Noten und Abhandlungen zum west-östllchen Divan.
361
Bach Sared.
Arnon diesseits.
Mathana.
Nahalicl.
Bamoth.
Berg Pisga.
Jahza. !
Hesbon. ^
Sihon. .
Basan. -
Gefild der Moabiter am Jordan. Gefild der Moabiter am Jordan. i
Worauf wir nun aber vor allen Dingen merken müssen, ist,daß uns die Geschichte gleich von Hazeroth nach Cades führt,das Verzeichniß aber hinter Hazeroth das Cades ausläßt und eserst nach der eingeschobenen Namenreihe hinter Ezeongaber auf-führt, und dadurch die Wüste Zin mit dem kleinen Arm desarabischen Meerbusens in Berührung bringt. Hieran sind die iAusleger höchst irre geworden, indem einige zwei Cades, andere ^hingegen, und zwar die meisten, nur eines annehmen, welche !letztere Meinung wohl keinen Zweifel zulaßt.
Die Geschichtserzählung, wie wir sie sorgfältig von allenEinschiebseln getrennt haben, spricht von einem Cades in derWüste Paran, und gleich darauf von einem Cades in der Wüste >Zin; von dem ersten werden die Botschafter weggeschickt und ivon dem zweiten zieht die ganze Masse weg, nachdem die Edo-miter den Durchzug durch ihr Land verweigern. Hieraus gehtvon selbst hervor, daß es ein und eben derselbe Ort ist; denn dervorgehabte Zug durch Edom war eine Folge des fehlgeschlagenen ^Versuchs von dieser Seite in das Land Canaan einzudringen, ^und so viel ist noch aus andern Stellen deutlich, daß die beidenöfters genannten Wüsten an einander stoßen, Zin nördlicher, ^Paran südlicher lag, und Cades in einer Oase als Rastplatzzwischen Leiden Wüsten gelegen war. ^
Niemals wäre man auch auf den Gedanken gekommen, sich ^zwei Cades einzubilden, wenn man nicht in der Verlegenheitgewesen wäre, die Kinder Israel lange genug in der Wüsteherumzuführen. Diejenigen jedoch, welche nur Ein Cades an-nehmen und dabei von dem vierzigjährigen Zug und den einge- >schalteten Stationen Rechenschaft geben wollen, sind noch üblerdran, besonders wissen sie, wenn sie den Zug auf der Charte !darstellen wollen, sich nicht wunderlich genug zu gebärden, um idas Unmögliche anschaulich zu machen. Denn freilich ist dasAuge ein besserer Richter des Unschicklichen, als der innere !Sinn. S anson schiebt die vierzehn unächtcn Stationen zwi-schen den Sinai und Cades. Hier kann er nicht genug Zick- ^zacks auf seine Charte zeichnen, und doch beträgt jede Station inur zwei Meilen, eine Strecke, die nicht einmal hinreicht,daß sich ein solcher ungeheurer Heerwurm in Bewegung setzen ^könnte.
Wie bevölkert und bebaut muß nicht diese Wüste seyn, woman alle zwei Meilen, wo nicht Städte und Ortschaften, dochmit Namen bezeichnete Ruheplätze findet! Welcher Vortheil fürden Heerführer und sein Volk! Dieser Reichthum der innerenWüste aber wird dem Geographen bald verderblich. Er findetvon Cades nur fünf Stationen bis Ezeongaber, und auf dem ^Rückwege nach Cades, wohin er sie doch bringen muß, un- iglücklicherweise gar keine; er legt daher einige seltsame, und
selbst in jener Liste nicht genannte Städte dem reisenden Volk inden Weg, so wie man ehemals die geographische Leerheit mitElephanten zudeckte. Calmet sucht sich aus der Noth durchwunderliche Kreuz - und Oncrzüge zu helfen, setzt einen Theilder überflüssigen Orte gegen das mittelländische Meer zu, machtHazeroth und Moseroth zu Einem Orte, und bringt, durch dieseltsamsten Jrrsprünge, seine Leute endlich an den Arnon.Wells, der zwei Cades annimmt, verzerrt die Lage des Landesüber die Maaßen. Bei Nolin tanzt die Caravane eine Polo-naise, wodurch sie wieder an's rothe Meer gelangt und denSinai nordwärts im Rücken hat. Es ist nicht möglich, wenigerEinbildungskraft, Anschauen, Genauigkeit und Urtheil zu zeigen,als diese frommen, wohldenkcndcn Männer.
Die Sache aber aufs genaueste betrachtet, wird es höchstwahrscheinlich, daß das überflüssige Stationenverzeichniß zuRettung der problematischen vierzig Jahre eingeschoben worden.Denn in dem Texte, welchem wir bei unserer Erzählung genaufolgen, steht: daß das Volk, da es von den Cananitern geschlagen,und ihm der Durchgang durch's Land Edom versagt worden,auf dem Wege zum Schilfmeer, gegen Ezeongaber, der Edo-miter Land umzogen. Daraus ist der Irrthum entstanden, daßsie wirklich an's Schilfmeer nach Ezeongaber, das wahrscheinlichdamals noch nicht existirte, gekommen, obgleich der Text vondem Umziehen des Gebirges Seir auf genannter Straße spricht,so wie man sagt, der Fuhrmann fährt die Leipziger Straße, ohnedaß er deßhalb nothwendig nach Leipzig fahren müsse. Habenwir nun die überflüssigen Staüonen bei Seite gebracht, somöchte es uns ja wohl auch mit den überflüssigen Jahren ge-lingen. Wir wissen, daß die alttestamentliche Chronologiekünstlich ist, daß sich die ganze Zeitrechnung in bestimmte Kreisevon neunundvierzig Jahren auflösen läßt, und daß also diesemystischen Epochen herauszubringen manche historische Zahlenmüssen verändert worden seyn. Und wo ließen sich sechs bisachtunddreißig Jahre, die etwa in einem Cyklus fehlten, be-quemer einschieben, als in jene Epoche, die so sehr im Dunkelnlag, und die auf einem wüsten unbekannten Flecke sollte zuge-bracht worden seyn?
Ohne daher an die Chronologie, das schwierigste aller Stu-dien , nur irgend zu rühren, so wollen wir den poetischen Theilderselben hier zu Gunsten unserer Hypothese kürzlich in Betrachtziehen.
Mehrere runde, heilig, symbolisch, poetisch zu nennendeZahlen kommen in der Bibel, so wie in andern alterthümlichenSchriften vor. Die Zahl Sieben scheint dem Schaffen, Wirkenund Thun, die Zahl Vierzig hingegen dem Beschauen, Erwar-ten , vorzüglich aber der Absonderung gewidmet zu seyn. DieSündfluth, welche Noah und die Seinen von aller übrigenWelt abtrennen sollte, nimmt vierzig Tage zu; nachdem dieGewässer genugsam gestanden, verlaufen sie während vierzigTagen, und so lange noch hält Noah den Schalter der Archeverschlossen. Gleiche Zeit verweilt Moses zweimal auf Sinai,abgesondert von dem Volke; die Kundschafter bleiben eben solange in Canaan, und so soll denn auch das ganze Volk durchso viel mühselige Jahre abgesondert von allen Völkern, gleichenZeitraum bestätigt und geheiligt haben. Ja in's neue Tastamentgeht die Bedeutung dieser Zahl in ihrem vollen Werth hinüber;Christus bleibt vierzig Tage in der Wüste, um den Versucherabzuwarten.