Noten und Abhandlungen zum west-östliche» Divan.
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Midiamter Wohl erwägt haben. Ihm kommt Moses, den erehemals als Flüchtling aufgenommen, den er unter seine Diener,unter seine Knechte noch vor kurzem gezählt, nun entgegen ander Spitze einer großen Volksmasse, die, ihren alten Sitz ver-lassend, neuen Boden aufsucht und überall, wo sie sich hinlenkt,Furcht und Schrecken verbreitet.
Nun konnte dem einsichtigen Manne nicht verborgen bleiben,daß der nächste Weg der Kinder Israel durch die Besitzungender Midiamter gehe, daß dieser Zug überall den Heerden seinesVolkes begegnen, dessen Ansiedelungen berühren, ja auf dessenschon Wohl eingerichtete Städte treffen würde. Die Grundsätzeeines dergestalt auswandernden Volks sind kein Geheimniß, sieruhen auf dem Eroberungsrechte. Es zieht nicht ohne Wider-stand, und in jedem Widerstand sieht es Unrecht; wer das Dei-nige vertheidigt, ist ein Feind, den man ohne Schonung vertil-gen kann.
Es brauchte keinen außerordentlichen Blick, um das Schicksalzu übersehen, dem die Volker ausgesetzt seyn würden, über diesich eine solche Heuschreckenwolke herabwälzte. Hieraus gehtnun die Vermuthung zunächst hervor, daß Jethro seinem Schwie-gersohn den geraden und besten Weg verleidet, und ihn dagegenzu dem Wege quer durch die Wüste beredet; welche Ansicht da-durch mehr bestärkt wird, daß Hobab nicht von der Seiteseines Schwagers weicht, bis er ihn den angerathenen Wegeinschlagen sieht, ja ihn sogar noch weiter begleitet, um denganzen Zug von den Wohnorten der Midiamter desto sichererabzulenken.
Vom Ausgange aus Aegypten an gerechnet erst im vierzehn-ten Monat geschah der Aufbruch, von dem wir sprechen. DasVolk bezeichnete unterwegs einen Ort, wo es wegen Lüsternheitgroße Plage erlitten, durch den Namen Gelüstgräber, dannzogen sie gen Hazeroth, und lagerten sich ferner in der WüsteParan. Dieser zurückgelegte Weg bleibt unbezweifelt. Siewaren nun schon nah an dem Ziel ihrer Reise, nur stand ihnendas Gebirg entgegen, wodurch das Land Canaan von derWüste getrennt wird. Man beschloß Kundschafter auszu-schicken und rückte indessen weiter vor bis Cades. Hierhinkehrten die Botschafter zurück, brachten Nachrichten von derVortrefslichkeit des Landes, aber leider auch von der Furchtbar-keit der Einwohner. Hier entstand nun abermals ein traurigerZwiespalt, und der Wettstreit von Glauben und Unglaubenbegann aufs neue.
