wir finden die Mi-dianiter am Berge Horeb, an der westlichen Seite des kleinenMeerbusens und sodann bis gegen Moab und den Arnon. Schonzeitig fanden wir sie als Handelsleute, die selbst durch Cauaancaravanenweise nach Aegypten ziehen.
Unter einem solchen gebildeten Volke lebt nunmehr Moses,aber auch als ein abgesonderter, verschlossener Hirte. In demtraurigsten Zustande, in welchem ein trefflicher Mann sich nurbefinden mag, der, nicht zum Denken und Ueberlegen geboren,bloß nach That strebt, sehen wir ihn einsam in der Wüste, stetsim Geiste beschäftigt mit den Schicksalen seines Volks, immerzu dem Gott seiner Ahnherren gewendet, ängstlich die Verban-nung fühlend, aus einem Lande, das, ohne der Väter Land zuseyn, doch gegenwärtig das Vaterland seines Volks ist; zu ischwach durch seine Faust in diesem großen Anliegen zu wirken,unfähig, einen Plan zu entwerfen, und, wenn er ihn entwürfe,ungeschickt zu jeder Unterhandlung, zu einem die Persönlichkeitbegünstigenden, zusammenhangenden mündlichen Vertrag. KeinWunder wär' es, wenn in solchem Zustande eine so starke Natursich selbst verzehrte.
Einigen Trost kann ihm in dieser Lage die Verbindung geben,die ihm, durch hin- und wiederziehende Caravanen, mit denSeinigen erhalten wird. Nach manchem Zweifel und Zögernentschließt er sich zurückzukehren und des Volkes Retter zu wer-den. Aaron, sein Bruder, kommt ihm entgegen, und nun er-fährt er, daß die Gährung im Volke auf's höchste gestiegen sey.Jetzt dürfen es beide Brüder wagen, sich als Repräsentantenvor den König zu stellen. Allein dieser zeigt sich nichts wenigerals geneigt, eine große Anzahl Menschen, die sich seit Jahrhun-derten in seinem Lande, aus einem Hirtenvolk, zum Ackerbau,zu Handwerken und Künsten gebildet, sich mit seinen Untertha-nen vermischt haben, und deren ungeschlachte Masse wenigstensbei Errichtung ungeheurer Monumente, bei Erbauung neuerStädte und Festen, srohnweis wohl zu gebrauchen ist, nunmehrso leicht wieder von sich, und in ihre alte Selbstständigkeit zurück-zulassen.
Das Gesuch wird also abgewiesen, und, bei einbrechendenLandplagen, immer dringender wiederholt, immer hartnäckigerversagt. Aber das aufgeregte Hebräische Volk, in Aussicht aufein Erbland, das ihm eine uralte Ueberlieferung verhieß, inHoffnung der Unabhängigkeit und Selbstbeherrschung, erkenntkeine wettern Pflichten. Unter dem Schein eines allgemeinenFestes lockt man Gold- und Silbergeschirre den Nachbarn ab,und in dem Augenblick, da der Aegypter den Israelitin mit harm-losen Gastmahlen beschäftigt glaubt, wird eine umgekehrte Sici-lianische Vesper unternommen; der Fremde ermordet den Ein-heimischen, der Gast den Wirth, und, geleitet durch eine grausame !Politik, erschlägt man nur den Erstgebornen, um, in einem !Lande, wo die Erstgeburt so viele Rechte genießt, den Eigennutzder Nachgebornen zu beschäftigen, und der augenblicklichen Rachedurch eine eilige Flucht entgehen zu können. Der Kunstgriff ge-lingt, man stößt die Mörder aus, anstatt sie zu bestrafen. Nurspät versammelt der König sein Heer, aber die den Fußvölkernsonst so fürchterlichen Reiter und Sichelwagen streiten auf einemsumpfigen Boden einen ungleichen Kampf mit dem leichten undleichtbewaffneten Nachtrab: wahrscheinlich mit demselben ent-schlossenen, kühnen Haufen, der sich bei dem Wagestück des !
allgemeinen Mordes schon vorgeübt, und den wir in der Folgean seinen grausamen Thaten wieder zu erkennen und zu bezeich-nen nicht verfehlen dürfen.
