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Noten und Abhandlungen zum weit-östlichen Divan.
Literatur herrlich und übersehbar aufgebaut werden kann, nachdessen Muster auch andere Literaturen Stellung und Fördernißgewinnen sollen. Höchst wünschenswerth bleibt es jedoch, daßman die chronologische Ordnung immerfort beibehalte und nichtetwa einen Versuch mache einer systematischen Aufstellung, nachden verschiedenen Dichtarten. Bei den Orientalischen Poeten istalles zu sehr gemischt, als daß man das Einzelne sondern könnte;der Charakter der Zeit und des Dichters in seiner Zeit ist alleinbelehrend und wirkt belebend auf einen jeden; wie es hier geschehen,bleibe ja die Behandlung sofortan.
Mögen die Verdienste der glänzenden Schirm, des lieblichernst belehrenden Kleeblatts, das uns eben am Schluß unsererArbeit erfreut, allgemein anerkannt werden.
Aebersetzungen.
Da nun aber auch der Deutsche durch Uebersetznngen allerArt gegen den Orient immer weiter vorrückt, so finden wir unsveranlaßt, etwas zwar Bekanntes, doch nie genug zu Wiederho-lendes an dieser Stelle beizubringen.
Es giebt dreierlei Arten Uebersetzung. Die erste macht unsin unserem eignen Sinne mit dem Auslande bekannt; eine schlicht-prosaische ist hiezu die beste. Denn indem die Prosa alle Eigen-thümlichkeiten einer jeden Dichtkunst völlig aufhebt und selbst denpoetischen Enthusiasmus auf eine allgemeine Wasserebene nie-derzieht, so leistet sie für den Anfang den größten Dienst, weilsie uns mit dem fremden Vortrefflichen, mitten in unserer na-tionellen Häuslichkeit, in unserem gemeinen Leben überrascht und,ohne daß wir wissen, wie uns geschieht, eine höhere Stimmungverleihend, wahrhaft erbaut. Eine solche Wirkung wird Luther'sBibelübersetzung jederzeit hervorbringen.
Hätte man die Nibelungen gleich in tüchtige Prosa gesetztund sie zu einem Volksbnche gestempelt, so wäre viel gewonnenworden, und der seltsame, ernste düstere, grauerliche Rittersinnhätte uns mit seiner vollkommenen Kraft angesprochen. Ob diesesjetzt noch räthlich und thunlich sey, werden diejenigen am bestenbeurtheilen, die sich diesen alterthümlichen Geschäften entschiedenergewidmet haben.
Eine zweite Epoche folgt hierauf, wo man sich in die Zuständedes Auslandes zwar zu versetzen, aber eigentlich nur fremdenSinn sich anzueignen und mit eignem Sinne wieder darzustellenbemüht ist. Solche Zeit möchte ich im reinsten Wortverstanddie parodistische nennen. Meistentheils sind es geistreicheMenschen, die sich zu einem solchen Geschäft berufen fühlen. DieFranzosen bedienen sich dieser Art bei Uebersetzung aller poeti-schen Werke; Beispiele zu Hunderten lassen sich in Delille's Ueber-tragungen finden. Der Franzose, wie er sich fremde Worte mund-recht macht, verfährt auch so mit den Gefühlen, Gedanken, jaden Gegenständen, er fordert durchaus für jede fremde Frucht einSurrogat, das auf seinem eignen Grund und Boden gewachsen sey.
Wieland's Uebersetznngen gehören zu dieser Art und Weise;auch er hatte einen eigenthümlichen Verstands - und Geschmacks-sinn , mit dem er sich dem Alterthum, dem Auslande nur in so-fern annäherte, als er seine Convenienz dabei fand. Dieser vor-zügliche Mann darf als Repräsentant seiner Zeit angesehen wer-den; er hat außerordentlich gewirkt, indem gerade das, was ihn
^ anmuthete, wie er sich's zueignete und es wieder mittheilte, auch! seinen Zeitgenossen angenehm und genießbar begegnete.