Unglücklicherweise hatte Moses noch'weniger Feldherrn- alsRegententalente. Schon wahrend des Streites gegen die Ama-lekiter begab er sich auf den Berg, um zu beten, mittlerweileJosua an der Spitze des Heers den lange hin - und wiederschwan-kenden Sieg endlich dem Feinde abgewann. Nun zu Cades be-fand man sich wieder in einer zweideutigen Lage. Josua undCaleb, die beherztesten unter den zwölf Abgesandten, rathen zumAngriff, rufen auf, getrauen sich das Land zu gewinnen. In-dessen wird durch übertriebene Beschreibung von bewaffnetenRiesengeschlechtern allenthalben Furcht und Schrecken erregt;das verschüchterte Heer weigert sich hinaus zu rücken. Mosesweiß sich wieder nicht zu helfen, erst fordert er sie auf, dannscheint auch ihm ein Angriff von dieser Seite gefährlich. Erschlägt vor nach Osten zu ziehen. Hier mochte nun einem biederenTheil des Heeres gar zu unwürdig scheinen, solch einen ernst-lichen, mühsam verfolgten Plan, auf diesem ersehnten Punkt,
aufzugeben. Sie rotten sich zusammen und ziehen wirklich dasGebirg hinauf. Moses aber bleibt zurück, das Hciligthum setztsich nicht in Bewegung, daher ziemt es weder Josua noch Calebsich an die Spitze der Kühneren zu stellen. Genug! der nichtunterstützte, eigenmächtige Vortrab wird geschlagen, Ungeduldvermehrt sich. Der so oft schon ausgebrochene Unmuth desVolkes, die mehreren Meutereien, an denen sogar Aaron undMirjam Theil genommen, brechen aufs neue desto lebhafteraus, und geben abermals ein Zeugniß, wie wenig Moses seinemgroßen Berufe gewachsen war. Es ist schon an sich keine Frage,wird aber durch das Zeugniß Calebs unwiderruflich bestätigt,daß an dieser Stelle möglich, ja unerläßlich gewesen, in's LandCanaan einzudringen, Hebron, den Hain Mamre in Besitz zunehmen, das heilige Grab Abraham's zu erobern und sich da-durch einen Ziel-, Stütz- und Mittelpunkt für das ganze Unter-nehmen zu verschaffen. Welcher Nachtheil mußte dagegen demunglücklichen Volk entspringen, wenn man den bisher befolgten,von Jethro zwar nicht ganz uneigennützig, aber doch nicht ganzverrätherisch vorgeschlagenen Plan auf einmal so freventlich auf-zugeben beschloß!
Das zweite Jahr, von dem Auszuge aus Aegypten an ge-rechnet, war noch nicht vorüber, und man hätte sich vor Endedesselben, obgleich noch immer spät genug, im Besitz des schön-sten Theils des erwünschten Landes gesehen; allein die Be-wohner, aufmerksam, hatten den Riegel vorgeschoben, undwohin nun sich wenden? Man war nordwärts weit genugvorgerückt, und nun sollte man wieder ostwärts ziehen, umjenen Weg endlich einzuschlagen, den man gleich anfangs hättenehmen sollen. Allein gerade hier in Osten lag das von Ge-birgen umgebene Land Edom vor, man wollte sich einenDurchzug erbitten, die klügeren Edomiter schlugen ihn rund ab.Sich durchznfechten war nicht räthlich, man mußte sich also zueinem Umweg, bei dem man die edomitischen Gebirge linksließ, bequemen, und hier ging die Reise im Ganzen ohneSchwierigkeit von Statten, denn es bedurfte nur wenige Sta-tionen, Oboth, Jgim, um anden Bach Sared, den ersten,der seine Wasser in's todte Meer gießt, und ferner an denArnon zu gelangen. Indessen war Mirjam verschieden, Aaronverschwunden, kurz nachdem sie sich gegen Mosen aufgelehnthatten.
Vom Bache Arnon an ging alles noch glücklicher wie bisher.Das Volk sah sich zum zweitenmale nah am Ziele feinerWünsche, in einer Gegend, die wenig Hindernisse entgegensetzte;hier konnte man in Masse vordringen, und die Völker, welcheden Durchzug verweigerten, überwinden, verderben und ver-treiben. Man schritt weiter vor, und so wurden Midiamter,Moabiter, Amoriter in ihren schönsten Besitzungen angegriffen,ja die ersten sogar, was Jethro vorsichtig abzuwenden gedachte,vertilgt, das linke Ufer des Jordan's wurde genommen undeinigen ungeduldigen Stämmen Ansiedelung erlaubt, unter-dessen man abermals, auf hergebrachte Weife, Gesetze gab,Anordnungen machte und den Jordan zu überschreiten zögerte.Unter diesen Verhandlungen verschwand Moses selbst, wieAaron verschwunden war, und wir müßten uns sehr irren,wenn nicht Josua und Caleb die seit einigen Jahren ertrageneRegentschaft eines beschränkten Mannes zu endigen, und ihn sovielen Unglücklichen, die er vorausgeschickt, nachzusenden fürgut gesunden hätten; um der Sache ein Ende zu machen und