Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Noten und Abhandlungen zum wesi-östlichen Divan.

Wäre uns nun gelungen, die Wanderung der Kinder Israelvom Sinai bis an den Jordan in einer kürzeren Zeit zu voll-bringen, ob wir gleich Hiebei schon viel zu viel auf ein schwan-kendes, unwahrscheinliches Retardiren Rücksicht genommen,hätten wir uns so vieler fruchtloser Jahre, so vieler unfrucht-barer Stationen entledigt, so würde sogleich der große Heer-führer gegen das, was wir an ihm zu erinnern gehabt, inseinem ganzen Werthe wieder hergestellt. Auch würde die Art,wie in diesen Büchern Gott erscheint, uns nicht mehr so drückendseyn als bisher, wo er sich durchaus grauenvoll und schrecklicherzeigt; da schon im Buch Josua und der Richter, sogarauch weiterhin, ein reineres patriarchalisches Wesen wiederhervortritt und der Gott Abraham's nach wie vor den Sei-nen freundlich erscheint, wenn uns der Gott Mosis eineZeitlang mit Grauen und Abscheu erfüllt hat. Uns hier-über aufzuklären, sprechen wir aus: wie der Mann so auchsein Gott! Daher also von dem Charakter Mosis noch einigeSchlußworte.

Ihr habt, könnte man uns zurufen, in dem Vorhergehendenmit allzu großer Verwegenheit einem außerordentlichen Mannediejenigen Eigenschaften abgesprochen, die bisher höchlich anihm bewundert wurden, die Eigenschaften des Regenten undHeerführers. Was aber zeichnet ihn denn aus? Wodurch legiti-mirt er sich zu einem so wichtigen Beruf? Was giebt ihm dieKühnheit, sich, trotz innerer und äußerer Ungunst, zu einemsolchen Geschäfte hinzudrängen, wenn ihm jene Haupterforder-nisse, jene unerläßlichen Talente fehlen, die ihr ihm mit uner-hörter Frechheit absprecht? Hierauf lasse man uns antworten:Nicht die Talente, nicht das Geschick zu diesem oder jenemmachen eigentlich denMann der That, die Persönlichkeit ist's,von der in solchen Fällen alles abhängt. Der Charakter ruhtaus der Persönlichkeit, nicht auf den Talenten. Talente könnensich zum Charakter gesellen, er gesellt sich nicht zu ihnen: dennihm ist alles entbehrlich, außer er selbst. Und so gestehen wirgern, daß uns die Persönlichkeit Mosis, von dem ersten Meu-chelmord an, durch alle Grausamkeiten durch, bis zum Ver-schwinden, ein höchst bedeutendes und würdiges Bild giebt, voneinem Manne, der durch seine Natur zum Größten getriebenist. Aber freilich wird ein solches Bild ganz entstellt, wenn wireinen kräftigen, kurz gebundenen, raschen Thatmann vierzigJahre ohne Sinn und Noth, mit einer ungeheuern Volksmasse,auf einem so kleinen Rannt, im Angesicht seines großen Zieles,hemm taumeln sehen. Bloß durch die Verkürzung des Wegsund der Zeit, die er darauf zugebracht, haben wir alles Böse,was wir von ihm zu sagen gewagt, wieder ausgeglichen undihn an seine rechte Stelle gehoben.

Und so bleibt uns nichts mehr übrig, als dasjenige zuwiederholen, womit wir unsere Betrachtungen begonnen haben.Kein Schade geschieht den heiligen Schriften, so wenig als jederandern Ueberlieferung, wenn wir sie mit kritischem Sinne be-handeln, wenn wir aufdecken, worin sie sich widerspricht, undwie oft das Ursprüngliche, Bessere, durch nachherige Zusätze,Einschaltungen, Accommodationen verdeckt, ja entstellt worden.Der innerliche, eigentliche Ur-und Grundwerth geht nur destolebhafter und reiner hervor, und dieser ist es auch, nach welchemjedermann, bewußt oder bewußtlos, hinblickt, hingreift, sichdaran erbaut und alles klebrige, wo nicht wegwirft, doch fallenoder auf sich beruhen läßt.

j Summarische Wiederholung.

! Zweites Jahr des Zugs.

^ Verweilt am Sinai.

Monat 1 Tage 20

Reise bis Cades.

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5

Rasttage.

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5

Aufenthalt wegen Mirjam's Krankheit .

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7

Außenbleiben der Kundschafter . . .

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40

Unterhandlung mit den Edomitern . .

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30

Reise an den Arnon.

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5

Rasttage.

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5

Trauer um Aaron.

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Monat 1 Tage 157Zusammen also sechs Monate. Woraus deutlich erhellt, daßder Zug, man rechne auf Zaudern und Stockungen, Wider-stand, so viel man will, vor Ende des zweiten Jahrs gar wohlan den Jordan gelangen konnte.

Nähere Hülfsmittel.

Wenn uns die heiligen Schriften uranfängliche Zustände unddie allmählige Entwickelung einer bedeutenden Nation vergegen-wärtigen; Männer aber, wie Michaelis, Eichhorn, Pau-lus, Heeren, noch mehr Natur und Unmittelbarkeit in jenenUeberlieferungen ausweisen, als wir selbst hätten entdecken können,so ziehen wir, was die neuere und neuste Zeit angeht, die größtenVortheile aus Reisebeschreibungen und anderen dergleichen Do-cumenten, die uns mehrere nach Osten vordringende Westländer,nicht ohne Mühseligkeit, Genuß und Gefahr, nach Hause ge-bracht und zu herrlicher Belehrung mitgetheilt haben. Hievonberühren wir nur einige Männer, durch deren Augen wir jeneweit entfernten, höchst fremdartigen Gegenstände zu betrachtenseit vielen Jahren beschäftigt gewesen.

Wallfahrten und LreuMge.

Deren zahllose Beschreibungen belehren zwar auch in ihrerArt; doch verwirren sie über den eigentlichsten Zustand desOrients mehr unsere Einbildungskraft, als daß sie ihr zur Hülfekämen. Die Einseitigkeit der Christlich-feindlichen Ansicht be-schränkt uns durch ihre Beschränkung, die sich in der neuern Zeitnur einigermaßen erweitert, als wir nunmehr jene Kriegsereig-nisse durch Orientalische Schriftsteller nach und nach kennenlernen.Indessen bleiben wir allen aufgeregten Wall- und Kreuzfahrernzu Dank verpflichtet, da wir ihrem religiösen Enthusiasmus,ihrem kräftigen, unermüdlichen Widerstreit gegen östliches Zu-dringen doch eigentlich Beschütznng und Erhaltung der gebildetenEuropäischen Zustände schuldig geworden.

Marco Polo.

Dieser vorzügliche Mann steht allerdings oben an. SeineReise fällt in die zweite Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts; er