^ Weil man aber weder im Vollkommenen noch Unvollkom-menen lange verharren kann, sondern eine Umwandlung nachder andern immerhin erfolgen muß; so erlebten wir den drittenZeitraum, welcher der höchste und letzte zu nennen ist, derjenigenämlich, wo man die Uebersetzung dem Original identisch machenmöchte, so daß eins nicht anstatt des anderen sondern an der Stelledes anderen gelten sollte.
Diese Art erlitt anfangs den größten Widerstand; denn derUebersetzer, der sich fest an sein Original anschließt, giebt mehroder weniger die Originalität seiner Nation auf, und so ent-steht ein Drittes, wozu der Geschmack der Menge sich erst heranbilden muß.
Der nie genug zu schätzende Voß konnte das Pnblicum zuerstnicht befriedigen, bis man sich nach und nach in die neue Arthinein hörte, hinein bequemte. Wer nun aber jetzt übersieht, wasgeschehen ist, welche Versatilität unter die Deutschen gekommen,welche rhetorische, rhythmische, metrische Vortheile dem geist-reich talentvollen Jüngling zur Hand sind, wie nun Ariost undLasso, Shakspeare und Calderon, als eingedeutschte Fremde,uns doppelt und dreifach vorgeführt werden, der darf hoffen,daß die Literatnrgeschichte unbewunden aussprechen werde, werdiesen Weg unter mancherlei Hindernissen zuerst einschlug.
Die von Hammer'schen Arbeiten deuten nun auch meistensauf ähnliche Behandlung Orientalischer Meisterwerke, bei welchenvorzüglich die Annäherung an äußere Form zu empfehlen ist.
! Wie unendlich vortheilhafter zeigen sich die Stellen einer Ueber-z setzung des Firdusi, welche uns genannter Freund geliefert, gegen! diejenigen eines Umarbeiters, wovon einiges in den Fundgruben! zu lesen ist. Diese Art, einen Dichter umzubilden, halten wir für! den traurigsten Mißgriff, den ein fleißiger, dem Geschäft übrigensI gewachsener Uebersetzer thun könnte.
! Da aber bei jeder Literatur jene drei Epochen sich wieder-holen, umkehren, ja die Behandlungsarten sich gleichzeitig ans-! üben lassen; so wäre jetzt eine prosaische Uebersetzung des Schah! Nameh und der Werke des Nisami immer noch am Platz. Mani benutzte sie zur überhineilenden, den Hauptsinn ausschließendeni Lectüre, wir erfreuten uns am Geschichtlichen, Fabelhaften,
! Ethischen im Allgemeinen, und vertrauten uns immer näheri mit den Gesinnungen und Denkweisen, bis wir uns endlich damiti völlig verbrüdern könnten.
^ Man erinnere sich des entschiedensten Beifalls, den wir Deut-^ schen einer solchen Uebersetzung der Sakontala gezollt, und' wir können das Glück, was sie gemacht, gar wohl jener allgemei-nen Prosa zuschreiben, in welche das Gedicht aufgelöst worden.Nun aber wär' es an der Zeit, uns davon eine Uebersetzung der drit-ten Art zu geben, die den verschiedenen Dialecten, rhythmischen,metrischen und prosaischen Sprachweisen des Originals entspräche,und uns dieses Gedicht in seiner ganzen Eigenthümlichkeit auf'sneue erfreulich und einheimisch machte. Da nun in Paris eineHandschrift dieses ewigen Werkes befindlich, so könnte ein dorthausender Deutscher sich um uns ein unsterblich Verdienst durchsolche Arbeit erwerben.
Der Englische Uebersetzer des Wolkenboten, Mega -Dhllta,
^ ist gleichfalls aller Ehren werth, denn die erste Bekanntschaft miti einem solchen Werke macht immer Epoche in unserem Leben.
^ Aber seine Uebersetzung ist eigentlich aus der zweiten Epoche,