Ein so zu Angriff und Vertheidigung wohlgerüstcter Heeres-und Volkszug konnte mehr als Einen Weg in das Land der Ver-heißung wählen; der erste am Meere her, über Gaza, war keinCaravanenweg und mochte, wegen der wohlgerüsteten, kriegeri-schen Einwohner, gefährlich werden; der zweite, obgleich weiter,schien mehr Sicherheit und mehr Vortheile anzubieten. Er gingan dem rothen Meere hin bis zum Sinai; von hier an konnteman wieder zweierlei Richtung nehmen. Die erste, die zunächstzum Ziel führte, zog sich am kleinen Meerbusen hin durch dasLand der Midianiter und der Moabiter zum Jordan; der zweite,quer durch die Wüste, wies auf Cades; in jenem Falle blieb dasLand Edom links, hier rechts. Jenen ersten Weg hatte sich Moseswahrscheinlich vorgenommen, den zweiten hingegen einzulenkenscheint er durch die klugen Midianiter verleitet zu seyn, wie wirzunächst wahrscheinlich zu machen gedenken, wenn wir vorhervon der düstern Stimmung gesprochen haben, in die uns dieDarstellung der diesen Zug begleitenden äußeren Umstände versetzt.
Der heitere Nachthimmel, von unendlichen Sternen glühend,auf welchen Abraham von seinem Gott hingewiesen worden,breitet nicht mehr sein goldenes Gezelt über uns aus; anstattjenen heitern Himmelslichtern zu gleichen, bewegt sich ein un-zählbares Volk, mißmuthig, in einer traurigen Wüste. Alle fröh-lichen Phänomene sind verschwunden, nur Feuerflammen er-scheinen an allen Ecken und Enden. Der Herr, der aus einembrennenden Busche Mosen berufen hatte, zieht nun vor der Masseher, in einem trüben Gluthqualm, den man Tags für eineWolkensäule, Nachts als ein Feuermeteor ansprechen kann. Ausdem umwölkten Gipfel Sinai's schrecken Blitz und Donner, undbei gering scheinenden Vergehen brechen Flammen aus dem Bo-den und verzehren die Enden des Lagers. Speise und Trankermangeln immer aus's neue, und der unmuthige Volkswunschnach Rückkehr wird nur bänglicher, je weniger ihr Führer sichgründlich zu helfen weiß.
Schon zeitig, ehe noch der Heereszug an den Sinai gelangt,kommt Jethro seinem Schwiegersohn entgegen, bringt ihmTochter und Enkel, die zur Zeit der Noth im Vaterzelte verwahrtgewesen, und beweis't sich als einen klugen Mann. Ein Volkwie die Midianiter, das frei seiner Bestimmung nachgeht, undseine Kräfte in Uebung zu setzen Gelegenheit findet, muß gebil-deter seyn als ein solches, das unter fremdem Joche in ewigemWiderstreit mit sich selbst und den Umständen lebt; und wie vielhöherer Ansichten mußte ein Führer jenes Volkes fähig seyn alsein trübsinniger, in sich selbst verschlossener, rechtschaffener Mann,der sich zwar zum Thun und Herrschen geboren fühlt, dem aberdie Natur zu solchem gefährlichen Handwerke die Werkzeuge ver-sagt hat.
Moses konnte sich zu dem Begriff nicht erheben, daß ein Herr-scher nicht überall gegenwärtig seyn, nicht alles selbst thun müsse;im Gegentheil machte er sich durch persönliches Wirken seineAmtsführung höchst sauer und beschwerlich. Jethro giebt ihmerst darüber Licht, und hilft ihm das Volk organisiren undUnterobrigkeiten bestellen; worauf er freilich selbst hätte fallensollen.
Allein nicht bloß das Beste seines Schwätzers und der Jsrae-liten mag Jethro bedacht, sondern auch sein eignes und der