Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
JPEG-Download
 

374

Nctc» >,»d Abhandlungen zum west-östlichen Twen.

Äuf die Fahne.

Feth Ali Schah der Türk' ist Dschemschid gleich,Weltlicht, und Jran's Herr der Erden Sonne.

Sein Schirm wirst auf die Weltflnr weiten Schatten,Sein Gurt haucht Muscus in Saturn's Gehirn.

Iran ist Löwenschlucht, sein Fürst die Sonne;

Drum Prangen Leu' und Sonn' in Dara's Banner.Das Haupt des Boten Abul Hassan ChanErhebt zum Himmelsdom das seidne Banner.

Aus Liebe ward nach London er gesandt,

Er brachte Glück und Heil dem Christenherrn.

0.

-dF.'s

!>a tXx^^-z

X ««, ^)^x^v ^»XL^ ^0

l)!t> «X^L

^«r » H,x l »!^2 o "»»§2 «F

))

so

Äuf das Ordensband

mit dem Bilde der Sonne und des Königes.

Es segne Gott dieß Band des edlen Glanzes;

Die Sonne zieht den Schleier vor ihm weg.

Sein Schmuck kam von des zweiten Man! Pinsel,Das Bild Feth Ali Schah's mit Sonnenkrone.

Ein Bote groß des Herrn mit HimmelshofIst Abul Hassan Chan, gelehrt und weise,

Von Haupt zu Fuß gesenkt in Herrschersperlen;Den Dienstweg schritt vom Haupt zum Ende er.Da man sein Haupt zur Sonne wollt' erheben,Gab man ihm mit die Himmelssonn' als Diener.So frohe Botschaft ist von großem Sinn,

Für den Gesandten edel und belobt;

Sein Bund ist Bund des Weltgebieters Dara,Sein Wort ist Wort des Herrn mit Himmelsglanz.

^ Die Orientalischen Höfe beobachten, unter dem Schein einer1 kindlichen Naivetät, ein besonderes kluges, listiges Betragen undVerfahren; vorstehende Gedichte sind Beweis davon.

Die neueste Russische Gesandtschaft nach Persien fand MirzaAbul Hassan Chan zwar bei Hofe, aber nicht in ausgezeichneterGunst; er hält sich bescheiden zur Gesandtschaft, leistet ihr mancheDienste und erregt ihre Dankbarkeit. Einige Jahre darauf wirdderselbige Mann, mit stattlichem Gefolge, nach England gesendet;um ihn aber recht zu verherrlichen, bedient man sich eines eignenMittels. Man stattet ihn bei seiner Abreise nicht mit allen Vor-zügen aus, die man ihm zudenkt, sondern läßt ihn mit Creditiven,und was sonst nöthig ist, seinen Weg antreten. Allein kaum ister in Wien angelangt, so ereilen ihn glänzende Bestätigungenseiner Würde, auffallende Zeugnisse seiner Bedeutung. EineFahne mit Jnsignien des Reichs wird ihm gesendet, ein Ordens-band mit dem Gleichniß der Sonne, ja mit dem Ebenbild desKaisers selbst verziert, das alles erhebt ihn zum Stellvertreterder höchsten Macht, in und mit ihm ist die Majestät gegenwärtig.Dabei aber läßt man's nicht bewenden, Gedichte werden hinzu-gefügt, die, nach Orientalischer Weise, in glänzenden Metaphernund Hyperbeln, Fahne, Sonne und Ebenbild erst verherrlichen.

Zum bessern Verständnisse des Einzelnen fügen wir wenigeBemerkungen hinzu. Der Kaiser nennt sich einen Türken, alsaus dem Stamme Catschar entsprungen, welcher zur TürkischenZunge gehört. Es werden nämlich alle Hauptstämme Persien's,welche das Kriegsheer stellen, nach Sprache und Abstammunggetheilt in die Stämme der Türkischen, Kurdischen, Lurischen undArabischen Zunge.

Er vergleicht sich mit Dschemschid, wie die Perser ihremächtigen Fürsten mit ihren alten Königen, in Beziehung aufgewisse Eigenschaften, zusammen stellen: Feridun an Würde, einDschemschid an Glanz, Alexander an Macht, ein Darius anSchutz. Schirm ist der Kaiser selbst, Schatten Gottes aufErden, nur bedarf er freilich am heißen Sommertage einesSchirms; dieser aber beschattet ihn nicht allein, sondern die ganzeWelt. Der Moschusgeruch, der feinste, dauerndste, teil-barste, steigt von des Kaisers Gürtel bis in Saturn's Gehirn.Saturn ist für sie noch immer der oberste der Planeten, seinKreis schließt die untere Welt ab; hier ist das Haupt, das Ge-hirn des Ganzen, wo Gehirn ist, sind Sinne; der Saturn istalso noch empfänglich für Moschusgeruch, der von dem Gürteldes Kaisers aufsteigt. D ara ist der Name Darius und bedeutetHerrscher; sie lassen auf keine Weise von der Erinnerung ihrerVoreltern los. Daß Iran Löwenschlucht genannt wird, fin-den wir deßhalb bedeutend, weil der Theil von Persien, wo jetztder Hof sich gewöhnlich aufhält, meist gebirgig ist, und sich garwohl das Reich als eine Schlucht denken läßt, von Kriegern,Löwen bevölkert. Das seideneBannererhöhet nun ausdrück-lich den Gesandten so hoch als möglich, und ein freundliches, liebe-! volles Verhältniß zu England wird zuletzt ausgesprochen,j Bei dem zweiten Gedicht können wir die allgemeine An-> merkung vorausschicken, daß Wortbezüge der Persischen Dichtkunst